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Die Espadrille – der ideale Sommerschuh?

Kaum jemand kennt nicht diesen leichten Schlüpfer für heiße Sommertage. Ihr Name lautet eigentlich „Espadrilles“, die rein pflanzlich produziert werden. Leinen, Baumwolle oder Hanf dienen als Materialien und sind damit ursprünglich vegan. Die Anfänge finden sich in Südfrankreich und Spanien, also in Europa. Bis sie sich in den 80ern zu einem regelrechten Trend entwickelten und ein weltweiter Boom gerade bei jungen Menschen bewirkt wurde, waren sie aber kaum bekannt.
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Ab dann aber war selbst die amerikanische Serie „Miami Vice“ ohne Espadrille nicht mehr vorstellbar. Sie stand weltweit für Coolness und Lockerheit – ein Effekt, der uns heute wieder genauso anzusprechen vermag. Auch damals sogleich setzte der Effekt im asiatischen Raum ein, dazu Massenware anzubieten. Ein extremer Preisverfall war die Folge und der Hype wich einer gemäßigten Haltung der Modemacher.

Nach dem Abflauen waren die Angebote eher spärlich zu finden, auch wenn sich so mancher nach dem Grund fragte und diese vorteilhaften Treter vermisste. Denn bequemer und lockerer geht es kaum und befördert wohl jede Sandale oder Clogs, noch dazu nach der grausamen Ära der bunten Gummi-Clogs bei ALDI & Co, ins definitive Abseits. Doch auch verschiedentliche Herrensandalen aus identischen Materialien, die an Trekkingsandalen anknüpfen wollten aber doch eher wie noch löchrigere Clogs mit Fersenteil in knalligem Rot, Grün und Blau erschienen, leisteten gloriose Beiträge zu einem Neuanfang.
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Da kommt der neu aufkeimende Faktor an Attraktivität gelegen, den wir in den Sommermonaten zuletzt noch vermissen mussten. So wurden die Sommerschuhwerke der letzten Jahre in einer Zeitschrift als „Liebestöter des Jahrzehnts“ tituliert und reihten sich in dieser Rangliste noch vor bunte Leggings. Doch nun ist es wieder soweit und der Schrecken hat ein Ende: Die Espadrille ist wieder da. Und sie erstrahlt in vielen Gesichtern, nicht nur für das weibliche Geschlecht.

Kleine Rückblicke auf die Espadrilles

In Südeuropa musste man nicht auf die 80er und amerikanische Serien warten um Espadrilles zu entdecken. Schon in alten folkloristischen Volksliedern fiel der spanische Originalname „Espardenyes“ und teilte ihnen gewissermaßen eine Rolle zu: Dort verlor am Strand ein Mädchen dieses Schuhwerk – es stellte sich heraus, dass sie mit diesen auch ihre Unschuld verlor. Doch nicht nur eingeschränkte Kulturkreise gewähren uns Rückblicke. Schon in den 1950er Jahren waren Koryphäen wie Sophia Loren und Grace Kelly bereits in Verfilmungen mit einer Espadrille zu bewundern.
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Hard facts: Espadrilles

Pflanzlich hergestellt wird auch die Sohle. Das Steppengras „Espartogras“ dürfte ausschlaggebend für ihre Bezeichnung gewesen sein und stammt aus Spanien. Man vermutet konkret Mallorca. Die dort üblichen Namen weichen aber vom schließlich eingebürgerten Namen etwas ab. Es dürfte sich heute aber jeder auskennen, wenn von einer Espadrille gesprochen wird. Selbst „Espandrillos“ wird augenzwinkernd akzeptiert auch wenn sich das eingefügte „N“ nicht mehr nachverfolgen lassen wird.

Da die Machart ziemlich einfach ist, ist Widerstandsfähigkeit gegenüber Wasser freilich nur ein Wunschtraum – normalerweise haben sie nach einer Sommersaison mit häufigen Strandbesuchen ausgedient. Es wird aber mittlerweile auch Gummi an der Sohle hinzugefügt, wobei eine etwas stärkere Beanspruchung erreicht werden kann. Freilich löst sich diese Schicht auch irgendwann ab, schon alleine durch den Druck beim Tragen. Dafür sind und bleiben sie atmungsaktiv wie kein Konkurrent am Markt.
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Man spürt sie kaum und dies überwiegt in der Situation wohl alle Vorzüge der langlebigeren Sommerschuharten. Dämpfung darf man sich dabei natürlich auch kaum erwarten. Wer mag, legt aber einfach eine weitere Innensohle ein. Wer Events an Sommerabenden besuchen möchte, hat gewiss Alternativen mit Sandalen, Schlüpfern oder sportlichen Schuhen. Die strandbezogenen Aktivitäten aber werden mit der Espadrille gewiss besser bewältigt, denn Sand braucht keine Dämpfung.

Wer also nicht gerade auf kroatischen Steinstränden tanzen muss, ist damit im Urlaub bestens bedient. Wer aber häufiger auf steinigem, hartem Untergrund unterwegs ist, sollte Alternativen bei sich haben.
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Es handelt sich allesamt um Billigprodukte, auch bei europäischer Herstellung. Wer also ein einige Exemplare, etwa in unterschiedlichen Farben, anschafft, kann sie auch länger als nur eine Saison optisch adäquat erhalten und wird doch für jede Situation bequem ausgestattet sein. Durch den niedrigen Anschaffungspreis kann man sich ohne Bedenken mehrere Modelle zum Wechseln zulegen. Manche lassen die Ferse wie beim Pantoffel herausschauen. Das ist eine individuelle Frage, nur wird der hintere Teil unschön, abgenutzt und stärker verschmutzt als nötig.

Die Labels unter der Espadrille

Natürlich arbeitete man auch hochwertigere Modelle heraus. Tommy Hilfiger und viele andere bieten dasselbe in Leder an. Dass dabei die eigentlichen Vorteile nicht mehr vorhanden sind, ist freilich unvermeidbar. Denn Leichtigkeit und Atmungsaktivität sind die eigentlichen Merkmale, welche darunter leiden. Wer die Optik der Espadrille aber beibehalten und aufgewertet tragen will, hat die Möglichkeit.
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Strandbesuche würden aber weniger bequem ausfallen und rasche Abnützung begünstigen, genauso wie die Abwandlungen fürs weibliche Geschlecht mit Keilabsätzen nicht mehr der Charakteristik Rechnung trägt. Vielleicht ist manchmal weniger doch mehr. Die Frage lässt sich aber letztlich nur von der Kombination zur Kleidung und dem Anlass gesichert beantworten.
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Der aktuelle lässige „Schlichtheits-Look“ ist mit der schlichten Variante der Espadrille wohl besser vereinbar. Das rot glänzende Disco-Hemd wird mit der edleren Variante besser ergänzt. Krönt die Espadrille allerdings ein „C“ für Chanelle, sieht alles wieder etwas anders aus. Ob ihr eigentlicher Charakter dabei zum Ausdruck kommt, hängt wirklich von den Gesamtumständen der Umgebung und sonstigen Aufmachung ab. Und davon, ob man es für nötig hält. Ein „C“ für cool wurde zwar noch nicht erfunden, das ändert aber nichts an der dennoch vorhanden Wirkung der einfachen und lässigen Espadrille, die ganz ohne Label odersonstigem Aufputz auskommt.
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About Sebastian

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