Karohemd (3)

Alles andere als langweilig, das Karohemd

Der Charakter dieses Kleidungsstückes ist eigen und grenzt sich mit seinen Expressionen auch tatsächlich von anderen Herrenhemden ab. Doch was steckt dahinter? Ist unser Wissen über die Ausdrucksfähigkeit des Karohemdes eigentlich ausreichend, um zu wissen, wie es der Betrachter versteht? Assoziieren wir selber etwas anderes damit als der Kollege, Nachbar oder belesene Kenner?

Nur die Herkunft und Geschichte vermag uns objektive Anhaltspunkte nennen. Doch das Karohemd als allgegenwärtiges Angebot macht es uns das schwer, sie zu erkennen. Aber: Auch das Karohemd schrieb seine Geschichte. Und überraschenderweise führt diese Geschichte auf einen anderen Kontinent und nicht in ländliche Folklore vor der eigenen Türe, wo seine Aussagekraft mittlerweile fest etabliert ist.

Der Ursprung des Karohemds

Die Spuren vom Karohemd führen uns nämlich nach Nordamerika. Wer John Fogerty noch kennt, assoziiert es mit einem typischen Country-Sänger in kariertem Flanellhemd, locker und doch bodenständig, wie Seinesgleichen. Tatsächlich kamen Flanellhemden, vorwiegend mit Karo, dort erstmals bei den Feld- und Waldarbeitern in Mode. Die sogenannten Holzfällerhemden mit Jeans waren geradezu Ausdruck an Funktionalität und Lässigkeit, der sich rasch verbreitete. Naturverbundenheit, Manneskraft und Zugehörigkeit waren Teil des Charakters, der bis heute anhält und im Handel für diese Zielgruppe auch heute allgegenwärtig ist.

Karohemd (2)

Denn Flanellhemden überzeugen nicht nur mit einem angenehm weichen Tragegefühl, sondern hoher Strapazierfähigkeit. Die Karos repräsentieren genau jenen Aspekt, der auch in der Freizeit leitende Ansprüche in sich vereint: Bequemlichkeit, Qualität und Schick. Die aus Baumwollflanell erzeugten Oberbekleidungen verbreiteten sich als Freizeit- und Wanderkleidung rasch und entwickelten sich zum Trendsetter beim Wandern und gemütlichen Zusammensein gleichermaßen. Und zwar weltzweit.

Der Country-Style mit Cowboyhut, Stiefeletten und Jeans war Ausdruck namhafter Künstler für lange Zeit und verleiht seinen Träger heute klassische Züge. So ist das Karohemd der offizielle Repräsentant für inoffizielle Anlässe – nicht selten zeigten sich amerikanische Präsidenten auch gerne mit ihrer Freizeitkleidung diesen Styles und setzen damit Zeichen für eine ganze Generation. Das Karohemd eroberte den Erdball und ist bewusstes Markenzeichen für Naturnähe, Bodenständigkeit und indiziert zugleich, der Träger habe auch keine Scheu vor dem „Zupacken“ in Form von harter Arbeit.

Die gängigen Ausprägungen

Die Ausprägungen von heute lassen freilich genügend Spielraum für Akzentuierungen in mehrere Richtungen. Die Styles bieten viele Kombinationsmöglichkeiten für unterschiedliche Persönlichkeiten. Gerade in Europa lässt sich differenzieren. Die Grundstruktur bleibt aber gleich – nur der Träger aber zeigt sich immer in einem etwas anderen Licht. Unten werden die Gruppen gewissermaßen aufgeteilt, doch ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn kaum ein Kleidungsstück ist offener für individuelle Anpassungen seines Trägers als ein Karohemd.

