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Leinenhemden und Leinenhosen – angesagt oder out?

Weder in den Schaufenstern, noch in der Werbung waren in den letzten Jahren repräsentativ für Trends Leinenhosen und Leinenhemden oft zu finden. Doch warum eigentlich? Sind sie jetzt „out“ und die Vorzüge nicht zu gebrauchen? Sind die aktuellen Materialien „besser“? Genau diese Fragen möchte ich ein wenig näher betrachten und meine Meinung zu Leinenhemden und Leinenhosen wiedergeben.

Leinen im Sommer ein Muss!

Wer sich an das Tragen der einst hochgelobten Leinen-Stoffe erinnern kann, wird zugleich an das gute Tragegefühl erinnert, wie angenehm das Material fällt und bekommt spätestens bei einer Hitzewelle Lust und Laune auf Leinen. Der Einzelhandel weiß das. Im Vertrieb finden sich Jahr ein, Jahr aus, alle Basics für den Herrn in Leinen. Vor allem im Sommer weiß der Kenner das zu schätzen und kümmert sich herzlich wenig darum, ob gerade damit auch die Massen versorgt werden oder doch nicht.

Denn gerade namhafte Erzeuger setzen ihre Standards kontinuierlich mit dem beliebten Stoff. Insbesondere im Bereich Naturmode und ökologisch innovative Nischen wissen die Vorteile wie „im stillen Kämmerchen“ zu schätzen. Vielleicht sind es die Langlebigkeit, nachhaltige Aspekte und der hohe Level an Problembewusstsein, die für die Profiteure des Massenhandels letztlich weniger attraktiv sind.

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Denn die „trendigeren“ Produktionen mit günstigen Rohstoffen aus Asien oder das heute teilweise viel zu stark mit Chemie belastete Leder, welches der Bezeichnung „Naturprodukt“ schon lange nicht mehr gerecht wird, werden in Billiglohnländern beauftragt während Qualitätsprodukte wie Leinenware in Nischen verdrängt wurden. Die Gewinnspanne ist wohl eine andere, der Wunsch nach Langlebigkeit von Kleidung oder Waren generell wird kaum erfüllt.

„David gegen Goliath“ – trotz Sieg beim Preis-Leistungsverhältnis

Zwar versuchten etwa 2015 weltweit manche Einzelkämpfer mit Events wie „Innatex Wollau“ – der größten Fachmesse für nachhaltige Textilien Europas, „Pure London Olympia“, „Moda Burningham“ oder „Who´s Next“ in Paris für Beachtung zu sorgen, aber auf Interesse kann es nur dort stoßen, wo Interesse oder Problembewusstsein vorliegt. Die Massen werden aber nicht erreicht.

Profiteure haben freilich kein Interesse an breiter Information, doch die immer häufigeren Skandale rund um giftige Ware in den bekanntesten Diskountern wecken langsam Interesse an Alternativen. Preislich kann der nachhaltige Handel mit Massen-Kleidung freilich nicht mithalten – die Erfahrung aber lehrt dem Träger, wie hier die Langlebigkeit zu einem besseren Preis-Leistungsverhältnis beiträgt.

Was bestimmt die Qualität von Leinenhemden und Leinenhosen?

Das Preis-Leistungsverhältnis und optisch zweitgemäße Attraktivität bilden so gut wie bei jedem die Basis für eine Kaufentscheidung. Die Anforderungen an den Käufer beim Wissen von heute sind ungleich höher als noch vor einem Jahrzehnt oder noch früher und befinden sich noch immer massiv im Anstieg. Wer keine besonderen Informationsquellen, wie etwa Newsletter aus dem Öko-Bereich erhält, ist auf die „Spitze des Eisbergs“ in den Medien reduziert und erfährt erst von aufgedeckten Skandalen rund um gesundheitsschädliche Kleidung, verheerenden Arbeitsbedingungen bei der Produktion, Vernichtung unserer Umwelt im großen Stil oder Schockbilder bei tierischen Produkten.

