Armbanduhren als Wertanlage – ein Leitfaden

Ob ein unerfahrener Käufer den Erwerb einer Armbanduhr als Wertanlage verwirklichen sollte oder nicht, ist weder mit Ja oder Nein zu beantworten. Angebote und „Beratungen“ werden nach einer geäußerten Kaufabsicht gewiss nicht lange auf sich warten lassen, doch genau hier ist Vorsicht oberstes Gebot. Auch hier gilt: Eigennützige Verkaufspraktiken und Aufklärungen müssen von einem abprallen, aber man soll sich die wesentlichen Inhalte genau merken und nach guter Recherche sich noch einmal ins Gedächtnis rufen. Erst dann lässt sich feststellen, wie gut der Rat für den potentiellen Anleger wirklich gemeint war.

Wie in allen Anlageformen gibt es bei der Armbanduhr solche, deren Wert sich nach oben entwickelt und solche, deren Wert nach unten geht. Wer also als nicht erfahrener Konsument, hier als Anleger, jemanden in die Arme läuft, dessen Produkte sich nach unten entwickeln, stößt auf kein Schnäppchen, sondern lief einem unredlichen Verkäufer über den Weg. Um die Uhr als Wertanlage zu definieren, braucht es mehr als das Erkennen und Analysieren von Faktoren oder Grundkenntnisse im Funktionieren der Märkte. Auch technisches Verständnis über Uhrwerke trägt wesentlich zu guten Erfolgen bei.

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Einstieg in die Kunst des Differenzierens

Dr. Oliver Hoffmann, Director Watch Department bei „Auctionata“, ein Experte für Armband- und Taschenuhren, umschreibt die groben Kriterien für gute Wertentwicklung dem Einsteiger mit folgenden Faktoren – wodurch ersichtlich wird, dass ein ungeübtes Auge auf sich alleine gestellt relativ schwer unter Angeboten differenzieren können wird. Die Richtung für eigene Recherchen wird aber passabel und professionell aufgezeigt.

  1. Das Renommee des Herstellers, wobei einem die berühmtesten Erzeuger typischerweise schon geläufig sind.
  2. Die Verwendung hochwertiger Materialien, welche für Laien nicht zur Gänze mit freiem Auge erkennbar sind, sondern Teil der wirklich seriösen Produktbeschreibung ist.
  3. Die Machart des Werkes, welche sich von Standardausführungen abheben soll.
  4. Die Komplikationsebenen einer Armbanduhr, also neben der Uhrzeit auch Kalender, Datumsanzeige, Mondphasen oder sonstige Innovationen. Hier ist augenscheinlich, dass es hier nicht um den Alltagsgebrauch geht, der zur Aufwertung führt, sondern sich vor allem ein Kriterium für die Wertentwicklung etabliert hat. Kritische Stimmen meldeten hierzu allerdings Vorbehalte an, siehe unten.
  5. Wie immer sind begrenzte Stückzahlen ein wertsteigerndes Element. Limited Editions sind generell im Handel als hochwertiger zu betrachten, nicht nur bei Armbanduhren.
  6. Der Erhaltungszustand – hier darf man sich nicht auf das eigene freie Auge verlassen, sondern es sind Kenner hinzuzuziehen.

Niemals aber genügen objektive Kriterien – bis zu einem bestimmten Ausmaß bestimmt sich der Preis nach dem, was im Auge des Betrachters bzw. Marktes „Kunst“ darstellt. Für einen Newcomer in der Welt dieser Luxusprodukte erscheint wohl so gut wie jeder Artikel als kleines Kunststück, auch ein solches, dessen Wert sich im Absteigen befindet. Wer freilich die Möglichkeit hat, den Markt genau zu beobachten, ist klar im Vorteil.