Der Cowboy

Der typische Jeansträger mit Karohemd, Gürtel und Jeans ist schon lange nicht mehr den jüngeren Herren vorbehalten. Hier wendete sich das Blatt und vielmehr wird die Generation nach dem 2. Weltkrieg genauso vertreten. Wer den Cowboystyle konsequent umsetzen will, kommt kaum ohne Karohemd aus. Während der Hut eher nur anlassbezogen verwendet werden sollte, wie bei einschlägigen Western-Events oder Darbietungen von Country-Musik ist der Rest des Outfits nach wie vor ein klassisches Outfit für sämtliche Freizeitaktivitäten.

Karohemd (1)

Jeans, schicker Gürtel und Karohemden in Farben nach Lust und Laune machen eine einfache Kombination aus, bei der man auch keine Fehler machen kann. Eine Steigerung des originalen Stils ist mit Karohemden von besonderer Art möglich: unifarbene Material-Einsätze an Schulter und Ärmel als Kontrast zum Karo zeichnen die sogenannten Western-Shirts aus, deren abgeänderte Variante ohne Karos nie so ganz dem Original entsprechen können. Tipp: Tücher für den Hals ergänzen die Ausdrucksfähigkeit dieses Outfits ebenso wie metallbesetzte Gürtelschnallen.

Karohemden und Wanderbekleidung

Outdoor-Ausstatter kommen ohne Karohemden schon lange nicht mehr aus. Im vielzitierten 5-Schichten-System für Ausflügler hat das Karohemd seinen fixen Platz über dem Trikot und unter einem Sweater. Der Kragen schützt den Halsbereich vor Sonne wie auch vor Kälte. Beim Ablegen der Pullover kann sein Träger bequem in Gaststätten einkehren und sieht auch noch ausgehtauglich aus.

Aber auch der typische Wanderbursch aus Europa mit Lederhose, Stutzen und Wanderschuhen kommt ohne Karohemd kaum aus, so er Tradition im Auftritt ausdrücken möchte. Mögen die Karohemden auch eigentlich aus Amerika stammen, die europäische ländliche Folklore hat es längst verinnerlicht und vermittelt dem Träger ein besonderes Heimatgefühl auch hier bei uns.

Gepflegte Lässigkeit im Alltag

Das Karohemd bleibt nicht dem Bergsteiger oder Cowboy vorbehalten. Je nach gesamter Aufmachung drückt es auch einfach nur Lässigkeit und Fashion aus. Dazu zählen natürlich jene Angebote, die nicht den erhöhten Anforderungen im Outdoor-Handel entsprechen und auch nicht rein klassische Ausdrücke vermitteln möchten.

Der aktuell moderne Stil der Herrenhemden, ein ansatzweise taillierter und enger Schnitt ist gerade in Verbindung mit Karo eine beliebte Variante. In der Auswahl der Farben ist man völlig frei. Casual slim fit in Karo lässt sich gut verbinden mit der Ausdrucksstärke des ehemaligen Holzfällerhemds – raue Maskulinität in der Ausstrahlung ist garantiert.

Kuscheliges Winterutensil

Der beliebte Flanellstoff verbindet Karohemden wieder mit seinen traditionellen Vorgängern und bietet vor allem eines: Flexibel einsetzbare, warme Winterbekleidung, die einfach kombinierbar ist mit Pullover, Jacken und Hosen und stilistisch gesehen immer passt. Ob man die Karos groß oder klein bevorzugt, tut nichts zur Sache. Gemütliche Ausstrahlung ist dem Träger sicher. Vorausgesetzt ist natürlich, dass es sich um keine offiziellen Anlässe handelt. Das ist die einzige Einschränkung des Dauerbrenners Karohemd, wobei selbst diese Aussage etwas zu revidieren ist: Unter der Kategorie der inoffiziellen Kleidung ist das Karohemd wohl schon eine eigene Art Klassiker.

Welche Aufmachung der Einzelne für sich beanspruchen möchte, bleibt ihm überlassen. Es ist kaum möglich, dabei Stilfehler zu begehen und die Situationen, welche ein Tragen erlauben, sind bei jedem Menschen häufig. Also lohnt sich auch die Anschaffung eines qualitativ hochwertigen Stücks.

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