Eine Krawatte binden – das sollte man(n) wissen

Eine Krawatte binden gilt für viele jungen Männer als vielleicht sogar angstbesetztes Szenario oder zumindest als Herausforderung. Dauerhaft vor der Auseinandersetzung davonzulaufen ist aber kaum möglich.

Überdies wird der Prozedur ungerechter Weise ein hoher Schwierigkeitsgrad zugerechnet: Es gibt unzählige Arten des Krawattenbindens und darunter gelten die gerade am häufigsten angewandten als die einfachsten. Ein Paar hatte ich euch bereits in meinem Style-Guide vorgestellt.

Die gebräuchlichsten Arten Krawatte binden im Überblick

Die vielen tatsächlich existenten Arten sind nur dann relevant, wenn sich jemand daraus ein Hobby machen will. Auch für die absolut besonderen Anlässe gelten Klassiker als beste Wahl, ob bei der Krawatte selber oder der Form des Anlegens. Die gängig praktizierten Möglichkeiten beschränken sich auf den einfachen und den doppelten Knoten, den „halben Windsorknoten“, den „Windsor-Knoten“ und die Fliege.

In eben dieser Reihenfolge gestaltet sich auch der jeweilige Schwierigkeitsgrad beim Binden. Der Windsorknoten und die Fliege zählen definitiv zu den schwierigsten der genannten Verknotungstechniken und der Anfänger sollte sich zuerst mit den einfachen Formen vertraut machen. Korrekt ausgedrückt werden manche Knoten „gebunden“, andere „geformt“.

Eine Krawatte binden_002
Erstere Definition wird für den einfachen Knoten, den halben Windsor-Knoten und die Fliege verwendet. „Geformt“ ist bei den anderen Arten auch weit zutreffender. Der Schwierigkeitsgrad lässt sich daraus aber nicht ableiten, wie man oben sieht.

Vorbereitend stellt man immer den Kragen des Hemds auf. Der oberste Knopf ist geschlossen und die Krawatte wird um den Hals gelegt. Sofern es nicht anders angegeben ist, wird dabei die Mitte der Krawatte mittig des Genicks platziert.

Der Klassiker – der einfache Knoten

Traditionell, klassisch und für jeden Anlass geeignet ist er auch der am meisten verwendete Krawattenknoten. Das liegt auch an der relativen Einfachheit beim Anziehen. Hinsichtlich passender Krawattenarten und -modelle schränkt er, im Gegensatz zu seinen teils aufwändigen Mitstreitern, in keinster Weise ein und ist in jeder Hinsicht die praktikabelste Technik. Er besteht hier aus 5 Schritten:

  • Das breite Ende wird unter das schmale Ende gelegt.
  • Man zieht das breite Ende von dort aus unter das Teil mit dem schmalen Ende durch. So bildet sich eine kleine Schlinge.
  • Nun wird das breite Ende um das andere herumgeführt, dieses ist nun praktisch „umkreist“.
  • Durch die so entstandene Schlinge führt man von unten nach oben das breite Krawattenende durch aber belässt einen Finger in der entstehenden Schlaufe, damit sie noch nicht zu fest wird. Das breite Teil „blickt“ nun wieder wie ein Pendel nach unten.
  • Man zieht es fest. Währenddessen muss das schmale Teil gehalten werden und am breiten Teil wird gezogen.

Einfacher_Knoten
Das untere Ende darf ab nun nicht mehr sichtbar sein. Die ideale Krawattenlänge ermöglicht ein Ende in Höhe des Gürtels.

Zur grazilen Linie – Der halbe Windsor-Knoten (kleiner Windsorknoten)

Den Schwierigkeitsgrad betreffend befindet er sich auf Ebene mit dem einfachen Knoten. Er charakterisiert sich durch seine dezente Erscheinung, Eleganz und wird zu leichten Materialien und schmale Krawattenschnitten getragen. Das schmale Ende soll bei der Vorbereitung aber noch etwas oberhalb der Gürtellinie abschließen.

