Automatikuhren für Herren – das muss man(n) wissen

Wie funktionieren eigentlich Automatikuhren für Herren in technischer Hinsicht, wie anfällig sind diese Produktionen für Defekte, rechnen sich Reparaturen und Wartungen oder begibt sich der Käufer mit jeder technischen Verfeinerung in ein noch höheres Spielfeld der geplanten Obsoleszenz, also dem „Ablaufdatum“ eines Produkts, welches zwecks Motivation für einen Neukauf von den Erzeugern bewusst festgelegt wird?

Wie zeigen sich die Unterschiede zur „Normalo-Armbanduhr“ von Herrenarmbanduhren im Alltag? Gibt es grundsätzliche Preisunterschiede, wenn ja – rechnen sie sich. Hier handelt es sich um Fragen, die man sich eigentlich vor jeder Anschaffung, gerade bei Waren für den alltäglichen Bedarf, stellen sollte.

Hier gibt es einen gravierenden Unterschied zu Produkten, wie beispielsweise Smartphones oder EDV-Geräte: Neue Modelle verändern auch ihre Gebrauchseigenschaften kontinuierlich, erhöhen den Mehrwert durch verbesserte Ausstattung, begründen den Wunsch einer Neuanschaffung selbst bei anhaltender Funktionstüchtigkeit des schon vorhandenen Geräts.

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Kriterien, die bei der Armbanduhr allgemein nicht vorliegen. Hier stehen Kontinuität, Qualität und Verlässlichkeit im Vordergrund. Wer sich eine Armbanduhr anschafft, möchte sie in aller Regel dauerhaft verwenden und nicht ein, zwei Jahre später austauschen. Dahingehend wird die Herren-Automatik-Armbanduhr wie folgt „durchleuchtet“:

Rückblick auf die Geschichte der Automatikuhr für Herren

Der erste Versuch, ohne eigenes Zutun, also automatisch mit einer korrekten Zeitangabe versorgt zu werden, fand schon im 18. Jahrhundert statt. Wie alle Innovationen war auch die Automatikuhr vorerst einer kleinen Elite vorbehalten – der hohe Preis erlaubte noch lange keine Etablierung für die breite Masse. Auch bedurfte es technisch einer immer besseren Verfeinerung, die stetig voranschritt und erst Jahrzehnte später das Tragen am Handgelenk ermöglichte.

Ein Brite schaffte es 1922, die ersten durch Pendelschwungmasse betriebenen Produkte auf den Markt zu bringen – allerdings nur in der Schweiz. 1932 setzte Rolex auf Rotor basierte Technik und nach dem 2. Weltkrieg war auch der Markt in Deutschland mit den immer beliebteren Automatik Armbanduhren für den Herrn ausgestattet. Mittlerweile gibt es auch keine geschlechtsspezifischen Unterschiede mehr – außer freilich der optischen Feinheiten.

Die Technik von heute

Bei der Automatikuhr wird für den Betrieb des Laufwerks keine Batterie benötigt. Es gibt keine Ausfälle, kein hastiges Anschaffen einer solchen und keine Kosten. Man erspart sich nicht nur Geld, sondern auch Umstände. Die zweite Bezeichnung für Automatikuhren lautet übrigens „mechanische Armbanduhren“, denn sie werden von Energie angetrieben, die von ihren Trägern und dessen Bewegungen ausgeht. Diese wirken auf einen Rotor ein, der wiederum die Feder antreibt.Diese Feder wirkt unmittelbar auf das gesamte Uhrlaufwerk ein.

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Sie ist gleichmäßig gespannt und sorgt so für gleichbeliebenden Gang ohne Abweichungen – die Uhr geht nach wie vor „richtig“. Im Ergebnis bedeutet das die einfachste Bedienart, bei der in keinster Weise ein Fehler passieren kann, man im Alltag keine Tricks aus der Gebrauchsanweisung kennen muss oder gar Fremdhilfe oder Anschaffungen bedürfe.

Bei älteren Modellen sieht die Machart noch etwas anders aus: anstatt mit Rotor wurde mit Pendelschwingmasse gearbeitet. Gerade bei gebrauchten Käufen kann man durchaus noch solche Exemplare erhalten.

Charakteristik und Alltagsfähigkeit

Wer den Kauf einer Herren-Armbanduhr andenkt, sollte sich der Vorteile der Automatikarmbanduhr bewusst sein. Abgesehen vom Verzicht auf tägliches Aufziehen, welches häufig auch vergessen wird, bietet die Automatikuhr einfach genauere Ergebnisse und weniger Abweichungen. Und manchmal sind schon Minuten wichtig – man denke an Termine, in denen pünktliches Erscheinen schon zur Bildung persönlicher Eindrücke notwendig ist, wie etwa Vorstellungsgespräche. Oder man holt jemanden mit dem Auto von einem Treffpunkt ab, wo es keine freien Parkplätze gibt – die nervenaufreibendsten Szenarien sind denkbar.

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Sehr gute Modelle von Automatikuhren sind sogar mit einer sogenannten Gangreserve ausgestattet. Diese besitzen eine eigene Anzeige und wirken bis zu 60 Stunden. Zudem sind sie mit einer „Rutschkupplung“ versehen – ein Überdrehen kann erst gar nicht passieren. Diese Details der kleinen Unterschiede sind allerdings wesentlich für die Gebrauchsfähigkeit schlechthin. Und freilich ist die Optik dieser hochspeziellen Werke typischerweise der zugrundeliegenden Technik auch erkennbar ebenbürtig.

