Von zuhause zu arbeiten, hat viele Vorteile. Einer davon ist es, in seinem eigenen Reich (teilweise) sein eigener Chef zu sein. Grund genug, es auch dann Boss-mäßig einzurichten, auch wenn man auf der Karriereleiter weiter unten steht.

Denn ein häufig unterbewerteter Punkt ist, wie sehr Arbeitsleistung davon abhängt, wie wohl man sich fühlt. Schlechte Karten für normale Büros, die werden nach anderen Vorgaben eingerichtet als der Individualität der Mitarbeiter. Zuhause hat man natürlich vollkommen andere Möglichkeiten. Und man sollte sie ausnutzen.

Denn der altbekannte Bewerbungs-Satz „Kleide dich für die Position, die du willst, nicht für die, die du hast“, gilt abgewandelt auch hier:

Richte dein Homeoffice für den Posten ein, den du anpeilst, nicht für den, den du hast.

Doch was macht ein Heimbüro denn Boss-mäßig?

  1. Der Thron

Es gibt keinen Chef-Computer. Es gibt auch kein Chef-Rolodex oder einen Chef-Aktenschrank. Das einzige Büromöbelstück, das untrennbar mit einer leitenden Position verbunden ist, ist der Chefsessel.

Und dieser Stuhl ist der wichtigste Baustein. Warum? Weil nur ein echter Chefsessel einem an jedem Arbeitstag das Gefühl von Power gibt. Er ist kein filigranes Stühlchen, auch wenn es ihn in vielen verschiedenen Styles gibt. Er kann als klassischer Ledersessel daherkommen. Ebenso angelehnt an Rennsport-Schalensitze oder Techno-futuristisch.

Aber das sind Details. Immer ist ein Chefsessel groß, stabil. Er hat grundsätzlich Armlehnen, lässt sich umfangreich verstellen, drehen und rollen – und immer ist er schwarz. Denn Schwarz ist würdevoll, seriös, ist Trend-unabhängig. Schwarz ist die „ewige“ Farbe der Business-Machtzentren. Und ähnlich wie bei einem Anzug sind auch hier nur wenige Abweichungen standesgemäß: Blau, Anthrazit, Beige, Braun.

Nur auf einem solchen Stuhl kann man auf die Karriere hinarbeiten, die noch vor einem liegt – weil man darin auch lange Arbeitstage so bequem abwettern kann wie auf einem gutgestalteten Lesesessel.

Lizenzfreie Stockfotonummer: 713898664

So nicht. Ein Boss sitzt nicht an kleinen Designstühlen, sondern auf einem Bequemlichkeit und Macht repräsentierenden Thron. | shutterstock / Lizenzfreie Stockfotonummer: 713898664

  1. Der Schreibtisch

Ein Brett, auf dem der PC-Monitor steht. Nach derartigem Minimalismus sind heute viele Schreibtische aufgebaut – allen voran die Lösung, bei der tatsächlich ein Brett auf zwei hölzerne Böcke gestellt wird.

No way – bitte! Mal abgesehen davon, dass es riskant ist, teure Elektronik auf etwas zu stellen, das schon durch unachtsames Anstoßen wie ein Kartenhaus zusammenbrechen kann, ist derartiger Minimalismus nicht Boss-mäßig.

Es muss kein geschnitztes Eichen-Monstrum sein, das per Kran ins Heimbüro gehievt werden muss. Aber der Schreibtisch sollte großflächig sein, damit man sich ausbreiten kann – genau das ist ja der Vorteil, wenn man allein zuhause ist und sich nicht mit Kollegen arrangieren muss.

Und er sollte stabil sein. Schon aus psychologischer Sicht. Ein wackliges Tischlein macht seinen Besitzer nicht nur wenig selbstsicher, es strahlt auch Unsicherheit aus. Chef zu sein bedeutet, in jeder Lage standfest zu sein. Stabil. Herr über die Lage. Da kann man keinen Schreibtisch gebrauchen, der bedenklich wackelt, wenn man die Füße darauflegt.

Wichtig auch: In Sachen Ergonomie wird empfohlen, den Tisch so aufzustellen, dass das Tageslicht seitlich darauf fällt (bei Rechtshändern von links).

