Kurzportrait #18 – FreiVon.

Im heutigen Kurzportrait widme ich mich FreiVon., einem kleinen Schuhlabel, für welches Nachhaltigkeit bei den eigenen Produkten an erster Stelle kommt. Gegründet wurde das Label von Sarah, welche neben ihrer Arbeit für FreiVon. Nachhaltigkeitsmanagement in Berlin studiert. Dies alleine ist sicherlich schon Begründung genug, warum Nachhaltigkeit eine so große Rolle bei ihrem eigenen Label spielt.

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Neben Sarah steckt noch Paul hinter FreiVon., welcher häufig im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Webshop-Programmierung unterwegs ist. Doch damit nicht genug, im Sommer 2014 trafen die Beiden auf Familie Siebert, welchen sie von FreiVon. erzählt haben. Ein glücklicher Zufall wie sich herausstellte, denn Familie Siebert ist mit ihrem eigenen Unternehmen Zarini shoes in Pirmasens (Rheinland-Pfalz) als Schuhmacher tätig. So ist Ralf Siebert seit über 30 Jahren Schuhmacher mit Leib und Seele und wird dabei von seiner Frau Karin Siebert tatkräftig unterstützt.

Gemeinsam haben die vier Produkte geschaffen, welche durch ihre hohe Qualität sowie die einzigartigen, nachhaltigen Materialien überzeugen. Dabei ist es FreiVon. wichtig, dass die Schuhe höchsten Tragekomfort bieten und gleichzeitig chic und nachhaltig sind. Durch die Fertigung in Handarbeit kann man sich sicher sein, dass jeder Schuh ein Unikat ist und seine ganz eigene Handschrift trägt.

Nachhaltigkeit durch einzigartige Materialien

Neben der aufwendigen Fertigung in Handarbeit kommen bei den Schuhen von FreiVon. Materialien zum Einsatz, welche man so zunächst nicht in einem Schuh vermuten würde. So setzt das Label beim Obermaterial auf EQ Porellina. Dieses besteht aus 50-60 Prozent Polyurethan und 40-50 Prozent Non-Food-Getreide. Zu erwähnen ist hierbei, dass das Produkt nicht rezyklierbar ist. Jedoch kann es ohne toxische Emissionen verbrannt werden.

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Beim Innenmaterial der FreiVon. Schuhe kommt Bamboo-X zum Einsatz. Wie der Name vermuten lässt handelt es sich zu 80% aus italienischem Bio-Bambus, welcher mit 20% Kunstfaser verstärkt wird. Die Bambusfasern kommen von einer italienischen Bio-Bambusplantage. Auch die Kunstfasern werden in Italien hergestellt. Bamboo-X kann downgecycelt werden, wenn die Schuhe Mal nicht mehr getragen werden und kommt dann zum Beispiel im Bereich der Wärmedämmung zum Einsatz.

Die Innensohlen von Jomo setzen auf recycelte Polyurethan-Resten, welche aus der Matratzenindustrie stammen und mit antibakterieller Ausrüstung daher kommen. Bedingt durch seinen vorherigen Anwendungszweck ist der Schaum hoch atmungsaktiv und verleiht einen hohen Laufkomfort. Kaschiert ist dieser Schaum mit einem recycelten ungefärbten Bambusfrottee.

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Auch bei den Laufsohlen setzt FreiVon. auf Nachhaltigkeit, diese bestehen aus Apinat-Bio, einem Bio-Plastik. Dieser ist vollständig rezyklierbar und biologisch abbaubar. Gefertigt werden die Sohlen bei Soles2Walk in Tschechien.

Das passiert, wenn du bei FreiVon. Schuhe bestellst

Da jedes Paar Schuhe handgefertigt ist, ist es verständlich, dass FreiVon. nicht auf einem riesigen Berg Schuhe sitzt, wenn deine Bestellung eingeht. In einem gut dreiminütigen Video nehmen uns Sarah und Paul daher mit und zeigen uns, was passiert, wenn du in deren Webshop auf bestellen klickst.

Deine Bestellung geht direkt nach Pirmasens zur Schuhmacher Familie Siebert, wo Ralf und Karin deine Schuhe nach alter Schuhmacher-Tradition fertigen. Dabei ist zu erwähnen, dass jeder Schritt Handarbeit ist und es keine Abkürzungen zum fertigen Paar Schuhe gibt. Daher kann man sich auch sicher sein, dass die eigenen Schuhe ein Unikat sind. Kein Paar gleicht dem anderen. Jedes Paar FreiVon.-Schuhe hat seine eigene Identität.