Ölwechsel und Service?

Auch hier liegt die Lebendauer bis zu einem gewissen Ausmaß im täglichen Handling, also der Pflege, Wartung, Aufbewahrung und fachmännischer Einsätze bei Bedarf. Und doch wird das praktisch oft vernachlässigt oder unterschätzt. Schon alleine die Existenz von Öl im Inneren erinnert uns doch an besondere Maßnahmen, an die man bei einer Armbanduhr eigentlich nicht denkt: Ölwechsel ist angesagt! Das wichtige Öl im Inneren kann selbstverständlich verdampfen oder erhärten und so Schädigungen hervorrufen.

Ein Zeitraum bis zu maximal fünf Jahre für eine Wartung ist schon deshalb einzuhalten. Dabei wird außerdem jede einzelne Dichtung kontrolliert, welche von äußeren Einflüssen in ihrer Konsistenz beeinträchtigt werden kann und möglicherweise ihren Zweck nicht mehr erfüllt. Kleinere Checks, je nach der üblichen Beanspruchung sollen aber häufiger erfolgen – dabei ist vor allem die Wasserdichtigkeit zu kontrollieren.

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Wasserdichtheit ist ein relativer Begriff – je nach Bar lässt sich bei der Pflege anders arbeiten: Schon bei drei Bar kann man sie mit feuchten Textilien reinigen, bei weniger Schutz bitte nicht. Ab 10 Bar ist der Einsatz von fließendem Wasser möglich. Besteht sie aus Edelstahl, so leistet eine alte Zahnbürste oder ähnliches gute Dienste. Auf jeden Fall ist sie anschließend trocken zu reiben. Nach Einsätzen in Meerwasser ist die Uhr immer von Salz zu befreien. Dazu bieten sich Haushaltswasser oder spezielle Tinkturen.

Wer die Uhr stark beansprucht, sollte sie jährlich anschauen lassen. Im Zehnjahresabstand sind bei typischem Gebrauch Krone und Tubus auszutauschen. Als am resistentesten erweisen sich Bauteile aus Silizium und Diamant.

Lederarmbänder und Hygiene

Besteht das Armband aus Leder, sollte man wissen: eine Dauerlösung ist das nie. Keime und Bakterien werden aktiv aufgenommen sind praktisch nicht zu entfernen: heute weiß man, in hygienischer Hinsicht gewiss kein Ideal. Edelstahl hält tatsächlich für immer und die Armbänder überleben sogar die Uhrwerke selber und können zum treuen Begleiter für das ganze Leben werden – eine Verbindung ohne jeglichen Kompromiss, die ihren Preis wert ist.

Spezial-Tipps zur Ablage

Beeinträchtigungen wie Stöße, starke Temperaturschwankungen und Magnetfelder sind zu minimieren oder verhindern. Es geht um immer um das Ausmaß der Schwankung: Am Handgelenk beträgt die Temperatur schnell bis zu 30 Grad. Legt man sie unmittelbar nach dem Tragen auf wärmeresistenten Flächen wie Stein oder Glas ab, ist dies bereits eine ziemlich unsachgemäße Behandlung.

Doch einmal im Bewusstsein verankert, sind solche Gewohnheiten rasch in den Griff zu bekommen – immerhin genügt bereits ein Tischdeckchen, eine Serviette oder Ablage am Holzregal, um so möglicherweise entstehende Beeinträchtigungen zu verhindern.

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Wird die Automatikarmbanduhr mit dem Zifferblatt nach unten hingelegt, läuft sie schneller und vice versa. Dies hängt mit der Reibung zusammen und ist unveränderbar. Ideal in jedem Zusammenhang, auch mit den Witterungseinflüssen wie Sonnenbestrahlung, ist ein besonderes Uhren-Etui. Sie werden unterschiedlich benannt und auch hier gibt es schon reichliche Auswahl – ein Accessoire, dessen Anschaffungskosten sich gewiss amortisieren.

Im Abstand von bis zu drei Monaten sollte die Uhr vollständig aufgezogen werden. Das dient der Verteilung der Öle und sie können so volle Wirksamkeit und Pflege entfalten.

Resümee

Heute befinden sich Automatikuhren im Repertoire bei so gut wie jedem Hersteller. Man erkannte schon längst die anwachsende Beliebtheit. Das bedeutet Vielfalt in der Auswahl hinsichtlich Ausstattung, Optik, für beide Geschlechter und auch beim Preis. Nun hängt es vom Konsumenten ab, in welche Richtung er tendiert – in Sachen Exklusivität sind kaum Grenzen auszumachen.

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Fakt ist: Wer auf Gebrauchstüchtigkeit zählt und auf Praktikabilität im Alltag wert legt, also das Preis-Leistungsverhältnis als Entscheidungsbasis heranzieht und aus allen Facetten der Angebote zu wählen genießt, hat doch eine gewisse Qual der Wahl: von günstig für jedermann bis hin zum Anlage-Objekt. Das Thema „geplante Obsoleszenz“ wurde mit Automatik-Armbanduhren bislang noch nicht in Zusammenhang gebracht und würde die gesamte Charakteristik in Frage stellen.

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Copyright Fotos: Omega Speedmaster „Complications“ watch von Mark (Flickr) | Watch von J. Mark Bertrand (Flickr) | My New Watch! von Otis Blank (Flickr) | Tissot Heritage Visodate Automatic von Endemoniada (Flickr) | .sad and drearY von Sippanont Samchai (Flickr)

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