Die klassischen Anlageprodukte haben ihre Attraktivität definitiv verloren und Alternativen, wie Immobilien und Kunst, erfordern Fachwissen und nicht bloßes Kapital. Wer in persönliche Beratungsgespräche mit Insidern investiert, die von eigenen Käufen nicht profitieren, könnte so fundierte Eindrücke erhalten. Experten ziehen auch gerne den Vergleich zum „Wert“ eines Unternehmens: Markt- und Buchwert klaffen oft sehr weit auseinander. Genauso verhält es sich auch bei Armbanduhren als Wertanlage.

Deshalb kann nicht ohne weiteres auf Marken oder Modelle verwiesen werden, sondern sind diese immer als bloße Faktoren zu verstehen, die man in die Gesamtschau mit einbeziehen muss. Es sind daher nicht viele Grundregeln zu behandeln, denen man Allgemeingültigkeit zuspricht und wie in vielen Wissenschaften gibt es keine „hundert Prozent“ an Richtigkeit. Es gibt allerdings schon Erkenntnisse für Analysen.

Der Marktpreis einer Armbanduhr

„Der Marktpreis“ kann nicht wie in anderen Märkten erhoben werden, er ist weder homogen noch transparent. Er ist in lokaler Hinsicht unterschiedlich, von persönlichen Vorzügen mitgesteuert und in zeitlicher Hinsicht einem Wandel unterliegend. Informationen sind praktisch nur Insidern zugänglich und selbst das nicht zwingend.

Arbitrage – das Ausnutzen unterschiedlicher Wertentwicklungen derselben Sache kann für Einzelne hier zu großen Vorteilen führen. Beispiel: Man erwirbt die Armbanduhr in A, verkauft sie in B und nutzt auf redlichem Weg das unterschiedliche Niveau der Märkte aus. Der Handel selber nützt dies aus und lässt sich vom informierten Kunden so auch „austricksen“.

Bisherige Erkenntnisse:

  1. Neue Modelle eignen sich nur in Ausnahmefällen als Investition. Der Kaufpreis beinhaltet hier zu großen Teilen noch Vertriebs- und andere Kosten. Limitierte Auflagen und Vintage-Uhren gelten aber als Ausnahme – Angebot und Nachfrage bestimmen hier den Kaufpreis.
  2. Diskrepanz zwischen dem objektiven, „uhrmacherischen Wert“ und persönlichem Geschmack – hier kann leicht die Ursache für Fehlkäufe aus Sicht eines Investors liegen. Der uhrmacherische Wert ist überprüfbar durch Seltenheit und Komplikationen und bildet nur häufig, aber eben nicht notwendig, den Marktwert.
  3. Preistrends sind nicht stabil – das Timing macht den Erfolg! Fundierte Kenntnisse der Preise auf den Märkten ermöglichen eine Abschätzung der eigenen Gewinnspanne.
  4. Erstellung hochwertiger und lückenlos dokumentierte Expertisen seiner Stücke
  5. Ein geringer Einkaufspreis macht die Rendite und hierzu ist die Schaffung eines guten Netzwerkes wichtig.
  6. Echtheitszertifizierung ist ein Must-Have beim Wiederverkauf. Auch die Originalverpackung sollte man vorweisen können. Ein Abgleich der eingravierten Nummer mit diesem ermöglicht eine rasche Überprüfung der Echtheit.
  7. Es werden Fragen auftauchen, wie etwa ein geringeres oder höheres Interesse an Gold, Silber, Titan etc. als Material für Armbanduhren.
  8. Reparaturen können auch dann erforderlich werden, wenn die Uhr nicht getragen wird. Diese sollte beim Hersteller selber erfolgen und die belege gut aufgehoben werden.
  9. Persönliche Entscheidungen, wie „Möchte oder kann ich anstatt eines Einfamilienhauses eine Armbanduhr als Wertanlage erwerben?“ In diesem Fall ist langfristiger Gewinn nämlich sicher: Die um 325.000 € erhältliche „Grande Cosmopolite Tourbillon“ von Original Glashütte beschert laut Experten von „Lange und Söhne“ eine Spanne von 14.000 und 400.000 €.
  10. Beim Kauf teurer Stücke über das Internet ist bei manchen Anbietern zur treuhänderischen Abwicklung anzuraten, gerade Verkäufer aus Staaten, die keine Abkommen zur Strafverfolgung mit uns unterzeichneten oder praktisch kaum durchführbar, sollten bei uns die „Alarmglocken“ läuten lassen.
  11. Keine Angst vor „komplizierten“ Ausdrücken: „Die Komplexität der Komplikation bestimmt den Wert“ – damit ist nur gemeint, dass zusätzliche „Features“, wie die traditionelle Tagesanzeige und ausgefeiltere Anzeigen – zu denken wäre etwa an eine Anzeige des aktuelle Sternzeichens – in ihrer Machart den Preis mitbestimmen. Je ausgefeilter, umso höher der Anschaffungspreis, aber auch die Gewinnspanne beim Wiederverkauf. Weltzeituhr, Armbandwecker, blitzende Sekundenanzeige sind als derartige Innovationen aus bewährter Praxis zu nennen.

