1×1 der Anzugspflege

Die richtige Pflege für den Herrenanzug ist nicht nur wesentlich für ein perfektes Erscheinungsbild, sondern macht die relativ hohen Anschaffungskosten dauerhaft betrachtet adäquater. Auch der beste Anzug erleidet bei falscher oder mangelhafter Handhabung immer Qualitätseinbußen, die auch sichtbar zu Tage treten.

Der feine Unterschied wird mit Sicherheit erkannt. In der Folge werden hier Denkanstöße für den Alltag und Tipps für einfachste Pflege vorgestellt, welche diesen feinen aber wichtigen Unterschied nach außen lange am Leben erhalten werden und zugleich den eigenen Geldbeutel schonen.

Die Reinigung eines Anzugs

Der typische Ablauf von heute beschränkt sich auf eine kurze Überlegung nach dem Tragen des Anzugs: In die Reinigung oder in den Schrank? Eventuell ein kurzes Riechen in der Achselgegend, Blicke auf vorhandene Flecken und die Entscheidung ist getroffen. Doch was wäre die richtige Antwort? Weder, noch!

Die chemische Prozedur erscheint uns als beste und einzige Lösung. Immerhin ist eigenständiges Waschen in der Maschine so gut wie immer verboten. Im Detail betrachtet ist es aber die teuerste und umständlichste Form von Reinigung.

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Oftmals ist es nicht einmal einfach, ein Reinigungsunternehmen mit Parkplatz vor der Türe zu finden. Doch ist es nicht beste und gar einzige Möglichkeit, ein unausweichliches Muss? Nein – Chemie ist der größte Feind der guten Passform.

Diesem Naturgesetz haben auch der teuerste Stoff und die penibelste Verarbeitung nichts zu entgegenzusetzen. Das Innenfutter selber leidet unter jeder chemischen Reinigung. Experten raten zu diesem Schritt daher nur einmal im Jahr.

Anstatt dieser Prozedur sollte einfach eine passende Kleiderbürste griffbereit sein und nach jedem Tragen seine Verwendung finden. Zuerst sind dabei die Taschen zu leeren und ein sanftes Abreiben des Außenstoffes leistet beste Dienste.

Es gibt unterschiedliche Borstenarten. Bei der Auswahl kann man direkt auf die jeweiligen Anforderungen des Materials Bezug nehmen. Staub und Schmutz werden dabei sehr gut entfernt und das Material leidet längst nicht derart darunter wie bei industrieller Reinigung. Gerade bei synthetischen Borsten finden sich heute die „Mercedes“ unter den Kleiderbürsten – die Mär aus Großmutters Zeiten, Tierhaare wären immer das Ideal, gilt als überholt.

Spezielle Borsten aus Pflanzen aller Welt zählen ergänzend noch immer als Geheimtipp und sind auch nicht breitflächig am Markt zu finden. Es kann auch Freude bereiten, sich ein kleines Repertoire an Bürsten für verschiedene Materialien anzusammeln und selber ein Gefühl dafür zu entwickeln.

Nach dem Bürstvorgang sollte der Anzug an frischer Luft belassen werden. Eine Nacht am Balkon, vor dem geöffneten Fenster oder auf der Terrasse ist Balsam gerade für häufig getragene Stücke. Es sollte, auch aus Stilgründen, auf ein Tragen an nacheinander folgenden Tagen verzichtet werden. Eine Ruhepause bei besten Bedingungen tut dem Kleidungsstück gut.

Bei Wollanzügen bieten sich noch feinere Möglichkeiten, welche im Vergleich zu ihren sonstigen Vorteilen doch relativ selten angewendet werden: Dampfbehandlungen bringen den Fasern ihre Elastizität zurück. Es muss nicht unbedingt mit dem Dampfbügeleisen gearbeitet werden – ein bloßes Aufhängen im Badezimmer während der Dusche oder Vollbad leistet beste Dienste.

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Gute Pflege endet aber nicht an der eigenen Haustüre. Was Damen zum Schutz der Frisur schon längst berücksichtigen, gilt auch für den Anzug beim Herrn: Regenschauer können, gerade nicht bei besonders hochwertigen Materialien, dem Gesamteindruck den Todesstoß verpassen – also schlicht: Regenschirm nicht vergessen und bei feuchten Witterungsverhältnissen einen Mantel überziehen!

Die richtige Aufbewahrung des Anzugs

Die Ablage des Anzugs ist ausschlaggebend für seine Form, während beim Tragen ohnehin die beste Form gewahrt bleibt. Bei der Verwendung von zu kleinen oder instabilen Kleiderbügeln sackt der Oberteil in sich zusammen und gerät außer Form.