  • Das breite Ende wird über das schmale gelegt, während beide gehalten werden. Mit der breiten Seite von unten nach oben eine Schlaufe gelegt. Also zwei „Moves“: Dickes Teil um dünnes schlingen, hinten von unten nach oben durchziehen.
  • Nun der große Unterschied zum einfachen Knoten: die horizontale Legung des breiten Ende zuerst hinter, dann vor seinem schmalen Pendant.
  • In diese „Schlingen“ von hinten ist das breite Teil so zu führen, dass es sie von oben kommend überdeckt. In die Schlaufe hineinstecken und schon entsteht ein anständiges Bildnis.
  • Wie beim einfachen Knoten oder generell: Perfektion durch konkrete Ausformung – das schmale Ende halten und am breiten ziehen. Der Knoten soll den oberen Knopf verdecken und mittig im Kragen zum Liegen kommen.

Krawatte binden - kleiner Windsorknoten
Nun sollte das schmale Teil von selber in der Höhe des Gürtels enden, andernfalls liegt der Fehler in der Produktauswahl aber nicht in der Handhabung.

Etwas breiter: Der doppelte Knoten

Es lässt sich kaum eine Kombination vorschlagen, wo diese Art besser oder schlechter entspräche – das lässt sich nur individuell beantworten. Die optische Abweichung liegt in einem weiteren Überschlag, so dass der Knoten etwas breiter ist.

Möchte man zeigen, dass man auch beim Krawattenbinden mehrere Akzente beherrscht, kann mit unterschiedlichen Knoten auch dann Innovation unter Beweis stellen, wenn der Dresscode sonst zurückhaltend ist. Dicke Hemdstoffe sollten aber eher mit zierlicheren Knoten aufwarten. Die Vorbereitung ist hier etwas anders: Es muss nach dem Umhängen das breitere Teil weiter nach unten hängen als das schmale.

  • Die ersten drei Schritte sind identisch mit dem einfachen Knoten
  • Das breite Ende wird ein zweites Mal um das schmale herumgeführt werden
  • Das breite Ende muss hinten nach oben geschoben werden, so dass es wie eine Zunge im Mund positioniert ist und nach vorne oben in die Schlaufe eingeführt werden kann.
  • Diese Schlaufe besteht hier aus zwei Schlingen und dient mittig dem Durchziehen des breiteren Teils so wie bei anderen Knoten auch.
  • Nun kann er zurecht geschoben und in der Mitte festgezogen werden.

Der Dominante: Der Windsor-Knoten

Ganz seinem Namensgeber Herzog von Windsor entsprechend handelt es sich um eine original englisch-traditionelle Art für Anlässe mit besonders hohem Stellenwert. Aufgrund seiner dominanten Optik ist er auch nur eingeschränkt zu kombinieren.

Das Wichtigste ist ein breiter Kragen um das Verhältnis wiederherzustellen. Der Knoten gilt als schwierig, darum werden die durchzuführenden Schritte sehr genau beschrieben. Vorbereitend ist auch hier das breitere Teil um  einiges mehr an Länge anzulegen, damit genügend Spielraum für den Knoten verbleiben kann.

  • Zuerst wird das breite Ende unter das schmale gelegt.
  • Indem man das breite Ende unterhalb des anderen hochzieht und nach vorne umschlägt wird eine Schlaufe gebildet. Dazu sollte man unbedingt beide Enden festhalten, damit sich die jeweiligen Längen nicht verändern können.
  • Unter dem schmalen ist das breite Teil auf die andere (Körper-)seite zu führen. Legt man es dann gleich über die Krawatte und schlägt es wieder nach hinten, entsteht eine Schlaufe.
  • Horizontal ist das breite Teil wieder über das andere zu legen
  • Dann geht es nach hinten. Von dort kommend wird es nach oben geleitet und in einem glatt gestrichenem Zustand durch die Schlaufe eingeführt. Wenn es sich hier verdreht oder verschiebt, kann es in der Schleife einmal drinnen nämlich kaum mehr glatt gestrichen werden.
  • Während der schmale Teil festgehalten wird, wird durch leichtes Ziehen am breiten Ende das Ergebnis zentriert und fixiert.

Windsorknoten
Besonders gute Wirkung entfaltet der Windsor-Knoten bei kleinen bis mittelgroßen Männern oder dünnen Hälsen. Ohnehin dominante Erscheinungen verstärken diesen Effekt mit dem Windsor-Knoten weiter, ob man dies will oder nicht, sollte der Träger je nach Anlass bewusst entscheiden.

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Copyright Fotos: Eldredge Tie Knot von A&A Photography (Flickr) | I think that I’m throwing, but I’m thrown von frankieleon (Flickr)

About Sebastian

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