Kritikermeinungen

Wer denkt, diese Zusatzfunktion macht den Wert nachhaltig aus, irrt. Diese findet nur dann stabilen Einfluss, wenn es sich um renommierte Werke handelt oder aufgrund eines besonders hohen Innovationsgrads zeitlich begrenzte Kaufeffekte gibt („Vorläufer“). Ein größerer Kreis solcher Waren ist aber aktuell nicht vorhanden, sondern stellt eher den Einzelfall dar. Auch ergibt sich der höhere Preis.

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Gibt es Produkte für den Einsteiger?

Die Bezeichnung „Vintage“ meint nichts anderes als „ehrwürdig, alt, hervorragend“. Wer also mit Vintage-Uhren der berühmten Erzeuger beginnt, liegt auf der sichersten Seite und kann so das eigene Fingerspitzengefühl trainieren und Erfahrungen sammeln, die Abläufe kennenlernen und möglichst zwischen Berater und Verkäufer unterscheiden.

An dieser Stelle darf man auch schon einige namentliche Empfehlungen anführen, wie von Rolex die Pre-Daytona Handaufzugsmodelle, Rolex-Uhren mit Gilt-Schrift oder von Patek Philippe der „Ewige Kalender“. Solche Exemplare gelten als der „sichere Hafen im Ozean der Stürme“. Inwieweit man sich den vergleichsweise exotischen Exemplaren widmen soll, hängt davon ab, wie sehr man sich mit dem Thema auseinandersetzen kann und will. Denn die Wertentwicklungen hängen von Bedingungen ab, die von den Menschen unterschiedlich gut eingeschätzt werden können.

Erfolgsgeschichten aus den letzten Jahren

Durch Online-Foren und gestärktem Informationsaustausch gewannen prähistorische Militäruhren an Bedeutung – dies ließ die Nachfrage und Preise stark anwachsen. Grund hierfür war lediglich der Informationsaustausch über die Artikel, der zuvor so gut wie gar nicht vorhanden war. Informationstransparenz und Preisbildung sind in der Welt des Uhrenhandels untrennbar miteinander verbunden.

Zahlungskräftige Käufer bewegen sich in Auktionshäusern. Dieselbe Uhr erzielt an den unterschiedlichen Märkten unterschiedliche Preise. Das erschwert eine „allgemeine Bewertung“ ungemein. Wer Connections zu privaten Verkäufern unterhalten kann und diese in Auktionshäuser einstellt, hat grundsätzlich Potenzial. Bei sehr hohen Preisklassen aber ist davon auszugehen, dass ein Netzwerk an hocherfahrenen Insidern aufmerksam wird und diese mitunter Mittel und Wege versuchen, Neue zu übervorteilen. Es ist etwa möglich, dass wirklich gute Stücke das Auktionshaus selber über Dritte aufkauft und selber ebenso Profite macht – das kann aber bei jedem Käufer passieren.

