Die vergangenen Wochen und Monate bin ich immer Mal wieder über Herrenfahrt gestolpert. Oder sagen wir Mal so, auf deren Beiträge im Netz aufmerksam geworden, auch der ein oder andere Newsletter hat sich in dieser Zeit zu mir verirrt. Vor kurzem war es dann so weit, dass ich das Unternehmen einfach Mal angeschrieben habe. Denn schließlich kommt Herrenfahrt ganz aus der Nähe – wieso also nicht Mal anhauen, ob man einen Einblick bekommt.

Diesen Einblick präsentiere ich in Form eines Interviews, welches ich mit Andreas Werner, einem der beiden Gründer von Herrenfahrt geführt habe. In diesem gewährt er nicht nur einen wunderbaren Blick hinter die Kulissen, sondern zeigt uns, wie das mit der Autopflege richtig funktioniert. Für Sebastian und Andreas sowie deren Team ist Automobilpflege, längst nicht mehr nur eine reine Notwendigkeit, sondern vielmehr ein Ausdruck von Passion und Wertschätzung.

Sebastian Steininger (links) mit Andreas Werner (rechts)

Das wirst du aber sicherlich feststellen, wenn du das Interview gelesen hast. Für mich war es sehr spannend zu erfahren, wie aus einer vermeintlich simplen Idee ein Unternehmen gewachsen ist, welches mittlerweile über die Grenzen der Autopflege tätig ist und für diese ein breites Sortiment bietet. Sollten die Antworten von Andreas auf meine Interviewfragen nicht genügen, erfährst du auf deren Webseite noch weit mehr über Herrenfahrt.

Interview mit Herrenfahrt

Hallo Andreas, erst einmal vielen Dank für das Interview. Erzähl meinen Lesern doch Mal was es mit Herrenfahrt auf sich hat? Und wer sich dahinter verbirgt.

Herrenfahrt ist die Lifestyle-Marke für den modernen Gentleman, der nicht nur sich selbst und den Umgang mit anderen Menschen pflegt, sondern auch seinen automobilen Lebensstil. Der Begriff „Herrenfahrt“ lässt sich auf den Anfang des 20. Jahrhunderts zurückführen. Damals wurden Adlige, die sich dem Automobil und vor allem dem Rennsport verschrieben hatten, als „Herrenfahrer“ bezeichnet. Dieses Bild des gebildeten und wohlerzogenen „Gentleman Drivers“, der das Automobil und den dazugehörigen Lebensstil zu jeder Zeit mit sich trägt und lebt, war unsere Inspiration.

Gegründet habe ich mit Sebastian Steininger, wir kennen uns, da wir früher Nachbarn waren und dieselbe Lieblingsbar haben. Dort ist auch der Gedanke der Gründung entstanden. Anfinanziert wurden wir von regionalen Business Angels, die dieselbe Passion und Einstellung teilen. Mittlerweile sind wir ein 6-Personen-Team und bespielen nicht nur den deutschen Markt, sondern exportieren auch in einige Länder und pflegen mit „Benzin & Koffein“ auch unsere eigene Eventreihe in Mannheim.

Von der ersten Idee bis heute wie viel Zeit ist vergangen und was waren die wichtigsten Stationen auf eurem Weg bis zum heutigen Zeitpunkt

Die ersten Ideen für unsere Brand hatten wir Ende 2013. Im Januar 2014 haben wir dann die Firma gegründet, noch ohne Markennamen. Der hat sich erst in den Wochen danach gefestigt. Ein wesentlicher Meilenstein war, dem Gefühl und der Vision unseres Unternehmens eine Identität zu geben. Manifestiert hat sich das im Finden unseres Markennamens HERRENFAHRT.

Danach begann die eigentliche Entwicklungsarbeit. Mit einem ehemaligen BASF-Entwickler, der heute ein erfolgreiches Aufbereitungsbusiness führt, haben wir eine Wachsrezeptur entwickelt, die das Herzstück unserer Pflegekollektion ausmachte. Nach und nach kamen dann die notwendigen Produkte wie Autoshampoo oder auch die Politur dazu.

Da uns von Anfang an wichtig war, dem automobilen Lebensgefühl auch in der Pflege und Werterhaltung ein angemessenes Design hinzuzufügen, war ein wichtiger Meilenstein auch die fertige Holzbox mit allen Produkten in den Händen zu halten. Auf einmal war es kein Projekt mehr, sondern ein greifbares, funktionales und haptisch aufregendes Produkt.

Blicke ich zurück, waren weitere Wegpunkte die abgeschlossenen Kooperationen, zum Beispiel mit Rolls-Royce in Köln oder auch den Service-Auftrag der Firma Arthur Bechtel Classic Motors, 30 hochkarätige Oldtimer für eine Messe aufzubereiten und zu betreuen. Genauso wie die Verleihung des „Best Quick Detailers“ in Skandinavien letztes Jahr, für unser Produkt „Sprühglanz“.

