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Ein Dufflecoat für den Herrn – zeitgemäß oder passé?

Die Jüngeren unter uns werden wohl den „Dufflecoat“ erst einmal googeln – daher hier die Definition: „Der Dufflecoat ist ein dreiviertellanger, einreihiger Mantel mit Kapuze und Knebelverschlüssen aus Horn oder Holz.“ Keine Angst: Die Knebelverschlüsse haben nichts mit Zwangsjacken gemein und erfüllen die Funktion der Knebelung ausschließlich betreffend der besonderen Knopf-Art – that´s it.

Letztlich handelt es sich um ein Modell, welches es schaffte, jahrzehntelang in beständiger Weise nicht nur von Otto Normalverbraucher, sondern auch von namhaften Persönlichkeiten erworben und getragen zu werden. Er ist ein Klassiker geworden. „Out“ zu werden ist für solche unmöglich, sie bestehen unabhängig der Modemacher weiter, auch wenn noch so viele Konkurrenten die Schaufenster füllen.

Der Dufflecoat vom Revoluzzer im 19. Jahrhundert zum Klassiker heute

Als Klassiker hat der Dufflecoat eine kleine Historie – allerdings mit einigen Fragezeichen: Mit Duffle handelt es sich um eine belgische Stadt südlich von Antwerpen. Der Schnitt soll in Anlehnung der „Pekesche“ ins Leben gerufen worden sein, einer Uniformjacke der polnischen Armee im 19. Jahrhundert. 1830 etablierten sie diese in Preußen. Im Rahmen des Novemberaufstands war sie wohl eine Art Dresscode für Studentenverbindungen und drückte insofern eine Message aus.

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Einflüsse stammen auch vom „Habit“ – einer nach wie vor gängigen Bekleidung für katholische Mönche. Dem Dufflecoat sieht man als solchen weder das Eine, noch das Andere an. Eine Assoziierung kann heute damit nicht mehr erfolgen. Interessant ist aber auch die Ähnlichkeit mit typischen Jacken der Eskimos, die eher auf der Hand liegt aber historisch betrachtet keine Belege für Einflüsse gefunden scheinen. Im Zweiten Weltkrieg fand der Dufflecoat einen gewichtigen Fan: Bernard Montgomery, ein britischer Offizier, verschaffte dem Dufflecoat einen Kurznamen: Die Bezeichnung „Monty“ konnte sich aber nicht nachhaltig etablieren.

Monty oder Dufflecoat – als zeitloser Klassiker auf der ganzen Welt wird ihm konstant gebührende Präsenz zuteil, auch wenn er nicht auf großen Laufstegen die Hauptrolle spielt. Vielmehr gibt es unzählige Varianten, die in Anlehnung an das Original entworfen wurden und die wichtigsten Punkte beibehalten. Neue Stoffe, vielleicht trendigere Schnitte und Innovationen bei der Verarbeitung fließen immer mit ein. Sein Vorteil der Zeitlosigkeit bleibt ihm so in der klassischen Ausführung erhalten. Auch hier lassen sich Modelle vergleichen und kann man ein bisschen den individuellen Geschmack verwirklichen.

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Unterschiede: Originale und verwandte Modelle

Seine Dreiviertellänge ist traditionelles Kennzeichen des Dufflecoats, aber kein Muss. Auch Jacken findet man im selben Style, die zwar nicht zu den Klassikern zählen, aber auch gerne getragen werden. Lediglich das Gesäß überdeckend gibt es unzählige Angebote, obwohl ansonsten alles gleich bleibt. Der Schnitt ist grundsätzlich gerade und ansatzweise tailliert.

Drei Erkennungsmerkmale für einen Dufflecoat bleiben aber immer gleich: die Kapuze, große aufgenähte Taschen und seine Knebelverschlüsse. Das macht auch Sinn, denn die großen Taschen schaffen bequem auch mit Handschuhen ein warmes Plätzchen für die Hände und die Kapuze hält den Kopf, Ohren und Halsbereich geschützt vor Kälte. Außerdem: Ein Reißverschluss bedeutet nur einen Verschleißteil mehr. Wenn der nicht mehr ordentlich funktioniert, kann auch die beste Jacke nicht mehr verwendet werden, es sei denn, man setzt einen neuen ein. Also heute eher illusorisch.

