Füllfederhalter_Füller (2)

Füllfederhalter – Luxus im Alltag

Natürlich ist der Füllfederhalter im Alltag nicht unbedingt notwendig und sachlich nur ausnahmsweise erforderlich. Doch genau hier kommt manchen Utensilien auch im Alltag ein anders gearteter Mehrwert zu: Der wesentliche Unterschied liegt im Detail und hebt uns von der Masse ab. Die essentiellen Vertragswerke aller Zeiten wurden und werden mit Tinte gezeichnet. Der Füllfederhalter ist zudem einer jener Gegenstände, die selbst den lahmsten Arbeitstag mit etwas Luxus und Freude erfüllen und nach längerem Gebrauch selbst eine Art persönlicher Bindung mit ihm einhergehen kann.

Füllfederhalter_Füller (1)

Zur Herausbildung der eigenen, individuellen „Handschrift“ ist er mit Abstand am besten eignet. Unbewusst oder bewusst wertet mancher Besitzer den eigenen Einsatz mit seinem Füller auf – und sei es nur als Student, der seine Feder zu schriftlichen Prüfungen immer aufs Neue heranzieht ohne dies zu müssen.

Der Füllfederhalter wird zum Begleiter bedeutender Ereignisse und sein Besitzer assoziiert gegebenenfalls Erfolg mit seiner Verwendung. Kollektiv betrachtet bestätigt sich diese Sichtweise, denn er ist seit langer Zeit Ausdruck von Tradition und lässt Ergebnisse oft harter Arbeit für die Nachwelt in seinem spezifischen Licht erscheinen.

Drei Gänsefedern als Ursprung des Füllfederhalters

Mit drei ineinander verbunden Federn begann im Jahre 1636 seine Geschichte, heute Füller, Füllfeder oder Füllfederhalter genannt. Sie konnten freilich noch kein Depot für Tinte in sich beherbergen. Das Hantieren mit Tauchfeder, Tintenfass und Löschwiege beziehungsweise -sand war ein ungleich aufwändiger Vorgang. Noch im selben Jahrhundert wurde aber schon um die „beständige Dinte“ – damals war der Anfangsbuchstabe wirklich ein anderer – aufgewertet.

Füllfederhalter_Füller (3)

Erst im 19. Jahrhundert, als sich die Verwendung verbreitete, gab es wieder nennenswerte Innovationen. Relativ lange Zeit waren dabei der Besitz und Verwendung auf höchste Eliten beschränkt. Denn erst als im 19. Jahrhundert Papier aus Holz und Bleistifte die Welt eroberten wurde auch die Feder ein Produkt für die breite Masse. Und doch dauerte es ein weiteres Jahrhundert, bis der Füllfederhalter als wichtigstes Inventar damaliger Büros letztlich von der Schreibmaschine abgelöst wurde. In dieser Hinsicht wird freilich die Füllfeder von heute vom Kugelschreiber und seiner Praktikabilität überlagert.

Der Füller als „Retter der Handschrift“

Vergängliche Notizen und längere Aufzeichnungen werden daher kaum noch mit der Feder fabriziert. Hingegen bei Unterzeichnungen, handgeschriebenen Lebensläufen oder sonstig herausragenden Niederschriften erhält das Schriftstück auch optisch anschaulicheren Charakter. Nicht nur die Tinte selber setzt dabei Akzente: auch der Fluss des Schreibens ist ein anderer.

Füllfederhalter_Füller (8)

Technisch betrachtet lässt sich mit einem Füller kein rasches Geschreibsel produzieren, vielmehr fordert er konzentriertere Schreibbewegungen ein. Das ist auch fühlbar: Bei wem sich aus Gewohnheit ein handschriftlich schnellerer Zug entwickelte, wird von dem anspruchsvolleren Utensil der Feder quasi „ausgebremst“. Beinahe automatisiert ist der Schreibstil mit ihr ein anderer – ausgewogener, bedachter und klarer.

