Krawattenschal als Alternative zur Krawatte und Fliege

Accessoires für Herren sollten wohlüberlegt eingesetzt werden, vor allem wenn man die maskuline Note beibehalten möchte. Überladung gilt ein zweifelhaftes Privileg für diejenigen, die glauben, es zu benötigen. Wer weniger gute Chancen oder das Verlangen hat, als neuer Star der Rapper-Szene durchzugehen, sollte eher darauf verzichten. Doch gibt es fest etablierte Kleidungs- oder Schmuckstücke, die bei Männern das gewisse Etwas zu unterstreichen. Für die Unsicheren unter uns aber gilt die Grundregel: lieber zu wenig als zu viel.

Beim Krawattenschal fällt die Beurteilung einfach aus. Sein elegant-seriöser Touch widerspricht niveauloser Überladung schon vom Stil her. Nur: Wovon wird genau gesprochen? Gebunde Schals aller Formen und Arten? Oder doch nur bestimmte Stücke? Es gibt nämlich unterschiedliche Ausführungen und zu guter Letzt wird er als Oberbegriff für allerlei Tüchlein und Sonderartikel verwendet. Eine Abgrenzung zu anderen Dingen ist daher notwendig.

Krawattenschal – mehr als ein Accessoire

Der richtige Krawattenschal ist ein solches Accessoire mit Stil. Vorausgesetzt, er wird mit der Gesamterscheinung stimmig eingesetzt und ist auch abgemessen für die jeweilige Situation. Die Flexibilität im Einsatz spricht für eine Anschaffung, gerade dann, wenn er farblich neutral ist. Wie und wo der Krawattenschal aber überhaupt eingesetzt wird, sollte einem schon bewusst sein. Hier ist eine kleine Rückblende zu seiner Geschichte hilfreich.

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Vorab: Bitte verwechsle den Krawattenschal niemals mit einer Krawatte – damit kann man ins Fettnäpfchen treten. Es gibt sehr wohl auch Grenzfälle – Faustregel: Die Krawatte als weit jüngere Ausprägung gibt es nur in einer Aufmachung. Ist sie einfach nur sehr breit, bleibt sie dennoch was sie ist: eine Krawatte. Das Halsstück beim Krawattenschal dagegen ist immer schmaler als seine beiden Enden. Ob man gebunden auch noch Unterschiede erkennt, tut nichts zur Sache.

Begriffsentwicklung und Herkunft

Im 19. Jahrhundert verbreitete sich in England und den USA vorerst der Ascot oder Plastron, dem zwar unterschiedliche Erscheinungsformen zugrundliegen, doch dazu später. Die amerikanische Ausprägung verband mit dem Ascot ein schmales Nackenband mit breiteren Enden, bei den Briten prägte sich der Begriff schlicht mit einer extrabreiten Krawatte heraus. Seide als Material war überall vorausgesetzt.

Die Farbgebung fand traditionellerweise mit silbergrau mit leichten Musterungen statt. Aber auch schwarz war erlaubt. In Ergänzung mit einem Zylinder und Frack handelte es sich anno dazumal um das perfekte Outfit der feinen Herren.

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Die Bezeichnung „Ascot“ stammt übrigens vom „Royal Ascot Race“, ein vom englischen Hochadel gerne besuchtes Pferderennen, womit auch der Charakter des Krawattenschals als Tagesbekleidung evident wird. Lose gebunden wurde er langsam zum Bestandteil der Morgenbekleidung in der damaligen Mittelklasse. Auch heute noch unterscheidet man die „Dress Cravat“, also der Variante für das Nightlife, und die „Day Cravat“, wobei Letztere auch in frischen Farben und Musterungen erhältlich ist. Der Erzeugung aus Seide blieb man bis heute im Grunde treu.

Später fand sie etwa auch beim Golf Verwendung bis sie überhaupt zum Bestandteil unserer Business-Kleidung für die Herren wurde. Das entsprach den modischen Vorgaben in den 1960ern und wurde von schon damals auch von jungen Männern gerne aufgegriffen. Heute gibt es nach wie vor Repräsentanten dieses Styles, die unabhängig der Modemacher prinzipiell darauf zurückgreifen und davon zeugen, wie sehr dieser Stil nachhaltig große Beliebtheit aufweist, ohne dass die Masse dazu erst animiert werden müsste.

Das Binden der traditionellen Krawattenschals

Die „Daycracat“ bindet man mit dem traditionellen Knoten, der hauptsächlich auch bei Krawatten verwendet wird. Dabei handelt es sich um den einfachen Knoten, nur dass sie innen im Hemd zu tragen ist. Es ist aber auch „erlaubt“, ihn außen zu tragen. Das wird am Tag aber selten praktiziert. Wenn doch außen, dann wird eher auf den Jabot-Knoten zurückgegriffen. Das ist ein bereits fertig gebundenes Stück, das mit einem Gummiband im Nacken fixiert wird.