Über allem thront für mich persönlich aber die Verleihung des Mannheimer Existenzgründungspreises 2016, der das Engagement, die Leidenschaft und den Ehrgeiz des gesamten Teams in schöner Weise würdigt.

Wodurch unterscheidet ihr euch von anderen Pflegeprodukten am Markt?

Das markanteste und damit auffälligste Merkmal ist sicherlich das Design und die Materialien, nicht nur in der Verpackung, auch in den Wirkstoffen. Für uns ist das klassische Fahrzeug ein Teil einer Kultur, die mit Ästhetik, Nostalgie und viel Passion einherkommt. Das vermitteln unsere Produkte in Form, Aussehen und Haptik. Gleichzeitig nutzen wir innovative Technologien, um die bestmögliche Funktionalität der Produkte zu erreichen, bspw. wenn wir Bornitrid, ein Molekül der Diamantfamilie, in ein traditionelles Carnaubawachs integrieren.

Darüber hinaus bieten wir mehr als Pflegeprodukte. Wir helfen Menschen, ihre Leidenschaft zu pflegen, befriedigen ihre Bedürfnisse und bieten mittlerweile eine Markenwelt, die sich nicht nur um Pflegeprodukte dreht, sondern einen Lifestyle definiert.

Mittlerweile bietet ihr nicht mehr nur eure Produkte an, sondern auch Workshops, professionelle Aufarbeitung von Fahrzeugen, usw… – Wie kam es dazu?

Das war ein ganz organischer Prozess, der sich aus dem intensiven Austausch mit unseren Kunden entwickelt hat. Wir haben hinsichtlich des Workshop-Konzeptes gemerkt, dass viele Autobesitzer zwar bereit sind, Zeit und Geld in die Pflege ihrer Fahrzeuge zu investieren, aber oft allein gelassen werden, wenn es um genaue Anwendungshinweise geht und nicht wissen, wie eine Fahrzeugaufbereitung überhaupt geht. Deshalb war die Entscheidung für uns schnell getroffen, Schulungen und Workshops für Einzelpersonen und Gruppen anzubieten.

Mittlerweile führen wir auch Workshops mit Partnern durch, als Kundenevent. Im Bereich der Aufbereitung war es ähnlich. Viele Besitzer von wertvollen Fahrzeugen haben schlichtweg wenig Zeit (oder im schlechtesten Falle) keine Lust, sich um die Pflege zu kümmern, sei es durch Job, Familie, etc.. Durch die vielen Anrufe, ob wir denn nicht auch die Pflege komplett übernehmen wollen würden, entstand die Idee eines Service-Angebotes. Mittlerweile machen wir deutschlandweit Aufbereitungen und betreuen sowohl Sammler, als auch namhafte Firmen, wenn es um die Bestandspflege des Fuhrparks geht.

Zudem seid ihr den Schritt gegangen erste Accessoires in eurem Shop anzubieten? Wollt ihr euch noch breiter aufstellen oder warum dieser Ansatz?

Unser Ziel, schon bei den ersten Überlegungen hinsichtlich der Markenentwicklung, war es, keine Marke für Pflegeprodukte zu gründen, sondern das Lebensgefühl „Automobil“ einzufangen, zu bereichern und eine Art „Bewegung“ zu starten.

Der Herrenfahrer genießt ein wohl aufbereitetes Fahrzeug, genauso wie einen gut gemachten Drink oder eine schöne Sommerausfahrt und soll gerade auf Reisen seine Passion nach außen tragen. Und das kann er mit Accessoires wie Fahrerhandschuhen, Weekender und Armband tun. Im Vordergrund steht dabei natürlich die Verbindung zu unseren Produkten. Der Weekender und auch der Kulturbeutel sind beide darauf abgestimmt, unsere Produkte perfekt verstaut zu transportieren. So ergibt sich nicht nur eine weitere Nutzung, abseits des Offensichtlichen, sondern ebenso ein schönes Gesamtbild und wir erweitern die Markenwelt ganz entscheidend hin zum Lifestyle-Kosmos.

Kommen wir noch einmal zurück auf das Thema Reinigung. Mich würde dein persönlicher Schritt-für-Schritt-Ansatz interessieren, wie du dein Alltagsauto wieder auf Vordermann bringst.

Jede Pflege beginnt mit einer kurzen Inspektion des Autos: Wie ist der allgemeine Zustand? Wo sind vielleicht Stellen, die besondere Aufmerksamkeit bekommen sollten?
Danach beginnt die eigentliche Aufbereitung, zunächst mit der Reinigung der Felgen. Ich achte darauf, dass der Felgenreiniger säurefrei ist. Viele Reiniger, wie unserer, enthalten einen Farbindikator. Der Wirkstoff verfärbt sich, wenn der Schmutz gelöst ist und kann dann abgespült werden.

