Bermuda Shorts – die etwas andere kurze Hose

Wer denkt schon über Bermuda Shorts nach, wenn er nicht gerade eine braucht. Im Grund gibt es eine Überflutung dieser Massenware und bei der Auswahl wird nur noch über Größe und Design befunden. Dass auch dabei Stiltreue möglich ist, dringt oft in den Hintergrund. Es gibt gar nicht wenige Erwägungen auf Informationen basierend, die – bei Beachtung – von Stilbewusstsein und sogar Belesenheit zeugen.

So ist etwa die Beinlänge der originalen Bermuda Shorts genau vorgegeben und somit mit der eigenen Körpergröße abzugleichen. Durch die vielen Modelle mit Gummizug achtet der Konsument aber kaum auf die richtige Größe, weil in Wahrheit „irgendwie jede passt“. Hier ließen sich noch einige Beispiele herauskristallisieren, mit denen der typische Träger von Bermuda Shorts doch eine gewisse Unbeholfenheit in Stilfragen zur Schau trägt.

Auch Bermuda Shorts haben eine Geschichte. Und bei Kenntnis dieser wirklich geringen Informationsfülle ist eigene Perfektion selbst noch im tiefsten Dschungel der Angebotspalette möglich. Denn die buntesten Ausführungen, diversen Längen, bewusst oder unbeabsichtigt kitschige Musterungen, sind allesamt nicht wirklich authentisch für diese Hosen-Art.

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Doch tragen die Geschichte und sogar die Gegenwart der originalen Bermuda Shorts auch einige witzige Aspekte in sich, die wir nicht „eins zu eins“ übernehmen sollten, siehe dazu unten. Bei den angesprochenen Ausführungen handelt es sich schlicht um Shorts. Die Bezeichnung Bermuda Shorts ist viel eingeschränkter richtig.

Die Anfänge der Bermuda Shorts

Im Überseegebiet der Briten namens Bermuda etablierten sich bestimmte Shorts zu bestimmten Anlässen. Es handelt sich um die Region des legendären Bermuda-Dreiecks, jene Inseln, auf denen mystische Vorkommnisse stattfinden sollen und wo tatsächlich schon einige Flugzeuge und Schiffe verschwunden sind. Diese 36 Koralleninseln weisen freilich ein heißes Klima auf und so besteht dort der Geschäftsanzug aus Hemd mit Krawatte, Kniesocken und eben Bermudashorts – eine Aufmachung, die für uns höchst ungewöhnlich ist: ein Kompromiss der englischen Art mit den Tropen.

Ungewöhnlich ist es nämlich besonders dann, wenn man sie in Verbindung setzt mit den traditionellen britischen Anzügen der feinen Gesellschaft. Oberteile in Schwarz – unten kunterbunt, solche Bilder kann man auf der offiziellen Webpräsent dieser Inseln bewundern und die Historie des Styles noch detaillierter kennenlernen. Allerdings in englischer Sprache.

Auf diese Weise adaptiert wurden übrigens britische Militäruniformen. Die Royal Navy hat ihre Einsatzgebiete bekannter Weise in tropischen Regionen. So breiteten sich die kurzen Hosen als gesellschaftlich anerkanntes Kleidungsstück auf den gesamten Inseln aus. Außererdem in der ganzen Welt – nur mit eingeschränkter Funktion, nämlich für informelle Anlässe, also der Freizeit.

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Es sei denn, man wäre Sportlehrer. Aber selbst dann trägt man bei uns kaum einen eleganten Blazer mit Krawatte dazu. Diese Kombination ist ein Abbild individueller Entwicklung vor Ort und für den dortigen Tourismus eine kleine Augenweide, bei uns aber nicht verbreitungsfähig. Trotzdem wird man zumindest in Nuancen umdenken müssen, wenn wir in Europa weiterhin immer heißere Sommer erwarten müssen.

Gibt es originale Bermuda Shorts?

Es gibt sie sehr wohl: originale Bermudas. Man darf sich nur nicht am Wortlaut anklammern, denn der Name ist gesetzlich nicht geschützt. Wer also beim Einkauf nach Bermuda Shorts fragt, wird ungefähr alles präsentiert bekommen, das nicht viel länger als bis unter das Knie reicht – von der Badehose bis zum Trainingsanzug, also Vorsicht. Wer stilbewusst einkaufen möchte, eignet sich den eigenen „Kenner-Blick“ an und revidiert zumindest für sich selber die Tipps der Belegschaften beim Diskounter oder wendet sich an den guten Fachhandel.

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Dort dürfte oder sollte man etwas bewusster die Zuordnung treffen können, was Bermudas oder Shorts sind. Echte Bermuda Shorts enden 5 cm oberhalb des Knies. Alles andere sind Shorts. Die Relevanz des Unterschieds ist in der Freizeit natürlich enden wollend – wer sich aber auch bei halboffiziellen Events den Temperaturen annähern möchte, kann darauf aufbauend sehr wohl Stil und Eleganz ausdrücken. Und gewisse freizeitliche Events haben in Wahrheit halboffiziellen Charakter und unterliegen so unausgesprochenen Regeln, etwa ein Tennisspiel gegen den Boss.