Die „Dress Cravat“ bedient sich dagegen einer ganz anderen Variante: Es werden die Enden gekreuzt und mit einer Krawattennadel festgesteckt. Man kann aber durchaus auch auf einen einfachen Knoten zurückgreifen. Daneben ist es auch üblich, mit einem besonderen Knoten über dem Hemd zu knüpfen. Und zwar mit einem „Ruche-“ oder „Scrunchie“-Knoten.

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Das Ergebnis wird heute auch als „großer Puff-Knoten“ bezeichnet und wird gerne in Verbindung mit Schals praktiziert. Es sind einfache Griffe, aber zum Verständnis sollte man das erste Mal im guten Handel nach einer Erklärung vor Ort bitten oder online ein Video ansehen. Ansonsten könnte auch die beste Beschreibung mit Worten zu Missverständnissen führen.

Diese Varianten verdeutlichen den eleganten Charakter des Krawattenschals, der auch heute je nach Anlass von hohem Stilbewusstsein zeugt. Nach wie vor sind die Krawattenschals von Reituniformen nicht mehr wegzudenken, ihr Fehlen würde sogar merkwürdige Eindrücke verleihen. Häufig werden sie traditionellerweise auch bei Hochzeiten verwendet. Eine Aufmachung, die sich nun schon sehr lange Zeit als standhaft erwies.

Zeitgemäße Modelle des Krawattenschals

Wie die Geschichte seiner Verwendung zeigt, ist der Krawattenschal nicht nur für Feierlichkeiten geeignet, sondern auch für private Unternehmungen offizieller Natur – vor allem Freizeitaktivitäten mit beruflichem Hintergrund oder besonderer Bedeutung. Die modernen und lässigen Erscheinungsformen sorgen dafür, dass der elegante Style niemals vergessen wird und sie überzeugen durch eine optische Aufwertung moderner Outfits.

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Die unterschiedlichen Varianten sind vielfältig. Oft greift man auf zarte Krawattenschals zurück, die nur rund 15 Zentimeter breit sind. Meistens findet man ihn mit Paisley-Mustern oder anderen zarten Elementen in diskreten Farben. Typisch ist zwar nach wie vor Seide, aber auch andere gängigen Materialien mit Glanzeffekten sind durchaus erlaubt und zeigen sich noch pflegeleichter und strapazierfähiger.

Erlaubt ist das Tragen zu lässigen Blazer und Sakkos, Hemden, Cardigans oder Pullover mit entsprechendem Halsausschnitt – also eigentlich jeder gängigen Grundausstattung gehobener Natur. Und selbstverständlich lässt er sich bestens mit Jeans kombinieren.

Tipps beim Tragen eines Krawattenschals

  • Die Modelle, die als Ascot oder Plastron bezeichnet werden, haben ein sehr schmales Ende mit einer breiten Schlaufe als Gegenstück, so dass ein Binden einfacher ist als zu Zeiten des Hochadels. Die schon vorgebundenen Stücke, die vor allem in Kaufhäusern erhältlich sind, sollte man aber mit Vorsicht genießen: Nicht alle Krägen von heute verdecken das Gummiband – Kläppchenkrägen und fertige Ascots vertragen sich oft nicht.
  • Die Hemden müssen natürlich aufgeknöpft sein, um dem Accessoire zu seiner Wirkung zu verhelfen. Es sollen aber maximal zwei Knöpfe offenbleiben.
  • Aufpassen bei Musterungen: Wenn der Krawattenschal gemustert ist, wäre eine Musterung der anderen Garderobe bis auf Ausnahmen unpassend. Im Zweifel: lieber unifarbene Stücke dazu kombinieren oder einen unifarbenen Krawattenschal verwenden.
  • In Ergänzung mit Einstecktüchern schafft man ein passendes Ensemble – vorausgesetzt, die beiden Stücke sind identischer Natur.
  • Vorsicht beim Einkauf: Nicht überall, wo Krawattenschal draufsteht, ist Krawattenschal drinnen. Stil-Tipps vom Personal aus nicht spezialisierten Kaufhäusern sollte man vorher überprüfen.

Fazit zum Krawattenschal als stylisches Accessoire

Lässiges Outfit von heute und Krawattenschals vertragen sich bestens. Einen Hauch von Gentleman kann auch ein sportliches, topmodernes, gemütliches oder extravagantes Outfit vertragen. Der Krawattenschal ist flexibler einsetzbar denn je und verliert trotz stiefmütterlicher Behandlung der Modemacher seine Präsenz nicht – und das weltweit.

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About Sebastian

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