Ebenso wichtig für das Boss-Feeling ist jedoch etwas anderes: Man schaut nicht auf eine Wand, sondern in den Raum hinein. Im Idealfall steht der Schreibtisch wie eine Burg zwischen Chef und Tür. Das sollte selbst dann gelten, wenn man vollkommen allein ist – wie so vieles ist auch dies pure Psychologie.

shutterstock / Lizenzfreie Stockfotonummer: 271854593

Der Chef-Schreibtisch ist mehr als ein Ständer für Monitor und Tastatur. Er ist ein Charaktermöbelstück für sich. | shutterstock / Lizenzfreie Stockfotonummer: 271854593

  1. Der Computer

Heutzutage ist es schwer in Mode, nur mit dem Laptop zu arbeiten. Wenn man allerdings im Homeoffice sitzt, ist das jedoch schlicht unsinnig. Aus mehreren Gründen:

  1. Der Bildschirm ist zu klein.
  2. Bildschirm und Tastatur bilden eine feste Einheit. Positioniert man eines davon ergonomisch, ist das andere es automatisch nicht mehr.
  3. Man zahlt mehr für die gleiche Leistung, weil man die Mobilität mitbezahlt – nutzt sie jedoch nicht.

Ein Homeoffice-Computer ist ein normaler Tower-PC oder ein Mac. Und er braucht mindestens zwei richtig große Bildschirme. Nichts, auf das man mit hängendem Kopf herabblickt und sich Nackenschmerzen zuzieht.

Mehrere große Bildschirme bedeuten vollen Überblick. Keine gestaffelten Fenster, sondern alles sofort sichtbar. Ein Chef gibt sich nicht mit Alt+Tab-Klickerei ab, er wendet höchstens den Kopf, um zwischen E-Mail-Programm, Excel und Browser zu switchen. Und seine Monitore sind so eingestellt, dass er bei aufrechtem Sitzen gerade über die obere Kante schauen kann.

  1. Der Schrank

Der große Unterschied zwischen Führungskräften und Angestellten ist oftmals sichtbar: Beide haben ein hohes Arbeitspensum. Doch nur beim Angestellten kann man es auch sehen, weil sich da Unterlagen auf dem Schreibtisch türmen.

Beim Chef sieht es jedoch auffallend häufig so aus, als wäre gerade die Reinigungskraft dagewesen.

Damit das gelingt, braucht man einen verschließbaren Schrank. Er muss im 180-Grad-Halbkreis um den Schreibtisch stehen, denn man will durch ein kurzes Rollen mit seinem Chefsessel herankommen, um jederzeit alles griffbereit zu haben. Darin muss es nicht allzu ordentlich aussehen. Wichtig ist nur, dass das Chaos sich darin buchstäblich hinter geschlossenen Türen abspielt.

shutterstock / Lizenzfreie Stockillustrationsnummer: 450774604

Ordnung hilft, die Arbeit zu strukturieren. Besonders wichtig im Homeoffice, wo man immer zumindest teilweise sein eigener Chef ist. | shutterstock / Lizenzfreie Stockillustrationsnummer: 450774604

  1. Weitere Tipps

Beherzigt man diese Basics, ist man mit seinem Boss-Büro schon weit gekommen. Aber erst durch weitere Dinge wird das Gefühl vollständig:

  • Deko, die dem eigenen Geschmack entspricht, ist Pflicht, denn ein Chefzimmer spiegelt immer Persönlichkeit wider. Aber sie sollte „vorzeigbar“ sein und nicht so zahlreich/prominent, dass sie ablenkt.
  • Ein Chefbüro verfolgt ein ganzheitliches Farbkonzept. Im Zweifelsfall sollte man zu Beginn also neu streichen oder tapezieren.
  • Ein Fenster ist Pflicht. Zum Boss-Feeling gehört es, auch mal seinen Blick schweifen zu lassen.
  • So, wie ein Chef auch nicht immer für seine Angestellten zu erreichen ist, sollte man es auch im Homeoffice für Mitbewohner/Familienmitglieder halten. Wenn der Chef arbeitet, wird er nicht gestört.
  • Ein Chef greift nicht nach dem Telefonhörer. Er setzt sein Funk-Headset auf und nimmt sich die Freiheit, bei Gesprächen so zu sitzen, gehen und stehen, wie es ihm beliebt.
  • Bosse müssen nicht immer am Schreibtisch arbeiten. Auch auf einer Bürocouch arbeitet und vor allem denkt es sich oftmals besser.
  • Unterlagen liegen niemals lose auf dem Schreibtisch herum. Entweder sind sie im Schrank, in Benutzung oder liegen ordentlich in einem Fach am Schreibtischrand.

Und auch wenn es zuhause noch so sehr locken mag: Ein Boss kennt keine Casual Days mit kurzen Hosen und Badelatschen. Er kleidet sich immer mindestens Smart Casual und schafft somit auch in seinem Kopf tagtäglich das Gefühl, dass er sich im Zentrum seiner Macht befindet und nicht im Urlaub.

Copyright Titelfoto: shutterstock / Lizenzfreie Stockfotonummer: 737459251

Gepostet von Sebastian

Ich schreibe hier regelmäßig über Mode & Lifestyle. Wenn dir der Artikel gefallen hat, würde ich mich darüber freuen, wenn du ihm, trotz des Social-Network-Dschungels ein "Gefällt mir" geben würdest.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.