Einschränkungen beim Tragen

In Westeuropa gibt es wohl kaum eine Region, in der ein Bankdirektor mit den Bermuda Shorts seine Kunden empfängt. Man muss aber auch immer einen Blick auf die jüngere Geschichte werfen: Wenn sich bei uns etwa im Rahmen des Klimawandels andere Standard-Temperaturen einbürgern – und diese Entwicklung kann kaum noch negiert werden – gestalten sich die gesellschaftsfähigen Outfits um.

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Die Grenzziehung zwischen Freizeitkleidung und Geschäftsalltag verschiebt sich – die kurze Hose, vielleicht mit Bundfalte und unifarben in dezentem Grau kann auch dem Bankdirektor zumindest für Durchschnittstermine oder auswärts ein willkommenes Kleidungsstück werden.

Es würde gewiss ein Umdenken stattfinden müssen, wenn die Tage mit 40° Celsius mehr werden. Ein Nachdenken über Bermuda Shorts – mag es auch von einem etwas makabrem Touch begleitet sei – sollte zumindest zu erhöhter Beobachtung des eigenen Arbeitsumfelds führen. Bei großer Hitze und vielleicht auch noch schlechter Klimatisierung gibt es kaum jemanden, dem man das Tragen nicht verzeihen würde. Kurz: Elegantere Varianten und Kombinationsmöglichkeiten sollten in jedem Schrank zumindest verfügbar sein.

Auswahl und Kombination: Dos & Don’ts

Es gibt sie immerhin in allen Farben, Materialien und Formen. Hier muss man sich nur an jenen Stil orientieren, den man auch sonst in der jeweiligen Situation vertritt. Etwa eine beige Bermuda Shorts aus Leinen kann mit entsprechendem Oberteil und Schuhen nicht minder seriös wirken als etwa lange Jeans mit Blazer, vielleicht sogar noch mehr – Gewohnheit prägt den Eindruck. Bei Hitze bewähren sich Naturstoffe wie Leinen als bester Tipp.

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Eine gewisse Detailliebe und der Blick aufs Wesentliche sind aber hier vorausgesetzt. Es handelt sich um hoch qualitative und seriöse Stoffe, viel mehr als bei Jeans. Darum kann das Material an Seriosität kompensieren. Generell gilt bei den Farben: lieber grau, hellbraun oder beige als weiß.

Einfacher ist es im Bereich der Freizeit: Dort wäre alles erlaubt. Von den Farben her muss man den Usus der Inselgruppe nicht übernehmen – bunte Shorts sind am ehesten etwas für Kinder. Eng anliegen sollen Bermuda Shorts niemals. Der Style von Hot Pants ist jedenfalls ein Tabu solange man sich auf keiner Love Parade oder Kostüm-Event befindet. Wer nicht ganz in Sachen Freizeitgestaltung unterwegs ist, sollte sich Musterungen der Shorts jedenfalls ersparen und einfarbig auftreten.

Der Charakter von Bermuda Shorts soll in Bequemlichkeit, Anpassungsfähigkeit und bei hohen Temperaturen keinesfalls körperbetont sein. Wenn die Beine wie bei allen Shorts nun einmal nicht verdeckt sind, bedarf es keiner weiteren Körperbetonung. Zumindest ist aufzupassen.

Auswahl an Bermuda Shorts

Es bieten sich bunte Möglichkeiten für Strand, Urlaub & Co: Bermuda Shorts in Karo-Mustern, Strandmotive, sogar Hawaii-Muster, die an die 1980er Jahre erinnern, Cargo-Bermuda Shorts und grelle Farben oder Pastell – erlaubt ist hier alles. Jeansstoff wurde hier aber bewusst nicht genannt, weil diese Art vom Original zu weit entfernt ist und außer einer etwaigen Länge eigentlich keine Gemeinsamkeit zum Original besteht.

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Der Charakter wird bei Jeans-Shorts eher vom Material dominiert und nicht von der Länge. Sie würde als „Jeans“ wahrgenommen und nicht als „Bermuda Short“. Das Beinkleid bei der Bermuda Shorts ist außerdem immer hängend und locker – bei der Schwere von Jeansstoff eher eine seltene Machart.

Eigentlich nicht mehr zum Thema gehört das Schuhwerk, aber genau dieses ist es, welches es gekonnt zu kombinieren gilt: Flip-Flops im Büro sind tabu. Wer zur Bermuda Shorts ein sportlich-seriöses Halbschuhwerk wählt – bitte mit leichten Socken – kann auch die Shorts häufiger ins Arbeitsleben integrieren.

Tipp: Individualität bei gleichzeitiger Hochwertigkeit ermöglicht größere Spielräume. Wer dabei nicht geübt ist, braucht vielleicht professionelle Beratung. Und die erhält man zum Thema eher noch selten im durchschnittlichen Einzelhandel. Die Deutsche Knigge-Gesellschaft hat ihre Regeln in der Arbeitswelt geändert. Mut zum Umdenken ist gerechtfertigt aber es braucht trotzdem immer Recherche und Beobachtung oder Fingerspitzengefühl, wenn man hier die Bermudas auch im Job einsetzen will.

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Fazit zu Bermuda Shorts

Im beruflichen Alltag werden Bermuda Shorts uns wohl zunächst noch eine Weile nicht begegnen. Aber gerade in der Freizeit machen diese einiges her und heben sich von 0815 Shorts oder anderen kurzen Hosen gekonnt ab. Daher ruhig Mal über den Tellerrand schauen und das etwas andere Kleidungsstück besser kennenlernen.

About Sebastian

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