Danach beginnt die Arbeit am Lack mit einer schonenden Handwäsche. Ist das Fahrzeug sehr stark verschmutzt, wird dieses zunächst von grobem Schmutz befreit. Dafür ist ein Hochdruckreiniger oder zumindest ein Gartenschlauch notwendig. Im Anschluss nehme ich mir zwei 10-Liter-Eimer zu Hand, in den einen gebe ich einen Schuss Shampoo-Konzentrat, der andere bleibt klar. Das nennt man „Zwei-Eimer-Methode“, das Mikrofasertuch-Waschtuch wird in die Shampoo-Lösung getränkt und im klaren Eimer ausgespült, um zu verhindern, dass Schmutz in die Shampoo-Lösung kommt und um somit Kratzer zu verhindern.

Ich nehme niemals einen Schwamm, weil sich in den kleinen Kanälen immer Schmutz ansammelt, der beim Waschen Kratzer verursacht. Grundsätzlich gilt, dass ein pH-neutrales Shampoo wie unsere Waschessenz am besten geeignet ist, um den Lack zu reinigen. Im Kreuzgang (recht-links-hoch-runter-Bewegungen) wird das Auto von oben nach unten gewaschen.

Danach, je nach Ehrgeiz und Bedarf, kann mit einer Reinigungsknete und dem darauf abgestimmten Reiniger der Lack tiefengereinigt werden. So entferne ich mühelos Fliegenreste, Vogelkot oder auch Baumharze. Der Lack wird spürbar glatt und ist dann perfekt für die Politur vorbereitet. Hier habe ich die Wahl zwischen Handpolitur mittels eines Applikators oder der Poliermaschine. In beiden Fällen wird das Auto bauteilweise poliert, danach mit einem Tuch auspoliert.

Als Krönung trage ich Premium Carnauba Wachs auf, um den Tiefenglanz zu verstärken und den frisch aufbereiteten Lack vor Umwelteinflüssen zu schützen. Dadurch kommt auch der bekannte Lotuseffekt zustande. Ist das Auto gewachst und auspoliert, kommt es für 1-2 Stunden in die Sonne. Dadurch härtet das Wachs ideal aus und bildet eine resistente Schutzschicht. Wird das Auto irgendwann wieder schmutzig, vereinfacht die Wachsschicht das Reinigen enorm.

Eine kurze Handwäsche genügt dann meist, um wieder ein Top-Ergebnis zu erhalten. Möchte ich zwischendurch das Auto von Staub oder kleinen Verunreinigen befreien, hilft ein sogenannter „Quick Detailer“, zum Beispiel in Form eines Sprühwachses (bei uns die Schnellversiegelung) oder wenn es etwas moderner sein soll, mit dem Sprühglanz, einer Silizium-Versiegelung die auch auf Glas- und Chromflächen funktioniert. So erhalte ich immer ein optisch ansprechendes Ergebnis.

Zu guter Letzt kümmere ich mich um den Innenraum. Je nach Ausstattung mit unserer Leder- oder Kunststoffpflege. Textilien reinige ich mit Universalreiniger und für die Scheiben empfehle ich, nicht auf Haushaltsreiniger zu bauen, sondern spezielle Reiniger mit weniger Alkohol zu benutzen. Unser Glasreiniger hat beispielsweise eine Gelformel, sodass der aufgesprühte Wirkstoff nicht von der Glasscheibe läuft. Wenn ich einen perfektionistischen Tag habe (eigentlich habe ich den immer), behandle ich meine Reifen mit Reifenpflege. Das Produkt ist schnell aufgetragen, aber im Gesamtbild betrachtet ist die Wirkung enorm.

Klingt nach viel Arbeit, aber nach dem Winter solch eine Aufbereitung durchzuführen, pflegt das Fahrzeug ideal, besonders, wenn es ein Alltagsauto ist und somit starken Umwelteinflüssen ausgesetzt ist. Der schöne Nebeneffekt ist, dass die Nachpflege eines aufbereiteten Fahrzeugs immer viel zeiteffizienter ist.

Wo finden meine Leser weitere Informationen über euch? Wo können Sie sich auf dem Laufenden halten?

Im Online-Bereich haben wir seit einigen Monaten unseren „Gentleman-Blog“ online, wo wir nicht nur praktische Tipps rund um die Fahrzeugpflege geben, sondern auch alle Themen bespielen und aufarbeiten, die mit Lebensstil daherkommen. So berichten wir beispielsweise von der perfekten Bartpflege, der idealen Playlist inklusive Streckenempfehlungen für eine Ausfahrt, bis hin zur Testfahrt mit dem neuen Aston-Martin DB11.

Darüber hinaus pflegen wir täglich unseren Instagram- und Facebook-Account und versuchen, unsere Welt einzufangen und erlebbar zu machen. Offline haben wir in Mannheim unser Kompetenzzentrum, das mit Büro und Service-Hallen immer eine Reise wert ist. Außerdem findet man uns auf einigen Messen und Oldtimer-Rallyes.

 

Gepostet von Sebastian

Ich schreibe hier regelmäßig über Mode & Lifestyle. Wenn dir der Artikel gefallen hat, würde ich mich darüber freuen, wenn du ihm, trotz des Social-Network-Dschungels ein „Gefällt mir“ geben würdest.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.