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Die hohe Kunst des Small-Talks – so geht’s

Wer wünscht sich das nicht? Mit Smalltalk den Anforderungen jeder Gesellschaft gerecht zu werden, dort stets beste Eindrücke zu hinterlassen, sein soziales Netzwerk live zu bedienen, auszubauen und sein Leben dadurch in jeder Hinsicht aufzuwerten. Beruflich oder privat – immer handelt es sich um eine mehr oder weniger große Herausforderung. Gelungener Small-Talk kann oft der unerkannte Schlüssel für weitere Entwicklungen sein und doch setzen sich nicht alle damit auseinander.

Angesichts der individuellen Komponenten erscheint er als unbeeinflussbarer Ablauf, als Produkt des Zufalls. Das sind aber Trugschlüsse. In der Folge werden Aspekte herausgefiltert, denen man generelle Gültigkeit zusprechen darf.

Mangelndes Selbstvertrauen ist eine gewisse Hemmschwelle zum Sprechen mit fremden Menschen. Aber auch ein zu hohes Selbstvertrauen soll einem bewusst sein: Wer derart von sich überzeugt ist, dass er die Reaktion einer Gesellschaft nicht erkennt oder nicht ernst nimmt, macht noch größere Fehler als ein offensichtlich schüchterner oder zurückhaltender Mensch. Hier die eigene Mitte zu finden und zu üben kann und soll für diese Personen der erste Schritt sein. Manche benötigen dazu möglicherweise Fremdhilfe, why not? Es könnte eine sehr sinnvolle Investition sein.

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Eine positive Grundstimmung schaffen – Gestik und Mimik

Zur Schaffung einer geeigneten Atmosphäre ist schon der Begrüßung hohe Bedeutung beizumessen. Dazu ist ein fester Händedruck angesagt. Daneben wäre zumindest als Gastgeber ein kurzer Wortwechsel nett. In der Funktion als Gast ist es nicht nötig, Begrüßungen etwas hinzuzufügen. Ein offenes Lächeln ist aber immer wichtig.

Zumindest gelegentlicher Blickkontakt ist gerade beim Sprechen wichtig. Sind die Zuhörer mehr an der Zahl, sollte man jedem in etwa dieselbe Aufmerksamkeit schenken – ein wichtiger Aspekt, der guten Vortragenden bekannt ist und auch im Privatbereich seine Bestandsberechtigung hat.

Inhalt des guten Small-Talks

Mit kurzen und unverfänglichen Themen kann nichts falsch gemacht werden. Tiefe Diskussionen sind hier ebenso wenig Sinn und Zweck wie das basisdemokratische Aufsuchen gemeinsamer Positionen oder Übermittlung von Inhalten. Bedeutsam ist die Angemessenheit des Inhalts aber auch das Ausmaß der Vertiefung. Eine leichte Unterhaltung ist das Ziel.

Dazu bietet sich eine aktuelle Sachlage, die jeden auf gleiche Weise berührt wie das Standard-Thema Wetter. Wer sich in der Kunst des Small-Talks erst übt, kann sich vorbereiten, indem er sich gemeinsame Themen ins Gedächtnis ruft: Herkunft, Ausbildung, Anfahrt, Arbeitgeber – was führt diese Gesellschaft eigentlich zusammen? Fragen über die Anfahrt sind außerdem ein Zeichen von Interesse am Wohlbefinden eines Ankömmlings. Dieses sollte freilich nur der Gastgeber beziehungsweise Einladende setzen.

Kulturelle Themen sind gut geeignet. Konzentrieren sollte man sich bei jeder Sache auf die positiven Aspekte und nicht auf die negativen. Sollte es aber ein gesellschaftlich spaltendes Thema sein, wie etwa Stierkampf oder Jagd, sind die Finger davon zu lassen. Fußball, Opern und Konzerte sind immer unbedenklich, auch wenn es die Menschen jeweils unterschiedlich interessiert. Das hört man aber auch gleich heraus.