Damit behält auch heute zumindest beim Anzug oder Sakko der gute alte Kleiderbügel aus Holz, und zwar in der richtigen Schultergröße für den Herrn, seine Bedeutung. Sollte doch einmal ein unpassender Bügel herangezogen worden und nun Faltenbildung die Folge sein, leistet der Einsatz des guten alten Dampfbügeleisens Abhilfe.

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Findet das gute Stück voraussichtlich nun länger keine Verwendung, weil es doch seiner zweckgemäßen Jahreszeit vorbehalten ist, sollte man zumindest auf Vakuum-Beutel zurückgreifen und es darin verstauen. Es wird keine Motte seinen Weg ins Innere finden. Heute aber gibt es schon spezielle Kleidersäcke, die auch zum Reisen beste Handhabung und Schutz gewähren.

Es handelt sich um spezielle Kleiderhüllen mit Zippverschluss. Das Material sollte natürlich wetterbeständig sein, wenn der Transport vor all seinen Risiken geschützt bleiben muss. Immerhin hat man auf Geschäftsreisen nur noch beschränkte Möglichkeiten, seinen Anzug kurzfristig in Form zu bringen. Ideal sind bei Reisen zusammenklappbare Erzeugnisse.

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Besonderes Augenmerk ist auch auf die Anzug-Hose zu richten: Bund- und Bügelfalten sind unbedingt zu berücksichtigen. Ein wahlloses Hängen beeinträchtigt die Passform in hohem Ausmaß.

Besonderheiten hinsichtlich des Anzugstoffes

Manchmal lohnt Recherche zu den Materialien um Besonderheiten schon prophylaktisch Paroli zu bieten. Vorab ist zu unterscheiden, ob man sich für synthetische Stoffe oder natürliche Materialien entschieden hat.

Erstere überzeugen durch Knitterfreiheit und Robustheit, die anderen sind dafür atmungsaktiver. Je nachdem gelten andere Regeln. Während Baumwolle knittert, aber besonders atmungsaktive Kleiderstücke hervorbringt, kann sich der Synthetik-Fan auf gute Passform verlassen und muss nur den Anforderungen des Stoffwechsels Rechnung tragen.

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Für Viele scheint die Lösung in der Mitte zu liegen: Mischmaterialien. Hohe Beliebtheit wird allerdings mit gutem Grunde Wollstoffen beim Herren-Anzug zuteil.

Vorteile und Pflege der Wollstoffe

Sie gelten als knitterfreie Anzugsstoffe. Schur –und Kaschmirstoffe sind zudem atmungsaktiv. Ein feiner Wollstoff ist ideal für Business-Anzüge und verleiht der Optik durch die Reflexion einen edlen, glänzenden Touch. Hier wurden einige Tipps zum Ausgangsmaterial zusammengestellt:

  • Ein kurzes Durchlüften reicht für die Verflüchtigung von Gerüchen grundsätzlich aus. Damit ist gemeint, dass typische Gerüche verfliegen – wer natürlich im Fischladen an der Schlange steht oder der Herzensdame im Nagelstudio stundenlang Gesellschaft leistet, sollte der Prozedur längere Zeit einräumen.
  • Kaschmir fordert eine ähnliche Behandlung wie das menschliche Haar ein – milde Haar-Shampoos in niedriger Menge mit lauwarmen Wasser und Lappen schaffen Abhilfe bei Flecken.
  • Kleinen Wollknötchen rückt man mit der Fusselmaid zu Leibe
  • Auswringen und feste Reibungen führen zum Bruch der Haare – das ist immer, auch bei geringeren Anteilen, zu unterlassen.
  • Kaschmir an sich wäre auch mit der Waschmaschine zu waschen – doch Vorsicht: Bei Anzügen sind andere Faktoren mit zu berücksichtigen, auch wenn neuere Waschmaschinenmodelle mit Spezialgängen hierzu einladen. Pflegeanleitungen sind, nicht zuletzt wegen des Innenfutters, unbedingt zu beachten!

Wer diese Tipps beachtet, wird belohnt. Und das in mehrfacher Hinsicht: Nicht nur das Erscheinungsbild wird optimiert, auch der Anzug hält länger und wird nicht so rasch unansehnlich. Auch die Kosten für chemische Reinigung summieren sich und sind doch bis auf seltenere Einsätze nicht nur vermeidbar, sondern sogar abträglich.

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Copyright Fotos: umbrella portrait von gato-gato-gato (Flickr) | laundromat dry cleaning von Katina Rogers (Flickr) | Suit von Jonathan Mueller (Flickr) | Suits von Robert Sheie (Flickr)

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