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Der Arbeitsstiefel – mehr als ein bloßer Arbeitsschuh

Schon gewusst? Seit 15.000 bis 13.000 v. Chr. schon fand sich stiefelähnliche Schutzbekleidung für Beine und Füße als zwingender Bestandteil der besten Lösung für gefährliche oder harte Arbeiten, wenn nicht überhaupt die einzige. Zumindest auf den Wandmalereien in der Altamira Höhle, Spanien, kann man noch heute ganz authentisch die Vorreiter der Schutzstiefel an den Beinen von Jägern betrachten. Auch ziemlich bald zeichneten sie vor allem die Soldaten aus bis immer mehr in die Freizeitgestaltung Eingang fanden, für Wanderer, Kletterer und eben Jäger von anno dazumal.

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Was man kaum vermutet: Geschlechtsspezifisch waren diese Schuhwerke, welche heute als legendäre Trendsetter für cool, lässige Auftritte auch außerhalb der Arbeitswelt dienen, gleich weit verbreitet. Die Aufmachung der Amazonen ist heute noch Vorlage für allerlei Fashiontrends. Auch in der Ausgestaltung dieser Vorreiter der Stiefel wurde nicht oder kaum nach Geschlecht differenziert – die Unterschiede in vergangenen Zeiten bestanden lediglich in der Form des Schaftes und eventuell der Absatzhöhe zum Ausgleich der Körperhöhe.

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Ab dem 19. Jahrhundert ging es bekanntlich los mit der Masssenerzeugung in grenzenlosen Ausführungen, für alle Geschmäcker und Einsatzmöglichkeiten. In den USA, vorerst für Soldaten geschaffen setzten sie sich später für die breite Masse, den Cowboys, in ihrer unikaten Aufmachung durch und bilden heute weltweit die Symbiose zwischen Zweckeinsatz und coolem Style, der mit einem bloßen Schuh wohl unerreichbar bliebe.

Zweck-Mittel-Relation: Sicherheit als Trendsetter beim Arbeitsschuh

Die Biker aller Länder griffen diese Vorgabe dankend auf und neben Stiltreue ist der Motorradstiefel ein nicht wegzudenkendes Utensil für ihre persönliche Sicherheit. Daneben kommt kaum eine Branche ohne sie aus, die ein hartes Zupacken einfordert: Der Arbeitsstiefel von heute ist mehr als bloßes Symbol – sein Einsatz ist teils zwingend vorgeschrieben, teils Ausdruck von Männlichkeit im persönlichen Style und in heute angebotenen Ausfertigungen für nahezu jede Tätigkeit das Ideal an passendem Schuhwerk, vom Hobbygärtner bis zum Astronaut.

Arbeitsstiefel heute: Was soll jeder wissen?

Während die Einen von gesetzlichen Normen zu Spezialanfertigungen keine Alternative zulassen, wird anderen keine Schranke zuteil. Bei den vorgegebenen Kriterien für unterschiedlichste Arbeitseinsätze handelt es sich aber keineswegs um vernachlässigbare Charakteristika, sondern um Effekte, die jedermann zugutekommen: Ein Blick auf sie lohnt sich immer. In unseren Breitengraden wird zwischen bloßen Schutz- und Berufsschuhen unterschieden. Typische Gefahrenquellen werden in die Anforderungen mit einbezogen.

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Wesentlich sind etwa der feste Sitz am Fuß – ein loses, bewegliches Schuhwerk beeinträchtigt nicht nur das Wohlbefinden, sondern mit Gewissheit schon das Fahren eines Kraftfahrzeugs oder Fahrrads. Viele einfach vermeidbare Unfälle hat falsches Schuhwerk bereits zu vertreten. Vollkommene Geschlossenheit am zumindest vorderen Teil, gegebenenfalls verstärkt („Schutzkappe“) schützt vor äußeren Einflüssen. Selbst eine Türe, die nach unten noch einige Zentimeter mehr vertragen könnte, kann dem vorderen Fuß-Teil stark zusetzen, wenn man nicht ausreichenden Sicherheitsabstand einhält. Vor allem aber ist man mit einem adäquaten Vorderteil vor herunterfallenden Gegenständen geschützt.

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Auch der feste Halt der Ferse kann sich als bedeutsam erweisen – man denke nur an rasche Schritte auf einer Treppe, in der sich der Schuh zu weit vom Fuß entfernt. Die Absätze von Arbeitsstiefel sind immer möglichst groß – und das hat seinen guten Grund. Solange man sich nicht gerade in Table-Dance versucht, sollte also die Auftrittsfläche des Absatzes breitflächig und mäßiger Höhe sein, die Sohlen als auch Absätze müssen geradezu aus rutschfesten Materialien bestehen. Nicht nur in der Arbeitswelt ist ein gut ausgeformtes und passendes Fußbett der Garant für Erträglichkeit für viele Einsatzstunden.

Knieschutz – das große Plus

So weit, so gut. Der wesentliche Unterschied zum bloßen Arbeitsschuh macht jedoch der Stiefel als Beinkleid aus und dieser liegt nicht einzig in besserem Halt oder coolerer Optik: Knieschutz ist ein eigenes Fachgebiet der Sicherheitsinspektoren, wenn eine Tätigkeit das einfordert aber etwa auch wichtiger Aspekt für Biker oder beim Hantieren mit gefährlichen Stoffen.