Belastende oder emotional besetzte Themen sollten nicht einmal ansatzweise aufgegriffen werden. Religionen, geschlechterbezogene oder wen auch immer diskriminierende Witze, Sex, Hervorkramen einer Gerüchteküche oder über jemanden herzuziehen ist ein No-Go. Gespräche über Krankheiten, die Verdauung oder Geburten sind natürlich ebenso verzichtbar. Politische Themen sind ein Tabu – ein hitziges „Ausländer raus!“, „Verbietet die Zoos!“ oder „Emanzen hinter den Herd!“ erwecken Eindrücke, die nie wieder umzukehren sind. Ist man hingegen nur Anhänger eines gegnerischen Fußball-Teams, tut es nichts zur Sache.

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Wenn von anderen ein heikles Thema vorgebracht wird, sollte man in neutraler Position verharren, auch dann, wenn man innerlich positioniert ist. Höchstpersönliche Themen, wie Finanzen oder familiäre Begebenheiten sind auch kein Thema für Small-Talk, auch nicht im positiven Kontext. Nur offizielle Anlässe überschreiten die Grenze zum erlaubten Aufgreifen, wie etwa eine aktuelle Verlobung. Beziehungskisten bleiben aber immer außen vor.

Privates sollte man nur ausnahmsweise thematisieren, nämlich wenn es objektivierbar ist, wie die Zufriedenheit an einem Urlaubsort, einer Gaststätte oder Hotelanlagen. Solche Themen sind sogar sehr beliebt, beinhalten sie doch Mehrwert in Form von Empfehlungen. Bei erlebter Unzufriedenheit sieht die Sache aber schon anders aus.

Anderes gilt natürlich dort, wo der Anlass des Treffens mit konkreten Dingen dieser Art in Verbindung steht, wie etwa das Meeting einer Selbsthilfegruppe oder politischen Vereinigungen. Dann gilt es aber, außer diesem „erlaubten“ Thema kein weiteres hinzuzufügen. Vertiefungen sind beim Small-Talk auch hier nicht Gegenstand, man hat aber genügend inhaltliche Möglichkeiten, sich oberflächlich und neutral einzubringen. Alles andere hätte mit Small-Talk nichts mehr zu tun.

Gespräche über Weine, Biersorten oder Speisen sind ebenfalls unverfänglich und unterschiedliche Geschmäcker stören nicht. Wer aber aus ethischen Gründen etwa auf Fleisch oder tierische Produkte verzichtet, sollte nur auf ausdrückliche Nachfrage und knapp darauf eingehen aber möglichst in der Folge ein anderes Thema aufwerfen. Die Antwort sollte zwar reflektieren, dass man das Interesse daran wertschätzt aber eine Positionierung des Gegenübers nicht nötig ist.

Von selber damit anzufangen ist immer schlecht. Der andere erhält das Gefühl einer versuchten Missionierung. Und das Beibehalten der guten Atmosphäre ist ein wesentlicher Aspekt für Small-Talk. Das beinhaltet auch die Aufmerksamkeit über die Tischgespräche anderer. Sollte ein Anwesender heikle Themen zur Sprache bringen, sollte versucht werden, sie in „seichte Gewässer“ zu lenken.

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Achtzugeben ist auch darauf, nur solche Fragen aufzuwerfen, in denen man auch Kenntnisse aufweist. Das könnte sonst blamabel werden. Wer hingegen auf Anfrage zugibt, von aktuellen Fußball-Matches keine Ahnung zu haben, ist ehrlich und kann sich dabei dennoch als guter Zuhörer positionieren.

