Fliege_binden_002

Eine Fliege binden – so geht’s

Wer noch nie den Effekt einer Fliege für sich erkennen konnte und vielleicht noch nicht einmal auf die Idee kam, dieses zutiefst traditionsreiche Accessoire mit aktueller Fashion zu kombinieren, mag vorerst überrascht sein. Dazu kommt: Das gekonnte Binden einer Krawatte ist Teil vom typischen Allgemeinwissen, aber einer Fliege?

Sind Fliegen nicht ohnehin heute mit einem Verschluss versehen, so dass sie nur umzulegen sind? Warum also besondere Techniken beherrschen? Ist das Ergebnis nicht identisch? Ist eine Fliege nicht doch eher altmodisch und so auch geeignet, auch Jugend, Fashion und Sportlichkeit zu verkörpern? Kann der Mann von heute mit einer Fliege überhaupt authentisch wirken? Meiner Meinung kann er dies definitiv, schaut doch hierzu einfach Mal folgenden Beitrag von mir an.

2015: Das Jahr 2015 der Fliege

Eigentlich genügt ein Blick auf die Laufstege – auch beim Mann. Die Fliege hat hier schon längst Eingang gefunden und das sogar in ihrer klassischen Form: oft schwarz, oft mit weißen Kragen aber keinesfalls ausschließlich diesen Stil verkörpernd. Aktuelles Trendsetting erlaubt völlig neue Impressionen. So kombiniert selbst der junge Mann von heute etwa den legeren Anzug mit einer Fliege in knallrot oder tritt sogar in bis zu exzentrischer Weise mit Musterungen auf.

Unter der Berücksichtigung von ein paar Einschränkungen erlaubt gerade das gekonnte Binden dieser schon „tot geglaubten“ Aufmachung eine Aufwertung des gesamten Outfits. Diese No-Gos sind: Bei Auffälligkeit der Gesamterscheinung ist eine dezente Fliege wählen und umgekehrt, Fliegen nicht im Geschäftsalltag verwenden und nur in Ausnahmefällen mit einen Smoking kombinieren. Letzteres würde zumindest nicht dem Trend entsprechen und bliebe dem vorbehalten, der sich überhaupt am Stil von Fred Astaire oder einem Ober orientiert.

Fliegen mit Verschluss

Die Fliege von der Stange ist manchmal mit einem Verschluss versehen. Dabei handelt es sich aber nur Verwandte des sogenannten Querbinders, was die ursprüngliche Bezeichnung darstellt. Als kurzlebige Modeerscheinung versuchte man, die Fliege auf diese Weise zu etablieren.

vonFloerke_004
Nachhaltig betrachtet stellte sich das allerdings als Misserfolg heraus – die traditionsreiche Variante blieb in ihrer Charakteristik daher erhalten und man kann von einem Wiederaufleben der Fliege durch die erfolgreiche Integration in ihrer traditionellen Form in der Modewelt sprechen. Vorsicht ist bei offiziellen Anlässen geboten: Das Tragen einer vorgeformten Fliege ist verpönt. Richtig anlegen und fixieren ist zumindest hier Voraussetzung.

Ausgangsposition beim Fliege binden

Man legt sich die Fliege um und bedenkt, dass beide nun hängenden Teile je links und rechts vom Hals durch Knicken zu symmetrischen Schleifen gebunden werden müssen. Und das je zwei Mal – insgesamt sind es also vier einzelne Schleifen. Von hinten, mittig des Genicks, wird die Stelle gesucht, welche der persönlichen Kragenweite am besten entspricht.

Diese lässt sich durch eine anfangs sanfte, lockere Knüpfung und einem Häkchen fixieren. Locker muss es sein, damit später noch fixiert und daran gezogen werden kann. Für diesen Schritt darf man sich ruhig Zeit lassen, noch dazu wenn man es das erste Mal macht.