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Interview mit FreiVon. und Einblicke in deren Unternehmen

Nun habe ich bereits ein paar Worte zu euch und euren Schuhen verloren. Wie wäre es denn wenn ihr euch selbst noch einmal vorstellt und ein wenig darüber erzählt was ihr vor FreiVon. gemacht habt und wie ihr auf die Idee gekommen seid eigene Schuhe an den Markt zu bringen?

Vor FreiVon. hat Sarah ihren Bachelor gemacht und ich war Programmierer. Die Idee zu FreiVon. kam als Sarah auf der Suche nach veganen Schuhen war und gemerkt hat, dass es keinen Schuh gab, der ihren Vorstellungen entsprochen hat. Vorstellungen bezieht sich in diesem Fall aber nicht auf das Design – schöne vegane Schuhe gab es – sondern auf die Produktionsbedingungen und die benutzen Materialien.

Die meisten Firmen produzieren unter mindestens fragwürdigen Bedingungen und benutzen zusätzlich Kunstleder aus PVC oder ähnlichen Mist. Diese Firmen achten also vordergründig auf Tierleid, aber missachten Menschenrecht und vergiften ihre Kunden und die Umwelt. Das wollten wir besser machen.

Das Besondere an euren Schuhen ist, soweit ich es verstanden habe, dass ihr nicht auf klassische Materialien bei deren Herstellung zurückgreift, sondern beispielsweise auf recycelte Matratzenreste oder Getreide-Reste. Wie kam es dazu und nehmen dies eure Kunden an?

Unsere Kunden nehmen das super an. Vielen Menschen ist nicht mehr egal, ob ihre Kleidung bzw. deren Herstellung die Umwelt zerstört oder nicht. Und uns als Unternehmern ist es eben auch nicht egal, ob unsere Produkte Umwelt, Menschen oder Tiere schädigen. Wir finden, dass man als Unternehmen eine gesellschaftliche Verantwortung hat und diese auch ernst nehmen sollte.

Also haben wir uns auf die Suche gemacht, möglichst nachhaltige Materialien zu finden. Das heißt: Nachwachsende Rohstoffe, Recycling, Kompostierbarkeit und kurze Lieferketten. Aber nur dann, wenn es sinnvoll ist. Kork ist zum Beispiel ein nachwachsender Rohstoff, aber schon jetzt übersteigt die Nachfrage das Angebot. Also der Kork kann gar nicht so schnell wachsen, wie er abgeholzt wird. Das ist natürlich nicht nachhaltig.

Was ich zudem erwähnenswert finde ist die Tatsache, dass ihr nur in Deutschland produziert. War dies eine bewusste Entscheidung von Beginn an oder hat es sich so ergeben, da ihr euren Schuhmacher Ralf Siebert hier gefunden habt?

Es war eine ganz bewusste Entscheidung. Unsere Schuhe sollen nicht nur super aussehen, sondern auch lange halten. Gute Qualität erreicht man aus unserer Sicht nur durch Handarbeit, also stand schnell fest, dass die Schuhe komplett handgefertigt werden sollen. Und da wir in Deutschland, also vor allem in Pirmasens, eine lange Tradition des Schuhhandwerks haben, sind wir dort gelandet.

Eure Schuhe findet man im Einzelhandel nicht. So wie ich bei euch im Blog gelesen habe, war dies eine bewusste Entscheidung, euch nicht deren Druck zu beugen und den eigentlichen Preisvorteil direkt an eure Kunden weiter zu geben. Bereut ihr diese Entscheidung oder seid ihr immer noch der Meinung, dass diese vollkommen richtig ist?

Die Entscheidung war genau das Richtige für uns. FreiVon.-Schuhe sind etwas Besonderes und das muss der Einzelhandel auch zu schätzen wissen und seinen Kunden auch kommunizieren. Aber die Mühe will sich der Handel nicht machen. Die wollen sich was billiges ins Regal stellen und da soll am besten nachhaltig und handgemacht draufstehen. Das geht aber eben nicht in billig und ohne dass man sich damit auseinandersetzt. Also sparen wir uns doch lieber diesen Zwischenschritt und unsere Kunden bekommen unsere Schuhe zu einem besseren Preis.

Wie geht es weiter mit FreiVon. was sind eure Pläne für das nächste Jahr?
Wir wollen noch ein paar schöne neue Modelle auf den Markt bringen und hoffentlich noch mehr nette Leute damit glücklich machen.

Vielen Dank für den Einblick in euer Unternehmen. Weiterhin viel Erfolg und Danke für das Interview!

About Sebastian

Ich schreibe hier regelmäßig über Mode & Lifestyle. Wenn dir der Artikel gefallen hat, würde ich mich darüber freuen, wenn du ihm, trotz des Social-Network-Dschungels ein "Gefällt mir" geben würdest.

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