Beim Erstkontakt „gute Ratschläge“ zu erteilen ist ein wahrer Fauxpas. Jemand, der besserwisserisch wirkt oder überlegen erscheinen möchte wird nicht dafür geschätzt. Man wird als arrogant wahrgenommen. Natürlich ist es möglich, vereinzelt für jemanden zu einer Art Mentor zu werden. Die Initiative muss aber dabei vom anderen ausgehen und entsteht langsam – kaum aber beim ersten Treffen. Ähnlich verhält es sich mit der Bewertung einer Position des anderen: Auch aus diesem Grund sind die Themenschwerpunkte Politik, Religion oder ethische Anschauungen zu unterlassen, sie beinhalten immer eine unausgesprochene Bewertung des Gegenübers.

Das richtige Verhältnis von Zuhören und Reden

Die Mischung macht´s – es wird sofort erkannt, wenn jemand nur selber sprechen will und dem anderen kaum Chancen dazu lässt. Jemanden ins Wort zu fallen ist fatal. Rückfragen sind ein gutes Mittel um Ausgewogenheit herzustellen. Auch hier ist aber das Maß die eigentliche Kunst – ein bloßes „Ausquetschen“ des Tischpartners wirkt genauso befremdend wie Dauerberieselung.

Zwei Gesprächspartner sollen sich etwa zum gleichen Anteil beteiligen, es sei denn, das Gespräch entwickelt sich für beide in eine Richtung, wo der Eine erzählt und der Andere aufrichtig und gerne zuhört. Ein nur höflichkeitshalber durchgeführtes Zuhören ist nicht immer leicht zu erkennen, daher sollte man im Zweifel keine langen Geschichten liefern.

Schweigen – was nun?

Sollte Schweigen eintreten – was soll´s? Krampfhafte Beschäftigungstherapien sind nie willkommen. Manchmal harmonieren Menschen einfach weniger als andere, manchmal ist auch ein Zeitpunkt schlecht. Man weiß nie, ob seinen Gesprächspartner etwas bedrückt und er deshalb innerlich etwas abwesend ist. In dem Moment, wo eine Fortsetzung des bisherigen Gesprächs sichtbar zum Lückenfüllen verwendet wird, ist es nicht mehr authentisch.

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Hakt das Gegenüber ein Thema ab, ist das zu respektieren. Ein neues Thema vermag wieder völlig andere Wirkung auf diesen auszuüben. Es macht aber nichts aus, wenn zwischendurch Stille herrscht. Möchte diese Person gar keinen Smalltalk, wie durchaus vorstellbar beim jeweils anderen Geschlecht, dann ist es ein Zeichen von Respekt, nicht mehr nachzuhaken.

Andere Personen mit einzubeziehen erweist sich situationsbedingt oft als kluger Schachzug, etwa dann, wenn der Gesprächspartner auf einen selber nicht besonders motivierend oder unterhaltsam wirkt und kein eigener Bedarf an Small-Talk mehr vorherrscht. So schafft man es, sich unbemerkt „aus der Affäre“ zu ziehen.

Abschluss eines gelungenen Smalltalks

Ob in Wort oder Schrift – eine strukturierte Reihenfolge ist die Basis gelungener Kommunikation. Das braucht beim Smalltalk keiner besonderen Planung, sondern einfach abschließende Worte wie „Es war schön, Sie nun auch persönlich kennenzulernen“ oder „Nehmen Sie doch bitte meine Visitenkarte und übermitteln Sie mir bei Gelegenheit ein Email mit ….“ – Dinge wie diese stellen einen vernünftigen Abschluss dar. Mehr braucht es nicht.

Wer allerdings mit diesen Tipps nicht das Auslangen findet, sollte Kommunikations- beziehungsweise Rhetorik-Seminare besuchen oder sich Fachliteratur besorgen. In den allermeisten Fällen aber ist das Wichtigste: Üben, üben, üben!

Copyright Fotos: Sean Shang – YC创业课线下活动第一期 (Flickr) | Sascha Müsse – Talking heads (Flickr) | Wan Fuad – small talk/laundry (Flickr) | Neil Moralee – And then she left me! (Flickr) | Thomas Hawk – San Francisco Mayor Gavin Newsom (Flickr)

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