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Manschettenknöpfe – mehr als ein stylisches Accessoires

Zugegeben: Lange Zeit konnten junge Männer nicht viel anfangen mit diesem Accessoire und das hatte einen guten Grund – die Modemacher maßen ihnen ihrerseits keine Bedeutung bei. Hier vollzog sich aber ein Wandel und dieser stieß auf Beifall: Man darf von der Renaissance der Manschettenknöpfe sprechen. Gewisse Basics sollte man jedoch darüber wissen.

Manschettenknöpfe im historischen Kontext

Man mag es kaum glauben – seit dem 1600 n.Chr. gelten die kleinen Ziergegenstände am Handgelenk des Mannes als Prestige-Objekt und einer Aufwertung des Anlasses beim Tragen. Das Bildnis der breiten, gekräuselten Krägen, im 15. Jahrhundert ging es bei den Adelsleuten nicht mehr ohne solchen, ist uns wohlbekannt und gehen mit der Entstehung der Manschetten einher.

Zu diesem Zeitpunkt wurde noch gebunden, geknotet und mit Textilien pompöse Gebilde geschaffen. Ab dem 17. Jahrhundert wurden in Europa dann auch Metalle eingesetzt und so der eigentliche Vorläufer des Manschettenknopfs ins Leben gerufen. Man fixierte die eleganteren Knöpfe noch an einer Kette. Sodann zierten die Edelmänner mit Knöpfen aus Gold, Silber und Edelsteinen. Für die Goldschmiede ergab sich ein neuer Absatzbereich, der mit viel Fantasie und Aufwand ausgebaut wurde – nicht nur bei uns.

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Im 18. Jahrhundert wurden von dieser Bevölkerungsschicht bereits täglich Manschettenknöpfe angelegt: Im Alltag zum Hemd, bei besonderen Anlässen in Verbindung mit Rüschen. Ein Jahrhundert später dann setzte sich die Schlichtheit ohne Rüschen durch und verbreiteten sich in der Gesellschaft auf die Ober- und Mittelschicht. Die Doppelmanschette wurde zur teureren Ausführung und blieb daher eher auf die Oberschicht beschränkt.

1840 wurde die Umschlagmanschette „french cuff“ zum Must-Have – die Ausführungen waren äußert imposant: Mini-Portraits, Haare, Kristalle und diverse Materialien wurden mit viel Liebe zum Detail eingesetzt, wobei es auch schon Imitate der Edelmetalle sein durften. damit wurde der eigene Auftritt immer aufgewertet, eine Symbolik ausgedrückt und der Masse zugänglich. In den USA setzte sich der Manschettenknopf ohne Kette durch, während in Europa diese Version noch länger nicht denkbar war. Die Manschettenknöpfe gehörten aber dort als auch hier zu den Basics eines Mannes. Cartier und Tiffany waren etwa jene Modehäuser, welche sich dabei zu Trendsetter entwickelten.

Das 20. Jahrhundert verwies die Manschettenknöpfe vom Schmuckstück zwar auf den Platz der Accessoires zurück, allerdings nicht ohne ihnen einen gewissen „Sonderstatus“ zu gewähren – die Juweliere ziehen nach wie vor deren Produktion mit ein und die Auswahl ist letztlich groß und bunt. Prestige aber ist nach wie vor mit ihrer Verwendung verbunden.

Was man noch wissen sollte…

Genau dieser Prestigegedanke ist es auch, der bei der Auswahl von Manschettenknöpfen zugrundezulegen ist. Nicht das „Ob“ der Verwendung ist die eigentliche Frage, sonder die konkrete Wahl. Die Frage nach dem Anlass beim Tragen grenzt die Angebote ein, unter denen man in der Folge den persönlichen Geschmack und das Budget entscheiden lassen darf. Es ist also durchgängig von unterschiedlichen Faktoren abhängig, welche Manschettenknöpfe den Kleiderschrank ergänzen sollten. Die Frage nach der Verwendung ist daher ein Thema, über das sich jeder zumindest einmal Gedanken machen sollte.

In der jüngeren Geschichte galten Manschettenknöpfe eher als spießig und konnte die Masse nicht viel damit anfangen. Das Auf und Ab in der Fashion-Welt befindet sich mittlerweile auf Höhenflug und selbst junge Männer integrieren sie gerne auf stylische Weise – vom Comeback der Manschettenknöpfe zu sprechen, ist also durchaus gerechtfertigt.

Harmonische Übereinstimmung mit dem Hemd wird immer vorausgesetzt. Ein stilistischer Gleichklang ist bei der Wahl das Maß der Dinge. Zur Geltung kommen die Manschettenknöpfe auf jeden Fall bei einfarbigen Hemden am besten und so wirkt das Gesamtbild auch nicht „überladen“.

