Maßhemden und worauf man(n) bei deren Auswahl achten muss

Möchte man „allgemeine Erfahrungswerte“ über Maßhemden sammeln, nämlich solche, die nicht von einem Anbieter mit Verkaufsabsicht stammen, ist vorerst Ratlosigkeit angesagt. Generell gültige Angaben, die dazu führen sollen, von den Anbietern alle kaufrelevanten Einzelheiten gegeneinander abwägen zu können, erhält man nämlich so gut wie nirgends.

Detailfragen können dabei auch in Vergessenheit geraten, wird man doch umgehend von Werbebotschaften und gelegentlichen Dumping-Preisen abgelenkt. Die Vergleichbarkeit des Preis-Leistungsverhältnisses hängt letztlich aber von vielen Faktoren ab, die einem bei einem Fertigprodukt im Einzelhandel erst gar nicht bewusst werden.

Schwierig aber doch lässt sich eine kleine Anleitung ableiten. Klar fließen auch hier individuelle Ansätze zusammen. Hier sollen diese aber keinesfalls eingeschränkt, sondern vielmehr aufgezeigt werden. Für die Aufbereitung aller typischerweise kaufrelevanten Faktoren aber ist vor allem eines erforderlich: Zeit. Und Zeit ist Geld – also fasse ich zusammen, was mir persönlich bei Kaufentscheidungen wichtig ist.

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Ausgangspunkt Qualität – was zählt hier dazu?

Beim Maßhemd sind jedenfalls Material, Verarbeitung und Beratung in Relation zum Preis wohl die relevantesten Faktoren für den Käufer. Die wahren Knackpunkte liegen aber im Detail – dazu aber erst ganz unten mehr. Als individuelles Kriterium ist der Stil zu nennen. Alle diese Fragen fallen für mich unter „gute Beratung“ – gut ist sie nämlich nur dann, wenn sie nicht bei den eigenen Angeboten endet, sondern zumindest bei Bedarf auch einmal an den Konkurrenten verweist.

Meiner Meinung ist immer Vorsicht geboten, wenn „Beratung“ sich nur auf die eigene Warenpalette bezieht. Grundsätzlich empfehle ich daher folgende Schritte:

  • Gespräch mit einem Maßschneider vor Ort: Ein Gespräch führen. Wird eigentlich im Haus verarbeitet? Kann man die Stoffe in natura vergleichen?
  • Online mit der Konkurrenz vergleichen – „sacken“ lassen.
  • Bei Bedarf weiter recherchieren
  • Keine Angst vor dem Abmessen in Eigenregie!

Professionelles Abmessen zuhause – darauf muss man bei Maßhemden achten!

Mit einer guten Anleitung sollte die Prozedur unproblematisch sein. Benötigt wird nur ein Maßband, natürlich ein weiches, flexibles und nicht aus Metall. Auch ein Helfer schadet beim Maß nehmen nicht. Insgesamt sind 13 Maße notwendig, um eine Aussage für das passende Maßhemd treffen zu können.

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  • Beim Hemd beginnt man am Hals an der breitesten Stelle, dieser befindet sich meistens unterhalb des Kehlkopfes. Den eingelegten Zeigefinger muss man hinzurechnen.
  • Aktuelle Körpergröße: Ab 40 beginnt der menschliche Schrumpfungsprozess. Dieser ist sehr individuell, also gegebenenfalls an die Wand stellen.
  • Der Brustumfang ist an der stärksten Stelle zu ermitteln. Man sollte dabei weder zu stark ein-, noch ausgeatmet werden und in der Achsel angelegen.
  • Den Bauchumfang zu messen läuft nach demselben Schema. Stärkste Stelle, nicht einziehen, einatmen. Auch hier ist ein Finger einzulegen, ansonsten liegt das Hemd zu eng an. Ein geöffneter Hosenknopf nach einem ausgiebigen Mahl ist nichts Besonderes, aber beim Hemd wäre das lächerlich.
  • Das richtige Maß der Hüfte – wer Hemden von der Stange kennt, die von einer anderen Körpergröße ausgehen, kennt den unschönen Effekt wenn der Hüftumfang zu weit oben oder unten landet. Auch hier ist die stärkste Stelle zu eruieren, wobei man aufpassen muss, dass es nicht verrutscht. Im Gegensatz zum Bauchumfang ist dieses Maß aber ein „fixer Faktor“.
  • Das Abmessen der Schultern erfordert das Auffinden des Schulterknochens: Es handelt sich um das kleine Grübchen, welches beim Anheben der Arme entsteht. Davon nimmt man jeweils den weitesten Punkt und misst die Differenz. Eventuelle überstehende Muskel oder Fettpolster werden von der Armlänge erfasst.
  • An eben diesem Ende des Schulterknochens erhebt man die Armlänge bis zum gewünschten Endpunkt. Dabei kann man sich an der Länge solcher Hemdsärmel orientieren, welche man bereits hat und die man als ideal empfindet. Es reicht nicht aus, für beide Arme dasselbe Maß anzunehmen. Selten sind die beiden Körperhälften identisch. Wichtig ist auch, dabei die Arme abzuwinkeln.
  • Die Rückenlänge reicht vom Ende des Gesäßes bis zum Anfang vom Kragen. Man kann aber hier noch rund 7 cm dazurechnen – je nach Belieben. Zu viel Stoff sollte man aber nicht in die Hose „wursteln“ müssen.
  • Breite beim Handgelenk: Der richtige Sitz wird mit dem Umfang auf Höhe der Handwurzelknochen ermittelt. Wer ganz genau sein möchte, kann beide überprüfen auch wenn eventuelle Unterschiede hier nur marginal ausfallen.
  • Der Umfang des Oberarms wird an der stärksten Stelle eruiert und sehr wichtig für einen guten Sitz. Da Hemdsärmel typischerweise nicht eng anliegend sind, muss nicht auf beiden Seiten gemessen werden. Es sollte aber der rechte Arm genommen werden, wenn man Rechtshändler ist und vice versa.