Insofern ist es fast ungerecht, dem Füllfederhalter reinen Luxuscharakter zuzusprechen denn die Unterschiede mögen bei der eigenen Handschrift zwar fein, aber nicht minder bedeutsam sein. Nicht umsonst lernen die Schüler schon traditionellerweise das Schreiben mit der Füllfeder. Es gilt auch schon lange nicht mehr als umständlich, eine neue Patrone einzulegen, vielmehr ist diese kleine Zeremonie ein unproblematischer Vorgang, der auch keine Kleckse verursacht. Der Füller gilt nicht ohne Grund auch als „Retter der Handschrift“ und hat seinen festen Stellenwert nicht nur im Luxussegment, sondern seine moderne und schlichte Ausführung auch in den gesetzlichen Unterrichtsplänen.

Persönliche Präferenzen beachten

So wie die Geldbörse, Schlüsselanhänger, Uhren oder andere Gebrauchsgegenstände für den Alltag ist es beim Füller auch die Optik, welche seinem Träger nach außen gewisse Eigenschaften zuschreiben – hier im wahrsten Sinne des Wortes. Die Modelle unserer Zeit lassen in Sachen Stil und Funktionalität große Unterschiede zu und darin liegt auch die Möglichkeit, als individuellen Faktor die Auswahl mit etwas Luxus auszufüllen. Betrachtet man die typische Lebensdauer einer Feder kann man selbst noch im zweistelligen Preissegment seinen stilgetreuen Favoriten aus einer endlos scheinenden Auswahl finden. Gerade bei eher seltener Benützung sind Füllfedern für lange Zeit treue Wegbegleiter, die sich rechnen.

Füllfederhalter_Füller (6)

In technischer Hinsicht unterscheidet man heute die Art der verwendeten Federn und grenzt die Füllfeder vom sogenannten Tuschefüller ab, die letztlich nichts anderes als Zeichenstifte sind. Die Feder des Füllfederhalters muss immer aus rostfreiem Material bestehen. Oft verwendet man Gold, ansonsten eine Art von Stahl. Die Spitze wird meist als Iridium bezeichnet – nicht immer aber wird es auch herangezogen. Mittlerweile hat sich vor allem Titan als sehr widerstandsfähig und brauchbar erwiesen.

Der dünne Schnitt, welcher in der Federspitze an einem Punkt zu verschmelzen scheint sorgt für einen linearen Verlauf des Tintenflusses. Hier bilden sich mehrere Varianten, die für den Besitzer üblicherweise zwar keinen Unterschied ausmachen oder Präferenzen begründen. Hinsichtlich der Gebrauchsfähigkeit lässt sich aber grundsätzlich unterscheiden: Kalligraphiefedern sind dann anzuraten, wenn die Linien etwas breiter ausfallen sollen, weil dort ein größerer Zufluss an Tinte gewährt wird. Zum Festhalten von Musiknoten empfiehlt sich dagegen der Einsatz von Notenfedern, wo zwei Einschnitte für einen besseren Kontrast der Strichstärke sorgen. Es gibt aber auch allgemein unterschiedliche Größen der Spitze: fein, mittel und breit. Daneben sind nach oben und nach unten die jeweils noch stärker ausgeprägten Spezialnormen, extrafein und extrabreit, erhältlich.

Füllfederhalter_Füller (4)

Früher noch war den Füllfedern gemein, dass sie verstärkt unterschiedlichen Handschriften Rechnung tragen sollten während heute die Spitzen generell steifer ausgeprägt sind – wir alle kennen den faktischen Bedeutungsverlust der Handschrift. Stabilität geht berechtigterweise vor. In den speziellen Modellen kann sich aber auch der hartnäckigste Nostalgiker wiederfinden. Preislich beginnen die heutigen Modelle bei etwa zehn Euro. Nach oben hin sind, wie so oft, aber keine Grenzen gerechtfertigt.

Füllfederhalter als Wertanlage – auch das gibt es!

Gerade historische Gebrauchsgegenstände wie Uhren oder andere mechanische Erzeugnisse eignen sich nicht nur als bloßes Sammelobjekt, sondern sind auch mitunter Wertobjekte. Künstlerische Fertigungen sorgen für einzigartige oder zumindest limitierte Einzelstücke und machen den Sammeltrieb zur wahren Herausforderung indem immer zuerst Hintergrundwissen und vielleicht der Reiz des Risikos zu Kaufentscheidungen führen soll.

