Lederschuhe pflegen – so geht’s richtig!

Leder ist ein reines Naturmaterial. Es handelt sich um Tierhaut, die durch den Vorgang der Gerbung dauerhaft haltbar gemacht wurde. Heute dienen in Europa vor allem Büffel und Rind zur Gewinnung von Leder, wobei man bei Produktionsstätten auf anderen Kontinenten auf alle Tierarten zurückgegriffen wird. Bis in die 30er Jahre lässt sich sogar die Verwendung von Menschenhaut seit dem Mittelalter zurück zu verfolgen. Hierzu wurden vor allem Andersfarbige oder verurteilte Straftäter herangezogen. In der aktuellen Ethik-Debatte sind die Ansichten zur Lederverwertung freilich gespalten, da der Tod nicht selten bis zu zwei Stunden nach der Häutung auf sich warten lässt. Der Handel bietet daher mittlerweile hochwertige Alternativen.

Die Grundeinigung des Lederschuhs

Grundsätzlich sollte man hier mit einer Bürste arbeiten. Es gibt auch feine Ausführungen unter den Lederarten und hierfür sind extra-weiche Bürsten erhältlich. Gegen den Einsatz weicher Tücher ist hier auch nichts einzuwenden. Nur mit der groben Bürste sollte man nicht auf allen Modellen „herum rubbeln“. Ein Spezialfall sind außerdem Schuhe Velour- oder Nubukleder. Für diese braucht man eine Kreppbürste aus Naturkautschuk. Wichtig bei der Reinigung von Glattleder: Vor dem Putzen schon ist die Pflege aufzutragen und zu trocknen! Danach kann man eine Rosshaarbürste oder ein weiches Tuch heranziehen. Die genaue Anleitung wird unten vorgestellt.

Nach einem gewissen Zeitraum wird der Duft des Schweißes seine Spuren dauerhaft im Schuhwerk verewigen – keine Angst: Es sind vor allem die Innensohlen betroffen und diese kann man herausnehmen. Wenn sie aus Stoff bestehen, können sie durchaus ein kleines Wasserbad genießen. Bei der typischen Einlage kann man bei ihrer Reinigung auf leicht angefeuchtete Tücher und Schwämme mit milder Seife zurückgreifen.

Schürsenkel sollte man von Zeit zu Zeit in Seifenlauge einlegen und gut trocknen lassen. Auch sie bleiben so geschmeidig, gute Qualität vorausgesetzt. Metallteile, wie Ösen, sollten von Zeit zu Zeit mit Vaseline oder ähnlichen Wachsarten behandelt werden. Sie erhalten dabei eine Schutzschicht gegen Umwelteinflüsse und solche Details tragen zu einem ungepflegten Erscheinungsbild des Schuhes bei.

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Die Pflege im Alltag

Vor dem ersten Tragen noch ist der neue Schuh, egal bei welchem Wetter, zu imprägnieren. Das tägliche oder gelegentliche Spannen des Leders führt zu Verformungen des Schuhs. Am meisten gespannt wird der Schuh beim Anziehen, seltener beim Ausziehen. Daraus ergeben sich aber zwei hilfreiche Mittel, deren Umsetzung man sich rasch angewöhnt: Sind Schnürsenkel vorhanden, sollte man sie wirklich öffnen und nicht mit „Gewalt“ die Schmerzgrenze des guten Stücks im gebundenen Zustand ausloten. Genauso verhält es sich beim Verwenden eines Schuhlöffels im Fersenbereich – dieser dehnt den sensiblen Bereich auf äquivalente Weise. Mancher „wackelt“ beim Anziehen des Schuhs solange, bis der Fuß fest drinnen steckt. Das trägt auf Dauer betrachtet ungemein zu seinem raschen Verschleiß bei.

Lederschuhe pflegen – Warum Schuhcreme?