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Geht aber ein Teil des Knebelverschlusses ab, ist er rasch wieder angenäht. Einfaches Hantieren am Verschluss ist auch mit den dicksten Handschuhen gewährleistet. Bei kleinen Knöpfen wäre das oft ein Ding der Unmöglichkeit. Man hat sich etwas dabei gedacht als der Dufflecoat entwickelt wurde. Damals war eine lange Lebensdauer für Kleidungsstücke ein Muss – heute muss man erst einmal Modelle suchen, die wirklich ihre Anschaffung dauerhaft lohnend machen.

Die schweren Wollstoffe lassen auch nur sehr langsam Feuchtigkeit in ihr Inneres. Mit seiner Anschaffung ist man winterfit. Beim Tragen sind der Freizeitbereich und informelle Anlässe abgedeckt. Vorsicht ist aber bei geschäftlichen Terminen geboten.

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Farben, körperliche Betonung und Einschränkungen beim Tragen

Bei den Farben darf man gerne auf Trends und den eigenen Geschmack zurückgreifen. Dabei dominieren natürlich Naturfarben sowie Schwarz-Grau-Weiß-Töne. Zwar gibt es auch vereinzelt Dufflecoats in poppigen Farben, die jedoch den klassischen Effekt komplett überlagern.

Mit Kapuzen werden immer die Schultern betont. Wer an sich diesen Effekt begrüßt, wie eher zierlich gebaute Männer, tut ein Gutes, solche Schnitte zu tragen. Wer ohnehin eher einen bärigen Körperbau bekleiden will, sollte dagegen auf Kapuzen verzichten. Bei der Freizeitgestaltung an Wintertagen ist jedoch der Wärmeeffekt gewiss überwiegend, also ist dieser Überlegung wohl Genüge getan, beim Stadtbummel auf ein Kleidungsstück zurückzugreifen. Es hängt eben vom Bedarf und den eigenen Prioritäten ab.

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Zur Casual- und Jeansmode gehörend trägt man den Dufflecoat zur großen Palette der Jeans- und Cordhosen, Chinos und sein Einsatz in der Arbeitswelt ist grundsätzlich adäquat. Je höher man allerdings zum Beispiel die „Etagen“ einer Bank erklommen hat, umso eingeschränkter sollte der Dufflecoat ins Büro mitgenommen werden. Wie dort auch alle Arten von Leder- oder Daunenjacken und -mäntel den zurückhaltenden Mänteln in dezenter Farbe weichen sollen, so sind alle lässigen Formen verpönt.

Fazit zum Dufflecoat

Das bedeutet aber noch lange nicht, dass der Dufflecoat nicht auch aus edelstem Hause entstammen kann und die Preise nicht selbst die hippsten Designerjacken noch übertreffen können. Der originale Gloverall-Herren-Dufflecoat aus England kostet heute immerhin rund 600 Euro und beweist sein nachhaltiges Standbein auch in der feinen Gesellschaft. Wenngleich er auf Freizeitgestaltung ausgerichtet ist, beweist der gute alte Monty also noch immer Stilbewusstsein auf hohem Niveau.

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Aber keine Angst: Auch hochqualitative Alternativen im kleineren Budgetrahmen zeugen davon. In den Abwägungen zur Kaufentscheidung zugunsten eines Klassikers stehen die immanente Zeitlosigkeit und stabile Verarbeitung im Vordergrund. Auch die Funktionalität an kalten Tagen ist kaum zu übertreffen. Wer also nicht gerade auf ein Spottpreis-Modell aus schlechtem Hause zurückgreift, wird keine bösen Überraschungen erleben und dauerhaft Nutzen aus seiner Anschaffung beziehen.

Gerade das Fehlen von trendigem „Klimbim“ wissen viele zu schätzen. Die teils stark kritisierten Pelzkapuzen, die ethisch bedenklich erzeugt und mit starkem Einsatz chemischer Zusätze die Massen geradezu überschwemmen, können dem Charakter des Dufflecoats nicht das Wasser reichen. Der klassische Monty kommt ohne Veränderung aus und kann nur in seiner ursprünglichen Variante seiner bekannten Eigenschaft treu bleiben: der Zeitlosigkeit und Überlegenheit an kalten Tagen aufgrund der immanenten Details.

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About Sebastian

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