Vorsicht beim Einkauf im Auktionshaus: „Front-Running“ ist gängig!

Abgesprochene Gebote bei einer Auktion dienen zum Treiben des Preises und enden an der sogenannten „Schmerzgrenze“. Infolge dessen kann ein wirklicher Interessent das gute Stück überbewerten und so überteuert einkaufen. So wird ein möglichst hohes Preisniveau erhalten, welches sich ansonsten ganz anders entwickeln würde, wovon der Dealer freilich dauerhaft profitiert.

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Persönliche Leidenschaft als Kriterium

Wer sich nachhaltig in der Welt von Armbanduhren als Wertanlage etablieren möchte, sollte ein gewisses Interesse und Leidenschaft für die Thematik mit sich bringen. Dazu sollte man einschlägige Magazine lesen, Insider-Kreise kennenlernen, Erfahrungen mit den unterschiedlichen Auktionshäusern sammeln und immer auch seinen Fuß „in der Türe der Privatverkäufer“ behalten, etwa niedrigschwellige Kleinanzeiger und den nicht spezialisierten Markt beobachten.

Das Auffinden gelegentlicher wahrer Schnäppchen erfordert ständige Präsenz. Wer dagegen ein einmaliges Budget zur Verfügung hat, sollte sich eher an die „Basics“ halten, bei denen – wie oben beschrieben – keine großen Risiken bestehen. Man sollte es wie bei allen anderen Anlageformen machen: Langsam herantasten, innovativ denken und doch persönlich stark genug sein, Kaufentscheidungen „aus dem Bauch“ standzuhalten. Nur in Ausnahmefällen trifft der Newcomer auf Stücke mit dem Potenzial großer Wertspannen und es ist davon auszugehen, dass die Insider derartige Potenziale nicht am Markt verschleudern.

Resümee – Armbanduhren als Wertanlage

Armbanduhren als Wertanlage sind jedenfalls sicherer als Aktien. Eine rasche Verfügbarkeit durch Verkauf darf nicht notwendig werden, die Anlage kann nur langfristig betrachtet als eine solche wirken. Die sinkende Verfügbarkeit eines Produkts und Inflation sind die Basis der Wertsteigerung. Grundsätzlich gilt aber: Nur wenigen Armbanduhren widerfährt eine Preis-Steigerung im Verhältnis zum Angebot.

An dieser Stelle ist auf die Marke Rolex zu verweisen, die bei Widerverkäuflichkeit und Preisstabilität herausragt. Dafür ist in den nächsten Jahren dort eine Wertsteigerung eher unwahrscheinlich. Eine Beobachtung der Märkte anderer Hersteller ermöglicht erst alle Bandbreiten der Möglichkeiten bei der Armbanduhr als Wertanlage. Blain & Company gehen von einer jährlichen Umsatzsteigerung von 25 % in diesem Markt aus. Die Ware aus geschwächten Ländern, wie Südeuropa, drängen tatsächlich per Internet auf den Markt – hier aber ist allerhöchste Vorsicht geboten. Ob der Internethandel tatsächlich diese Potenziale verstärken wird, bezweifeln dagegen vereinzelte Stimmen.

Im Vergleich zu Anlageformen der Kapitalmärkte sind es jedoch nur Vorteile, die den Unterschied ausmachen: Inflation, Niedrigzinspolitik, die Entwicklung der Bankenunion, welche auch unseren herausragenden „sicheren Hafen“ relativieren können oder werden, sind die Punkte, die von der Abkehr zum traditionellen Anlageverhalten führen. Allerdings widerfährt das Potenzial solcher Menschen, die weniger Kapital aufweisen können aber umso besser Entwicklungen und Potenziale erkennen können, hier aktuell noch eine enorme Aufwertung an Chancen.

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