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Wichtig ist auch die Übereinstimmung mit anderen Accessoires und dem Schmuck – so wäre es unschön, eine silberne Uhr und goldene Manschettenknöpfe zu kombinieren. Das Procedere ist übrigens ganz einfach: Die beiden Manschettenlöcher des Hemdes übereinander legen und zugleich in sie hineinführen. Danach wird er einfach umgeklappt und sorgt für Halt. Es gibt allerdings unterschiedliche Verschlussarten, dazu unten.

Anlassbezogene Varianten heute

Natürlich ist es eine Frage des Geschmacks, doch die anlassbezogenen Einschränkungen als objektive Vorgabe sollten angesichts des Effekts nach außen unbedingt mit einbezogen werden. Hinsichtlich des Verschließens kann man zwischen den beiden Grundarten wählen: Die gängige Art nennt man „Sportmanschette“. Ihr Einsatzgebiet umfasst die alltäglicheren und informellen, also die häufigeren, Anlässe. Diese Variante bietet auch eine Unterart als Zweiknopfmanschette.

Die nächste Variante ist die sogenannte Kombimanschette, auch „Wiener Manschette“ genannt. Sie ist zur Kombination mit einem Frack zu empfehlen und daher nicht als „Manschette für alle Fälle“ zu verwenden, sondern sollte nur bewusst zur Schau getragen werden.

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Die Umschlag- oder „französische“ Manschette gilt als Optimum an Formalität, Eleganz und Festlichkeit. Die Verwendung ist daher sehr eingeschränkt und zugleich sind diese Arten von Anlässen sensibel – je nach eigener Rolle sollte man hier nicht auf die Sportmanschette zurückgreifen. Auftritte mit Smoking beziehungsweise das bloße Tragen von Hemden, die mit einem solchen kombinierbar sind, erlauben nur die Verwendung dieser Manschettenart. Man erkennt sie am Überschlag auf der doppelten Stofflage am Handgelenk mit bloßem Auge.

Harmonie mit der Kleidung

Die „richtigen“ Manschettenknöpfe zu finden, setzt die Wahl des Hemdes schon voraus und geht indirekt wieder mit dem Anlass Hand in Hand. Man sollte das Hemd einfach zum Einkauf der Manschette mitnehmen und adäquate Beratung hinzuziehen, wenn die eigene Stilsicherheit noch nicht ausreichend ausgebaut ist.

Angesichts der wohl seltenen formellen Anlässe wird heute nur in Ausnahmefällen jemand alleine die beste Kombination herausfinden. Wer einen vertrauenswürdigen Fachhandel für sich gefunden hat, dürfte auf der sicheren Seite liegen aber auch hier sollte man sich immer wieder auch selber informieren und updaten. Grundsätzlich sollte es aber kein Problem sein, zeitlos schlichte Anzüge oder Sakkos mit ebensolchen Manschettenknöpfen zu kombinieren.

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Falls überhaupt kommen nur subsidiär eigene Präferenzen zum Tragen: Der eher schlichte Typ wird sich für unauffälligere Modelle entscheiden als etwa der Künstler, der bewusst eigenwillige Akzente setzen möchte. Auch generelle Stiltreue ist zu berücksichtigen. Ein Bruch mit der Harmonie in der Gesamterscheinung wäre aber auch für Letzteren ein riskantes Zeichen nach außen.

Resümee und Empfehlung

Auch der jüngere Mann ist heute keinesfalls overdressed oder wirkt „spießig“, wenn das Outfit mit Manschettenknöpfen versehen ist – vielmehr wertet er sich auf, vorausgesetzt, er begeht keine Stilfehler. Beim Einkauf ist ihm grundsätzlich ein Set an Sportmanschetten anzuraten, die vom Material, Farbe und Stil mit dem Schmuck und der Armbanduhr harmonieren müssen.

Für besondere Anlässe sollten eigene Manschettenknöpfe angeschafft werden, die erst nach sorgfältiger Auswahl der Kleidung auszusuchen sind. Es darf ruhig einmal auf die Umschlagmanschette zurückgegriffen werden.

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Übrigens: Viele Männer verzichten auf das Tragen einer Armbanduhr, wenn bereits ein Manschettenknopf das Handgelenk ziert. Damit unterliegt man keinen selbst verursachten Einschränkungen und kann aus allen Angeboten wählen. Dasselbe gilt freilich für alle Armbänder oder sonstige Schmuckstücke.

Fotos: Angela Rutherford – flea market purchases (Flickr) | mackitten23 – Star Trek Cufflinks (Flickr) | San Francisco Bicycle Coalition – 18545 John took the Bike to Work Day Dress-Up Challenge with special bicycle cufflinks (Flickr) | cariberry – Grandfather’s Watch and Cufflinks (Flickr) | Guy Sie – LEGO cufflinks (Flickr)

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