Bei Cremen handelt es sich, wie auf der Menschenhaut, um gezieltes „Anti-Aging“, so auch beim Schuh. Vorab hat auch hier immer eine Reinigung stattzufinden. Die Widerstandsfähigkeit und Geschmeidigkeit sind zusammen das einzig wirksame Rückgrat gegen Faltenbildung. Durch das tiefere Einwirken der Essenzen kann der Schuh in der Folge weniger Feuchtigkeit aufnehmen und wird so bereits prophylaktisch geschont.

Immerhin ist es stets Feuchtigkeit, die zu optischen Veränderungen führt und das Gesamtbild beeinträchtigt. Dies kann dazu führen, dass selbst ein unbeschädigter Schuh einen derart verschlissenen Eindruck macht, so dass man ihn ungerne und schließlich gar nicht mehr trägt. Zu unterscheiden ist auch bei der Creme nach Lederarten: Glattleder braucht Hartwachs oder Emulsion-Cremes.

Die richtige Creme mit passenden Farbpigmenten schafft aber auch unmittelbare optische Veränderungen, die man mit freiem Auge erkennt. Vorher-Nachher-Vergleiche sprechen für sich, selbst kleine Beschädigungen werden abgedeckt und beinahe unsichtbar gemacht.

Nässe, Schnee und Wasserränder – auch diese „Todfeinde“ des Lederschuhs sind mit Imprägnierung und Creme am besten in Schach zu halten. Eine gute Creme – die am meisten gefährdeten Stellen darf man dabei aber nicht vergessen – lässt Nässe erst gar nicht ins Innere des Materials. Hier gibt es natürlich eine gewisse Schmerzgrenze – vollständigem Eintauchen begegnet auch die beste Creme mit Kapitulation.

Die wichtigsten Stellen zur Behandlung sind Nähte und die Übergangsstelle zur Sohle. Eine alte Zahnbürste kann hier sehr viel zum Ergebnis beitragen, denn sie findet Einlass in den kleinsten Ritzen.

Diese Maßnahme sollte man mit Genuss angehen – und mit Vorbereitung. Nämlich jener, die Politur nicht an der Kleidung zu verewigen. Es ist denkbar schwierig, wasserresistente Essenzen aus Kleidung zu entfernen. Schürzen erfüllen hier wertvolle Zwecke.

Kurzhaar-Bürste und weiche Tücher oder saubere Nylon-Strümpfe dürfen hier zum Einsatz kommen. Eine kraftvolle Einarbeitung mit der Bürste ins Material der zuvor eine Stunde lang getrockneten Creme kann beginnen, am besten in langen, gleichmäßigen Strichen. Zu guter Letzt darf man mit dem weichen Material kleine, kreisförmige Bewegungen an der gesamten Fläche durchführen.

Nach der Prozedur dürfen die Schuhe eine Stunde lang nicht verwendet werden, damit die Creme auch gut einwirken kann. Das Wachs muss wieder erhärten, welches durch die Reibung flüssiger geworden ist. Erst dann besteht auch Schutz. Abschließend ist mit weichen Tüchern oder Bürsten zu polieren, hierbei entsteht Glanz und die geschützten Stellen sind optisch erkennbar, so dass man kaum etwas übersehen kann.

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Detailliebe mit der Wasserpolitur

Dieser Vorgang ist für neue Schuhe nicht geeignet. Denn bis zu achtmal soll der Schuh schon Bekanntschaft mit Wachspolituren gemacht haben, es besteht sonst Riss-Gefahr. Auch sollte man vorher eine extra Wachsschicht bereits aufgetragen haben, die eine Stunde lang einziehen durfte. Eine Schale mit Wasser und 2 Tropfen Essig, Wachs und ein Politurtuch sollten schon bereit liegen.

Nun wickelt man das Tuch doppelt um den Zeigefinger, trägt etwas Wachs auf und befeuchtet das Tuch. Das kreisförmige Polieren kann beginnen. Sanfter Druck reicht aus, dafür wird das Ergebnis umso schöner, je länger man sich Zeit lässt. Es wird sogar empfohlen, diesen Vorgang mehrmals zu wiederholen – das Resultat lohnt sich!

Wo liegt eigentlich der Unterschied zur Imprägnierung?