Berufliche und private Einsatzgebiete des Arbeitsstiefel

Neben Arbeiten im Nassbereich oder am Bau sind besonders der Bereich Kampfmittelsondierung oder -räumung, Altlastensanierung und Abbruch sowie Entsorgung die durchgängig regulierten Einsatzgebiete. Aber auch der Auf- und Abbau von Zelten oder sonstig „fliegender Bauten“ ist eine Gefahrenquelle für, unter anderem, auch Fuß und Bein. Und diese Tätigkeiten sind auch häufig privat großes Thema, ohne dass man zuvor schützend zu dieser Erkenntnis hingeführt wird.

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Stahlwerke, Schmieden und Industrie sind freilich jene Bereiche, wo zwingender Einsatz vorgeschrieben ist. Aber auch hier kann sich der Hobbywerker einiges abschauen. Sämtliches Hantieren mit Chemikalien oder sonstig gefährlichen Flüssigkeiten bedarf eines klaren Schutzes. Zu guter Letzt sind Großküchen erfasst, wo vor allem das Ziehen von Wägen und Abfüllarbeiten nicht zu unterschätze sind. Hier und in Gefahrenbereichen ist etwa die Durchlässigkeit von Feuchte zu in Form des Materials zu verhindern. Auch die Isolierung von Elektrizität ist durch spezielle Arbeitsstiefel prophylaktisch ein großes Thema, Kälte- und Wärmeisolierung kann aktiv betrieben werden und insofern sind die gesamten Materialien von höchster Bedeutung.

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Es lohnt sich also die Anschaffung selbst dann, wenn nur gelegentlich Situationen mit Bedarf, wie etwa in der Freizeit, vorliegen. Dabei kann man sich durchaus von den beruflich vorgeschriebenen Kriterien leiten lassen. Einige Tipps zur Auswahl, wenn ein generell „möglichst sicherer“ Arbeitsstiefel für diverse oder private Zwecke freiwillig angeschafft wird lauten daher:

  • Der Stiefel soll einen möglichst hohen Schaft aufweisen, es sei denn, man greift ergänzend auf speziellen Knieschutz zurück, der vor allem im Fachhandel für Sportler angeboten wird. In letztem Fall genügen hohe Stiefeletten, die jedoch zumindest bis über den Knöchel hinausgehen sollten. Doch Vorsicht: Das Schienbein bleibt hier ungeschützt.
  • Die Sohle soll auf jeden Fall aus gummiähnlichen Materialien bestehen und mit möglichst ausgewogenen Schutzrillen ausgestattet sein.
  • Eine Schutzkappe aus Stahl kann nie schaden. Mittlerweile gibt es aber auch schon Modelle, wo Kunststoffkappen ihrem Zweck gerecht werden.
  • Modelle mit Zwischensohlen zur Sicherheit vor „Durchtritt“ sollten konkret angefragt werden. Sogar in brandsicheren Ausführungen sind solche erhältlich.
  • Wasser- beziehungsweise Flüssigkeitsundurchlässigkeit ist bei Leder im Grunde nicht gegeben, so finden sich in der Landwirtschaft meist höher qualitative Gummistiefel, Copolymer etwa.
    • Manche Modelle sollen zwar undurchlässig sein, wie lange man sich jedoch darauf wirklich verlassen kann, ist offen. Ideal für diverse Zwecke aber wären etwa in der Bausicherheit verwendetes PU, garantiert zu hundert Prozent wasserdicht und bis zu minus 20 Gard Celisus geeignet bei Kälteisolation.
    • Häufig mit Stahlkappe und Zwischensohlen ausgestattet sollte man sich eher von diesen überzeugen lassen als eventuell doch eines der vielen Modelle, die letztlich nur in der Optik, aber weniger aufgrund überzeugender Argumente als „Sicherheitsschuh“ angeboten werden. Es gibt allerlei schicke Stiefelchen, welche gewiss robuster Natur sind aber diese konkreten Eigenschaften nicht wirklich erbringen.

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Wer allerdings diese Kriterien beachtet und die vermutlichen Bedarfssituationen des Schuhwerks auch noch zumindest ungefähr abschätzen kann, betreibt beste Vorsorge in der eigenen Sicherheit. Weitere interessante und für den modernen Mann passende Schuhe findest du auf folgender Seite: Herrenschuhe – eine Übersicht.

Update – 20.03.2016

Den nachfolgenden Hinweis eines Lesers möchte ich dir nicht vorenthalten:

Arbeitsschuhe mit Stahlkappen sind mit Vorsicht zu genießen: bei hoher Belastung kann es zu bleibenden Beschädigung der Kappe und dadurch zu Verletzungen des Vorderfußes kommen; Spezialkunststoff ist in gewissem Maße noch flexibel und daher den konventionellen Metallkappen vorzuziehen! Als everyday-Schuh sind sie pädologisch nicht geeignet, da durch die harte Kappe Zehen und Zehennägel dauerhaft geschädigt werden können.

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