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Diese Eigenschaften jedoch relevante Kaufmerkmale, doch nimmt – noch – keinerlei Kennzeichnung darauf Bezug. Transparenz, doch die Stimmen werden immer lauter. Diese ethischen Merkmale bestimmen die Qualität. Über die Langlebigkeit selber sagt dies nichts aus, weil die Verarbeitung ebenso ausschlaggebend ist. Ein Produzent, der teurere Stoffe verwendet, wird aber kaum bei der Verarbeitung sparen und sich selber ein schlechteres Output bescheren.

Die alten Ägypter wickelten nicht umsonst ihre Toten in Leinenstoffe und im Altertum wurden die Schiffsegel aus ihm hergestellt. Bis zum Beginn der Industrialisierung dauerte die Erfolgs-Story an. Die Vorteile in Kurzform:

  • Stabile Stärke der Naturfasern mit hoher Reißfestigkeit
  • Wärme im Winter – Kühle im Sommer
  • Flusenfreiheit
  • Optische Symbiose von Lässigkeit und Klassik – formell und in der Freizeit

Dauerhaftigkeit in Nischen belegt Qualität

Leinenware fehlt in keinem Naturladen. Der Fachhandel für Schwangerschaftsmode greift vergleichsweise oft auf Leinen zurück. Aber auch typische Geschäfte für Übergrößen kennen die Vorteile: Mit mehr Fettanteil schwitzt man schneller und unangenehme Stoffe belasten das Wohlbefinden rascher. Diese Vorteile haben allerdings Allgemeincharakter denn besondere Herausforderungen können jeden treffen.

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Wer etwa bei 35° Celsius ein Vorstellungsgespräch, Geschäftsessen oder Date nur nach einer einstündigen Autofahrt antreten kann, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen schicken Leinenanzug zurückgreifen, sofern sein Kleiderschrank diese Option bereithält.

Leinen ist immer „Bio“ – nicht nur wenn draufsteht!

Langlebigkeit ist für jeden Käufer ein bedeutsamer Aspekt – für ihn persönlich aber auch hinsichtlich des ökologischen Nonsens der Wegwerfproduktionen denken immer mehr Konsumenten um. Befindet man sich auf der Suche nach Leinenhemden und Leinenhosen beziehungsweise Leinen-Garderobe im Allgmeinen, wird einem schnell klar, dass namhafte Händler permanent ihr Repertoire um Leinen anreichern.

Manch einer nennt seine Kollektionen „Bio-Leinen“ – das verzerrt aber die Aussagekraft: Denn Leinen ist immer „bio“. Das aus Flachsfaser gewonnen Gewebe wurde nur gegen Ende des 19. Jahrhunderts von Baumwolle fast völlig verdrängt. Das mag anfangs durchaus seine Berechtigung gehabt haben, da die Produktion nicht immer am technischen Stand von heute erfolgte und schädliche Einflüsse das Naturprodukt damals teils belasteten. Seit ein verbessertes Anschlussverfahren üblich ist, übertrifft es in Sachen Nachhaltigkeit die Baumwollproduktionen bei weitem.

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Früher wurde Leinen vor allem auch für Bettwäsche herangezogen, aber die billige Baumwolle ist nach wie vor Spitzenreiter im Bereich der Heimtextlilien. Die Nebenprodukte von der Leinenherstellung werden heute noch sogar für Dämmmaterialen verwendet. Flachsfaserverstärkte Kunststoffe werden gängig von der Automobilindustrie verarbeitet. Ihre gesundheitlich unbedenklichen Eigenschaften sowie ihre CO2-Neutralität führen dort zu Einsparungen bei der Produktion.

Würde man bei Leinen minderwertige Eigenschaften, die zu verkürzter Lebensdauer führen – Stichwort: „geplante Obsoleszenz“ einsetzen, wäre dies ein schwieriges Unterfangen und könnte wohl nachgewiesen werden. Vielleicht ist das der Grund, warum man bei Leinenprodukten noch von keinerlei kleinen Skandalen zu hören bekam.

Die Pflege von Leinen Kleidung

Wer grundsätzlich den Schonwaschgang verwendet, dürfte die ohnehin lange Lebensdauer noch weiter ausdehnen. Notwendig ist das im Vergleich mit anderen Materialien aber nicht – Leinen spielt schließlich in einer anderen Liga. Bügeln sollte man am besten feucht, weil Knitterfakten sich kaum aushängen. Färben, chemische Reinigung und starke Waschmittel sind komplett unproblematisch.