Auswahl des richtigen Stoffes für ein Maßhemd

Die Stoffauswahl muss den angedachten Style mit einbeziehen. Hier beginnt der eigene Geschmack. Wer ein Maßhemd erwirbt, wünscht sich eine lange Lebensdauer. Von der Stange kauft man daher am besten eher nur kurzlebige Trends.

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Daher sollte man gerade bei der Stoffauswahl für ein Maßhemd darauf achten, dass es um mehr als nur die Farbe geht. Denn auch die Webart beziehungsweise die Körperbindung des Materials spielt eine wesentliche Rolle, die sich auf die Festigkeit, den Glanz und die Struktur des Stoffes auswirken.

Somit gibt es Stoffe wie den „Twill“, der durch eine diagonal verlaufende Bindungsstruktur gekennzeichnet ist, den „Heringbone“ hier entsteht ein Muster, das dem Verlauf von Fischgräten ähnlich ist und der „Pin Point“ oder „Oxford“ dessen Optik kleinflockig und wie aneinander gereihte Stecknadelköpfe wirkt. Jeder einzelne Stoff hat somit eine individuelle Struktur die sich für jeden anders anfühlt und anlässlich bevorzugt wird.

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Nachfolgend habe ich eine Auswahl an verschiedenen Styles näher betrachtet und aufgeführt wann und wie man diese  am besten trägt.

  • Das „integrative Weiße“ – Anteile von Leinen und ein eher legerer Schnitt sind einerseits in der Lage, elegante Anzughosen in lässiger, sportlicherer Weise zu präsentieren als ein Hemd mit „steifem“ Charakter. Umgekehrt lässt es eine Jeans dagegen klassischer, offizieller wirken. Diese Kombination lässt sich so gut wie immer dann einsetzen, wenn sich die Frage nach einem nicht ganz formellen Auftritt stellt. Und zwar auch dann, wenn pures Leinen gerade nicht im Fokus der Fashionwelt steht.
  • Das Sympathische – entweder aus Flanell oder mit einem gewissen Anteil davon macht es sich gut mit hellen Pastelltönen, doch Vorsicht: Persönlich möchte ich die maskuline Note nicht beeinträchtigen und nehme als Grundfarbe ein helleres Grau, wobei mit etwas Mint, Hellgrün oder Hellblau in unaufdringlichen Mustern angenehme Harmonie entsteht. Weiche Winterpullover oder Westen sind dazu ideal.
  • „Das Coole“: Mit Schwarz kommt das glänzende Metall einer Halskette oder Armbanduhr ideal zum Ausdruck. Dabei ist ein gewisser Glanz im Stoff überlegenswert. Übertreiben sollte man diese Ansätze jedoch nicht – außer man mag es. Ich bin dabei nicht für reine Seide, sondern diversen Mischmaterialien.

Der Kragen spielt auch beim Maßhemd eine entscheidende Rolle

Bei der Kragenform ist es nicht anders, hier ist es jedoch wichtig darauf zu achten für welche Form man sich entscheidet, denn der Kragen ist ein wesentliches Stilmerkmal des Hemdes und wirkt sich auf das gesamte Erscheinungsbild aus. Die Kragenform in Kombination mit der Krawatte, bestimmt nämlich, ob es sich um ein casual oder ein business Hemd handelt.