 Weiter geht´s: Schleifen legen

Es verblieben links und rechts je ein kürzerer und ein längerer Teil. Letzteres legt man über den kurzen Teil. Sie sollen sich dabei an der oval ausgeprägten Rundung treffen. An dieser Stelle ist ein feiner Knoten zu binden. Die erste kleine Schleife wird durch den anderen Teil von hinten nach vorne geknotet, so dass man mit dem Ende gleich die zweite Schleife legen kann.

Bei diesem Schritt wird einem großer Vorteil im Vergleich zur Krawatte zuteil: Die Mitte ist optisch ganz einfach zu ermitteln und Fehler sind, einen gemäßigten Alkoholspiegel vorausgesetzt, schier unmöglich. Auch das Durchstecken erinnert an die Technik beim großen Bruders der Fliege: Wer nur einmal eine Krawatte anlegte, weiß was damit gemeint ist.

Fliege_binden_001

Das Herzstück – die aufliegenden, sichtbarsten Schleifen

Da dieser Arbeitsgang als der schwierigste gilt, wird er ganz genau beschrieben. Es sind jedoch nur zwei aufeinanderfolgende Handlungen:

Das kürzere Teil wird in der Mitte geknickt und zu einer Schleife geformt. Die Platzierung des Knicks liegt freilich wieder in der ovalen Rundung. Das lange Ende wird über die Mitte der Schleife gezogen und zurechtgerückt. Wer das Szenario an dieser Stelle rein theoretisch mit verfolgt, hat freilich – bei mangelnden Erfahrungen – keine gute Vorstellung.

Aber es sollte auch ihm augenscheinlich werden, dass davor niemand Angst haben muss. Denn es ist fast geschafft und eigentlich kann nichts schiefgehen. Man sollte sich jetzt merken, wo die Schlaufe am Hals hängt, denn später ist genau hier das Ende durchzuziehen.

Nun ist das lange Ende von unten in die Schleifen einzuschieben, sodass die weitere Schlaufe entsteht. Es wird durch die Schlaufe durchgezogen. Das kürzere Teil kann oder muss man zurechtrücken. Durch die bisher lockere Arbeitsweise lässt sich noch jede schiefe Position bereinigen und durch ein Anziehen sicher fixieren.

Wie binde ich die Fliege selbst – von Floerke zeigt es uns!

von Floerke hat die Tage ein wundbares Video auf deren Youtube-Channel online gestellt, in welchem uns deren Gründer und Geschäftsführer zeigt wie man eine Fliege / Schleife richtig bindet. Direkt auf den Punkt gebracht, ohne viel drumrum, erklärt dieser einwandfrei, wie man in wenigen Handgriffen die erste selbstgebundene Fliege trägt. Aber schau doch am besten selbst.

Tipps zum Kombinieren

Heute kann man sie getrost mit Hemd und heimeliger Wollweste kombinieren. Auch mit Jeans und Lederjacke ist sie gut einsetzbar. Auf jeden Fall sollte man sparsam mit weiteren Accessoires umgehen, weil sie Fliege selber schon eine dominante Erscheinung bewirkt. Ein Zuviel würde überladen wirken.

Wenn es sich beim Träger um keinen Beruf mit entsprechendem Dresscode handelt, ist sie bei geschäftlichen Anlässen tunlichst zu vermeiden. In Deutschland ist beispielsweise das Tragen einer klassischen Fliege beim Gesellschaftsanzug der Bundeswehr zwingend vorgeschrieben. Andere Bereiche haben keine Berührungspunkte. Dafür kann man sie heute bei Restaurantbesuchen oder feierlichen Anlässen einsetzen. Hier ist gekonnt zu unterscheiden – „overdressed“ zu sein, ist immer ein Tabu.

About Sebastian

Ich schreibe hier regelmäßig über Mode & Lifestyle. Wenn dir der Artikel gefallen hat, würde ich mich darüber freuen, wenn du ihm, trotz des Social-Network-Dschungels ein "Gefällt mir" geben würdest.

3 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.