Worauf ist zu achten – bei der Auswahl von Leinenhemden und Leinenhosen?

Merkmale zur Auswahl sind im Grunde dieselben wie bei jedem anderen Angebot auch: Auch die Verarbeitung definiert die konkrete Haltbarkeit. Preis-Leistungsverhältnisse sind das Synonym für die Angemessenheit einer Kaufentscheidung aber individuelle Präferenzen und Geschmack müssen ebenso entsprechen. Materialien sind an sich nicht „out“.

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Der Schnitt aber sollte sich an der herrschenden Modewelt orientieren, so wie jedes andere Kleidungsstück auch. Differenzen zu den Trends werden bei aktuellen Leinen-Angeboten auch kaum vorliegen wobei es auch geschmacklich viele Sonderformen gibt. Bei Leinen ist neben der Öko-Linie auch Tracht ein großes Thema. Doch gerade dann, wenn der Stoff nicht gerade zur Hype hochstilisiert wurde, sollte man besonders auf trendige Nuancen Wert legen.

Hat man sich einmal einen Überblick über die Sortimente gemacht, wird schnell klar: Alles ist auch in Leinen möglich – vom Button-Down-Hemd zum Trachtenhemd, vom lässigen Kurzarm-Hemd zum Designer-Hemd mit hochaktuellem Schnitt, Hemden in allen Farben und mit allen trendigen Mustern. Blickt man die erhältlichen Leinenhosen für Herren an, sieht es kaum anders aus: von der schlabbrigen Freizeithose mit Schnürung, die mit Bestimmtheit einen edleren Eindruck in Leinen als aus anderen Materialien verleiht bis zur Anzughose für wärmere Tage. Alles ist möglich.

Hervorzuheben sind jene Leinenhosen-Modelle, deren Schnitt den Jeans ähnelt. Diese Flexibilität, entweder an heißen Tagen mit Flip-Flops und Shirt, andererseits zu Sakkos oder Hemden kombinierbar zu sein, ist weder der Jeans, noch der Leinenhose abzusprechen. Mit einem gravierenden Unterschied: Bei wirklicher Hitze kann das Tragen einer Jeans zur Qual werden.

Entscheidet man sich aber für eine Leinenhose mit einem etwas lockeren Jeans-Schnitt schöpft man die optischen und flexiblen Vorteile gänzlich aus und trägt das bei Hitze am wenigsten belastende Material überhaupt. Nur das Adams-Kostüm könnte diesen Effekt noch toppen. Zu guter Letzt: Von Hosen und Hemden aus Leinen hat so gut wie jeder eine Vorstellung. Auch Wohntextilien kommen einem manchmal zu Gesicht – doch wer weiß schon, dass es beispielsweise auch Pullover und Socken gibt?

Fazit zu Kleidung aus Leinen

Wie eingangs angeschnitten, lässt sich erahnen, warum Leinen nicht in jedermanns Repertoire zu finden ist: Man(n) hat es noch nicht probiert oder die reine Idee wird von Werbung überlagert. Warum sollten bei billigeren Einkaufsmöglichkeiten in der Produktion auch gute Waren propagiert werden? Wem die Gewinnmaximierung der Modemacher für Massenindustrie kalt lässt und seine Kleidungsstücke lange tragen möchte, entscheidet sich häufiger für Leinen. Es gilt: Teurer ist hier billiger.

About Sebastian

Ich schreibe hier regelmäßig über Mode & Lifestyle. Wenn dir der Artikel gefallen hat, würde ich mich darüber freuen, wenn du ihm, trotz des Social-Network-Dschungels ein "Gefällt mir" geben würdest.

3 Kommentare

  1. ein wirklich toller und ausführlicher Artikel! Ich trage auch sehr gerne Hemden aus Leinen. Der Stoff ist schön leicht und angenehm auf der Haut. Ich sehe es übrigens genauso wie du: Man sollte bei Kleidung lieber in High-End Produkte investieren und hat dann einfach qualitativ mehr davon. Besonders bei Anzügen habe ich diese Erfahrung gemacht. liebe Grüße

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