Sinn und Zweck gehen in dieselbe Richtung, erst die Ergänzung aber bildet das Ideal. In der Imprägnierung sind viele weitere Inhaltsstoffe vorhanden, die gezielter auf oder gegen Nässe wirken und Cremes helfen wie oben beschrieben auch gegen andere Einflüsse wie Austrocknen und Faltenbildung. Vorausgesetzt natürlich, die verwendete Imprägnierung ist ein hochwertiges Produkt – im Zweifelsfall sollte man mit den Schuhen in einen Fachhandel gehen und sich beraten lassen. Auch bezüglich der Farbpigmente ist hier kein Fehlkauf zu erwarten.

Durchzuführen ist der Vorgang möglichst im Freien, denn die Dämpfe sollten nicht eingeatmet werden – das Lesen der Gebrauchsanweisung sollte man sich keinesfalls „schenken.“ Ein zu häufiges Imprägnieren ist nicht gut – die Poren im Leder können verstopfen und Atmung verhindern. Nach der Imprägnierung ist etwa eine Stunde lang vom Tragen abzuraten.

Wie oft ist zu pflegen?

Das hängt freilich davon ab, wie häufig das jeweilige Paar getragen wird und welchen Umwelteinflüssen, allen voran die Witterung, es ausgesetzt ist. Als Faustregel kann man von 3-4 Wochen ausgehen. Unabhängig von der jeweiligen Creme gibt es einige Grundregeln, die man kennen sollte:

  • Gleichmäßigkeit beim Auftragen und regelmäßige Anwendung sind oberstes Gebot. Dies gilt auch dann, wenn Schuhe dazwischen nicht getragen wurden!

  • Nach dem Tragen ist ein Schuhspanner zu benützen. Unlackiertes Holz ist beim Lederschuh die geeignetste Wahl. Wichtig ist auch die richtige Passform. Hier ist nicht zu vergessen, dass sich feuchtes Leder zusammenziehen können muss. Ein zu großer Schuhstrecker richtet deshalb mehr Schaden als Nutzen an.

  • Eine Regel, die sogar manchmal im Fachhandel bei der Aufklärung vergessen werden kann, weil man die Kenntnis vielleicht schon voraussetzt: Die beim Tragen gespeicherte Feuchtigkeit benötigt fast einen ganzen Tag lang um zu verdunsten. Diesem Umstand trägt man nur so adäquat Rechnung, wenn dasselbe Paar nicht zwei Tage hintereinander getragen wird.

  • Vorsicht bei Experimenten zur rascheren Trocknung: Niemals ist Heizungsluft oder pralle Sonne geeignet, den Prozess der Trocknung ohne Schaden zu beschleunigen. Trocknung mit möglichst natürlicher Schonung braucht seine Zeit – daran ist nicht zu rütteln! Nach der vollständigen Trocknung muss der Schuh gut eingecremt werden.

  • Bei Beschädigungen sollte nur der gute Fachhandel daran arbeiten dürfen.

  • Man soll gerade den Lederschuh nicht verleihen oder, wie in Familien vielleicht üblich, abwechselnd anziehen. Auch wenn die Schuhgröße ident ist, der genaue Fuß allerdings ist es niemals. Und Leder ist wie eine zweite Haut – es passt sich an „ihren“ Fuß an und erhält eine individuelle Form.

  • Ganz wichtig bei Kinderschuhen: niemals gebrauchte Schuhe wiederverwerten! Eben weil jeder Fuß anders ist und Kinderfüße sich erst entwickeln, darf keinesfalls eine erschwerende oder behindernde Passform verwendet werden. Das wäre aber bei jedem gebrauchten Schuhwerk der Fall, auch dann, wenn es aus anderen Materialien besteht.

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Copyright Foto: Leather shoes – *higetiger (Flickr)

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Ein Kommentar

  1. Erst vor kurzem habe ich mir 2 neue Lederschuhe gekauft, aus diesem Grund passt der Beitrag super! Vielen Dank für die Tipps!

    Gruße Benni

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