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Mode – Ein Handwerk

Taiwan, China, Indien – Hochburg der Mode?

 

So zynisch diese Frage auch klingen mag, hat sie, kritisch betrachtet, ihre vollkommene Berechtigung. In diesen Ländern wird ein Großteil der Mode hergestellt, die auf europäischen Straßen getragen wird. Man könnte weiterhin polemisch behaupten, dass Europa zu einem übergroßen Catwalk für Kleidung aus Asien und Indochina mutiert ist. Unter welchen Bedingungen diese Kleidung in Asien produziert wird, hat irgendwie noch ein Jeder so irgendwo im Gedächtnis.

Seit November 2010 gibt es im Textilbereich von Bangladesh einen Mindestlohn von 3000 Taka pro Monat, was umgerechnet circa 30 Euro sind. Schon diese dreißig Euro waren eine Verdoppelung des vorherigen Lohnniveaus. Der Mindestlohn bringt allerdings deutlich wenig, da danach alle Alltagsgüter im Preis gestiegen sind, so die Business Social Compliance Initiative (BSCI)¹. Demzufolge kann ich keineswegs nachvollziehen, wieso sich viele Menschen über die schlechte Qualität von ihrem kürzlich erworbenen Kleidungsstück aus dem Warenhaus um die Ecke beschweren.

 

Mode als Handwerk

 

Fakt ist, dass Mode stets ein Handwerk war und es weiterhin auch bleiben wird. Sicherlich ist es nett, wenn ein Wollpullover vierzig Euro kostet, aber es ist eine falsche Erwartungshaltung der Gesellschaft, dass genau jener dann auch qualitativ hochwertig sein muss. Sei er dann auch mit hundert Prozent Wolle ausgezeichnet, er wird mit Sicherheit aus wiederverwerteter Wolle gefertigt sein, die oft kratziger und stachliger als reine Schurwolle ist. So muss man schlichtweg sagen, dass das Streben nach preiswertem Einkaufen und dem gleichzeitigen Verlangen nach hoher Qualität zwei unlogische Komponenten sind und in dieser Konstellation nie zusammenfinden werden. Nicht umsonst sagt der Volksmund, dass Qualität ihren Preis hat.

Andererseits rechtfertigt sich natürlich auch noch lange keine Luxusmarke durch Tags mit hochetikettierten Preisen. Viele Luxuswarenhäuser lassen natürlich auch zu großen Teilen im asiatischen Raum produzieren und gegebenenfalls werden aus Kulanz noch die Labels in Italien eingenäht, um dem Ganzen nicht den kompletten Schein von Luxus zu rauben. ‚Pseudo-made in Europe‘, sozusagen. Im Endeffekt ist es wichtig, was auf dem Etikett steht, aus welchen Materialien das Kleidungsstück besteht und wie sich das Material auf der eigenen Haut anfühlt. Dann erst lässt sich ein intelligenter und realistischer Preis für das entsprechende Kleidungsstück nennen.

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Ein Tipp der Textilwelt ist es beim Einkauf von Bekleidung, die Kleidungsstücke zuerst auf dem Handrücken zu reiben und weiterzugehen. Färbt sich die Haut nach einer Weile rot und juckt, dann sollte man das Kleidungsstück nicht kaufen. Eventuell sollte man auch darauf achten, ob die Kleider farbecht oder gefärbt sind. Farbechte Ware erkennt man daran, dass sie als solche im Handel ausgeschrieben ist. Preiswerte, gefärbte Ware ist überwiegend mit reizenden Chemikalien behandelt und grundsätzlich gilt auch, dass Bekleidung aus Asien für den Seetransport immer mit Chemikalien behandelt wird, da die Feuchtigkeit auf Schiffen nach wie vor ein Problem ist.

Problematisch ist diese ganze Situation allerdings auch für den Berufsstand des Modedesigners beziehungsweise für den des Schneiders, denn unsere Gesellschaft vergisst leider sehr häufig, dass hinter einer gewöhnlichen blauen Jeans auch eine Reihe von Arbeitsstunden und Arbeitskräften steckt. Eine Jeans entsteht nicht, indem man nach Lust und Laune einen Denimstoff zer- beziehungsweise zuschneidet. Man kann sich die

Entstehung einer Jeans wie eine lange Straße vorstellen, bei der anfänglich eine Idee vorhanden ist und diese auf ein Blatt Papier gebracht wird, danach wird eine Stoffauswahl getroffen, es wird eine Technische Zeichnung für die Schnittdirektrice angefertigt, der Schnitt wird erstellt, die Jeans wird zur Probe der Passform zugeschnitten und genäht, bei genauer Passform und gutem Sitz wird sie erneut zugeschnitten und genäht, mit Zierrat, wie Nieten und Knöpfen versehen, bis sie am Ende als Produkt in einer Boutique zu finden ist.Vor allem viele kleine Modelabels haben dadurch große Schwierigkeiten, sich in der harten Modewelt zu behaupten und das Ende vom Lied ist oft, dass dieser Anteil ihre Ladenlokale nach geraumer Zeit wieder schließen müssen.

Nicht jeder ist eben bereit für handgearbeitete Ware viel Geld zu bezahlen und natürlich muss man auch in Betracht ziehen, dass eine große Zahl an Menschen auch nicht die Möglichkeit hat preisgerecht einzukaufen, aber warum auch, könnten andere Stimmen fragen, wenn es doch so ungemein viele Alternativen gibt? Darauf lässt sich nur das Beispiel der Haute Couture anbringen. Betrachtet man die Haute-Couture-Schauen in Paris, ist Mode gesellschaftlich in das Licht der Kunst gerückt. Kleidung mag dieser Tage eventuell auch eine Art der Kunst darstellen, doch ist sie auch ein Handwerk geblieben und vereinfacht ist zu sagen, dass niemand hohe Kunst verschenkt und Handwerk schon gar nicht!

Schon Oscar Wilde lehrte uns einen schönen Satz:Heutzutage kennen die Leute von allem den Preis und von nichts den Wert‚.

Kennst du den Wert von Mode? 

 

Das ist ein Gastartikel von Marcel Layher. Weitere Informationen zu ihm und seiner Arbeit findet ihr auf: marcellayher.tumblr.com

¹ http://www.textilwirtschaft.de/news/schlagzeilen/pages/Bangladesch-Mindestlohn-bringt-wenig_72431.html?a=0

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Fashion und getatagged mit von Ben

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2 Kommentare

  1. Der Artikel ist wirklich gut und bissig geschrieben, gerne mehr davon 😉

    PS: Leider war ich heute bei C&A, New Yorker und H&M, Asche auf mein Haupt 🙁

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