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Der Haifisch-Kragen zum Beispiel, ist aktuell die Beste Wahl fürs Business, denn die weit auseinandergezogenen Kragenspitzen eignen sich nicht nur besonders für Business-Sakkos mit einem tiefen, breiten Ausschnitt, sondern passen auch hervorragend zu einer breiten bis mittelschweren Krawatte und großem Krawattenknoten.

Der absolute Klassiker unter den Hemden ist der Kent-Kragen. Der spitze und mäßig gespreizte Kragen bietet genug Platz für fast alle Krawattenformen und Knoten, aber auch die klassische Fliege, kann bei dieser Kragenform getragen werden. Dank dieser Vielseitigkeit passt der Kent-Kragen sowohl zum Business-Anzug als auch zur Lederjacke. Und wer gerne deutlichere Akzente setzen möchte, kann das beispielsweise mit einem weißen Kontrastkragen zum einfarbigen, gestreiften oder karierten Hemd machen.

Der Button-Down-Kragen wiederum ist ein weicher Knöpfkragen ohne Kragenstäbchen, dessen Spitzen an die Hemdbrust angeknöpft werden und gilt aufgrund seiner sportlichen Natur eher als eine casual Variante die man in der Regel nicht zum Anzug oder zweireihigen Sakko trägt, aber der sich durchaus gut mit dem Club Blazer kombinieren lässt.

Manschetten runden ein Maßhemd ab

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Hemdes sind die Manschetten, denn diese verleihen dem Hemd das gewisse Extra oder auch nicht. Die schlichteste Manschette ist die Sportmanschette, eine Einfachmanschette mit angenähtem Knopf oder eine Doppelmanschette mit doppelter Stofflage. Besonders wird das Hemd natürlich durch eine Umschlagmanschette, die das Hinzufügen von eigenen Manschettenknöpfen erlaubt und somit das Gesamtbild stilvoll abrundet.

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Qualitätsprobleme & Preisunterschiede bei der Auswahl

Nun aber zu meiner Recherche im Preisvergleich: Was gehört zu qualitätsbezogenen Angaben? Alles, was dem Kunden kaufrelevant ist, würde ich sagen. Im Kontrast dazu steht der Preis. Wie aber kann es sein, dass hier oft bei zwei augenscheinlich identen Punkten derart hohe Unterschiede resultieren?

Der Onlinehandel mit Maßhemden boomt – und das ist gut so. Man profitiert von unterschiedlichen Rahmenbedingungen und kann auf Billiglohnländer zurückgreifen, was im Einzelhandel ohnehin Gang und Gäbe ist. Bei der Qualitätsbeurteilung stellen sich jedoch auch diese Fragen: Ist es für mich vertretbar, Waren nachzufragen, deren Bestandteile zig Male den Erdball umkreisten und doch billig sind? Oder solche, die für die Zerstörung der Natur vor Ort hundertfache Folgekosten für die Volkswirtschaften verursachen? Wie steht es wirklich mit Giftstoffen in den Kleidern, Glyphosate in Baumwolle, was sagen uns Chemikaliengerüche auf neu erworbener Kleidung? Wo wird wie genäht?

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Bei der Maßkleidung werden die einzelnen Probleme bewusst, während man bei fertigen Produkten ohnehin vor „vollendeten Tatsachen“ steht. Es ist durchaus vertretbar, von billigeren Arbeitskräften zu profitieren, dabei auf wünschenswerte Sozialstandards zu stoßen und diese durch den Kauf zu verfestigen. Diese Kernfragen betreffen freilich nicht nur Hemden, sondern sind allgemein problematisch. An dieser Stelle kann nur geraten werden, sich damit eingehender auseinanderzusetzen und seine eigenen Präferenzen zu finden. Wirklich wählen kann hier nämlich nur der Informierte.

Dennoch müssen Maßhemde nicht immer teuer sein, um durch ihre Qualität zu überzeugen und auch die Maße muss man(n) nicht selbst nehmen. So haben die Holländer ihr maßgeschneidertes Erfolgsmodell „ShirtbyHand“ jetzt auch nach Deutschland gebracht. Und das heißt:  Maßhemd zu einem Festpreis von 69,00€ inklusive eigenem Design und persönlicher Vermaßung.

Außerdem lässt sich je nach Anlass ein neues Hemd problemlos online zusammenstellen und designen, sobald die Maße im System hinterlegt sind. Die Lieferung erfolgt dann bis in den Briefkasten und das bereits innerhalb von 3 Wochen. Weitere Informationen über ShirtbyHand findest du auf deren Webseite.

Vielen Dank für die Unterstützung beim Zusammenstellen der Informationen & Fotos an ShirtbyHand

About Sebastian

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