Füllfederhalter_Füller (7)

Vor allem aber wird dem Besitzer ein Eintauchen in die Historie der speziellen Produktionen und Entwicklungen ermöglicht, welches nicht selten zum Auffinden neuer Hobbys und Leidenschaften führt. Auch beim Füllfederhalter ist die Palette breiter als es am ersten Blick erscheinen mag: Edle Metalle, Juwelen und detailverliebte Handarbeiten aus unterschiedlichen Epochen und Weltregionen sorgen für eine bunte Objektlandschaft, die den Kenner auch noch mit beachtlichen Wertsteigerungen belohnen können.

In diesem Terrain geht es freilich nicht mehr um Funktionalität, sondern oft um reine Präsentationen als Schauobjekt. Dennoch belässt auch die Mechanik viel Spielraum über Tinte und zugehörige Utensilien, wo reger Informationsaustausch in einschlägigen Kreisen Experten hervorbringen – wenngleich schon lange nicht mehr aus praktischen Erwägungen.

Relativ bekannt ist etwa handverziertes Lackdesign aus Japan, das in optischer Hinsicht kaum Luft nach oben lässt – wohl aber beim Wert: Limitierte Auflagen schaffen Preisrelationen, die anders nicht erzielt werden könnten. Der „Lorenzo di Medici“ von Montblanc etwa schaffte einen Verkaufspreis von 2500 damaligen Mark und wenig später erzielte man auf Auktionen bereits fast das Doppelte. Noch ehe das gute Stück in den Läden ankam, war es schon ausverkauft. Montblanc war sich der Wirkung der limitierten Anzahl bewusst: überschüssige Exemplare ließ man mit der Walze kurzerhand einstampfen um einen neuerlichen Preisschub zu erreichen.

Füllfederhalter_Füller (5)

Aber auch noch viel früher ließ der Füller aufhorchen: In den 1920ern, als in den USA der Genuss von Alkohol verfolgt wurde, erzeugte man kurzerhand die „Prohibition-Pen“, die in ihrem Inneren Platz für Whiskey barg. Ein anderes Modell integrierte einen Fiebermesser in sich, andere Arten wieder zeigten sich zugleich als Uhr. Der stolzeste Preis eines Füllers dürfte aber mit 120 000 € dem „Montblanc Black Diamond“ zukommen. In Anlehnung an das wertvolle Unikat bietet nicht nur dieser renommierte Erzeuger Nachahmer in allen Preisklassen. Wer sich allerdings bei entsprechenden Anbietern inspirieren lässt, wird verschiedenste Stilrichtungen wohl für sich entdecken.

About Sebastian

Ich schreibe hier regelmäßig über Mode & Lifestyle. Wenn dir der Artikel gefallen hat, würde ich mich darüber freuen, wenn du ihm, trotz des Social-Network-Dschungels ein "Gefällt mir" geben würdest.

2 Kommentare

  1. Interessantes Thema. Ich selber habe mir einen etwas teureren Kugelschreiber gekauft. Wenn man viel schreibt, merkt man, dass es mit den Geschenkten oft ein Krampf ist (es gibt aber auch da sehr gute).
    Nebenbei, ich habe bestimmt ein viertel Jahr nach einem adäquaten und wertigen Federmäppchen aus Leder gesucht. In normalen Geschäften und im Internet habe ich einfach nichts nach meinen Vorstellungen gefunden. Erst in einem kleinen unscheinbaren Laden wurde ich fündig. Und nun freue ich mich jeden Tag, wenn ich dieses wunderschöne Federmäppchen in der Hand halte. Meiner Meinung auch ein unterschätztes Thema, wenn es um elegante Schreibutensilien geht.

    Viele Grüße.

    PS: Noch ein Wort zu dem Lifestyle Sonntag #72, weil ich da keinen Kommentar geben kann. Ich finde es super, dass du dort Green Shirts vorgestellt hast. Meiner Meinung nach ist das ein super Label – ich habe selbst ein T-Shrit von denen. Da kann man auch mal genauer drauf eingehen.

    • Danke für den Hinweis Rico – ist eben doch nicht so, dass man alles online bekommt. Die kleinen Lädchen ums Eck können manchmal doch noch mit Besonderheiten aufwarten.

      Muss mal nachschauen warum du nicht beim Lifestylesonntag kommentieren konntest… Denke auch, dass ich mir Green Shirts nochmal ein wenig genauer anschaue.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.