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Die Nassrasur – der Unterschied liegt im Detail

Zu den Unterschieden zwischen Nass- und Trockenrasur wurde bereits ausführlich im „1×1 der Rasur – richtig rasieren, so geht es!“-Guide eingegangen. Zu unterstreichen ist zugunsten des Ergebnisses einer Nassrasur, dass aber nur das Zusammenspiel aller wesentlichen Punkte zu ihrem genauen Effekt führt.

Wer nicht alledem penible Beachtung schenkt, erhält auch keine feinen Resultate, so dass ihm möglicherweise gleich zur Trockenrasur anzuraten wäre. Wenn schon, denn schon – Information ist hier alles und Basis des überzeugenden Effekts. Eine ruhige Hand und kein Zeitdruck sind immer Voraussetzung, gerade während der Phase des Übens oder einer Umstellung.
Nassrasur

Die richtige Prozedur Schritt für Schritt

Begonnen werden sollte mit einem Ritual des ausgiebigen Einweichens der Barthaare. Sie werden so bis zum Ansatz verfeinert und die Hautporen geöffnet. Schon warmes Wasser ist grundsätzlich ausreichend, niemals aber darf hier auf kaltes zurückgegriffen werden – der Effekt wäre gegenteilig! Wer zuvor Cremes aufgetragen hat oder sonstige Rückstände, etwa von Seife, verbucht, muss mit einer Grundreinigung des Gesichts beginnen. Denn diese Rückstände legen sich wie ein Film über das Barthaar und verhindern das Wirken des warmen Wassers.

Man sollte sich angewöhnen, ein warm angefeuchtetes Tuch zu verwenden. Eine leichte Rötung des Gesichts ist danach erwünscht und zeugt von der optimalen Wirkung. Erst dann sind Lotionen oder Schaum einzusetzen: diese Reihenfolge bewirkt nicht nur schonende Rasur, sondern Langlebigkeit der Rasierklingen. Sie werden wesentlich geringer beansprucht nach Einhaltung der bisher genannten Punkte.

Manche verpönen Rasierschaum: Rasiercreme oder –seife, traditionell mit dem Pinsel aufgetragen, zählen gewissermaßen zu einer Art Kult bei der Nassrasur. Hier wird auf individuelles Empfinden des Anwenders verwiesen und nicht generell einem Produkt, das als Schaum zutage tritt, minderwertige Wirkung zugesprochen. Trotzdem gibt es viele Stimmen, die von einem generell minderen Ergebnis ausgehen – diese Frage kann und soll meiner Ansicht nach dem Einzelnen vorbehalten bleiben. Ein empfehlenswertes Requisit ist eine Schale mit Griff – für alle, die den Schaum selber mit Cremes anrühren: mit rutschigen Fingerspitzen würde man das Gemisch ohne einem solchen nicht in den Griff bekommen.

Für Traditionalisten: Creme und Pinsel

Die beiden Alternativen zum Schaum aus der Dose liegen in der Rasiercreme und der Rasierseife. Erstere ist in der Handhabung einfacher. Vorab wird mit heißem Wasser die Schale aufgewärmt und dieses dann ins Waschbecken geschüttet und weiterverwendet. Danach sind etwa drei Zentimeter an Rasiercreme in die Schale einzudrücken.

Nur drei Teelöffel warmes Wasser sind hinzuzufügen, welches nicht heiß sein darf, um die richtige Konsistenz zu erhalten. Unbedingt einen trockenen Pinsel zum Auftragen verwenden, damit keine zusätzliche Feuchtigkeit das Ergebnis verwässert! Erst durch die Bewegung des Pinsels entsteht der Schaum – bloßes Hineinhalten bringt gar nichts. Es sollte rund eine Minute lang gerührt werden. An die exakt benötigte Dosis nähert man sich erst durch Übung an.

Es gibt eine zweite Möglichkeit, die eher mir von Geübten angewendet werden sollte: Man platziert einfach einen Kloss der Rasiercreme ins Gesicht, der etwa eineinhalb Zentimeter groß ist. Mit einem weichen Pinsel lässt sich durch rotierende Bewegungen der Schaum erzeugen. Dies gilt als weniger aufwändig und rascher. Dasselbe ließe sich theoretisch auch in der Handfläche erreichen. Jeder, der langfristig die Nassrasur anwendet, wird für sich den beliebteren Weg herausfinden.

An dieser Stelle muss man wissen: Eine vorgewärmte Gesichtshaut bleibt quasi „konserviert“, wenn der Schaum ebenso seine Wärme aufweist. Die Erzielung dieses Effekts ist unbedingt anzugewöhnen. Nun muss man gewissermaßen eine Einwirkzeit berücksichtigen – drei Minuten Warten und auch das widerspenstige Härchen wird weich! Es lässt sich dann ein wahrliches Aufquellen beobachten. Dieses Procedere mag etwas pingelig klingen – aber es gilt der Grundsatz: Was dabei falsch gemacht wurde, kann im späteren Verlauf nicht mehr wettgemacht werden.

Der Rasur-Vorgang

Die Art, Weise und Erfolg des richtigen Vorgangs werden vorwiegend vom verwendeten Utensil entschieden. Dabei ist zu bedenken, dass die vorbereitenden Schritte zur Haltbarkeit der Klingen, Effizienz und Wirkung beitragen – wofür auch immer die Wahl entschieden wurde. Zu bedenken ist immer, dass erst die Haltbarkeit einer Klinge den Preis definiert. Hochwertige Produkte vereinfachen freilich den gesamten Ablauf und dürften auf Dauer gesehen immer die billigere Variante darstellen. Hier wird sogar – mit gewissen Grenzen – der Rasierwinkel automaltisch korrigiert.

Es wird sich aber gewiss jeder Mann das eine oder andere Mal auf hohe Versprechen zum Schleuderpreis einlassen – ein Experimentieren in dieser Hinsicht darf auch stattfinden. Nur Vorsicht sei geboten bei den billigsten Einwegrasierern: wo das Material derart dünne ist, dass es sich schnell verbiegt, trägt man weit höhere Verletzungsgefahren.
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Tipp für Neulinge: die sogenannte „Rasierhobel“

Was mit einem höheren Preis bei Spitzengeräten erkauft werden kann, lässt sich bei ihrem Einsatz mit einem etwas höheren Zeitaufwand kompensieren und man erhält, neben Erfolg und Sicherheit – ein weiteres Gut: Erfahrungswerte und ein ausgeprägtes Fingerspitzengefühl. Die konkrete Bezeichnung dieser Utensilien lautet übrigens „Rasierklingenrasierer“. Das Ausprobieren kann kein Nachteil sein.

Die richtige Technik bei der Nassrasur

Die Haut wird beim richtigen Vorgang mit den Fingern so weit gespannt, dass sich die Härchen aufstellen. Typischerweise ist die Wuchsrichtung nach unten – man kann aber anatomische Gegebenheiten niemals einer hundertprozentigen Richtigkeit zusprechen. Also sollte jeder seine Aufmerksamkeit auch einen Moment auf die eigenen Voraussetzungen hin überprüfen.

Zieht man – bei nach unten strebenden Bärten – die Haut nach oben, tritt genau jener feine, aber wesentliche Effekt ein: die Härchen richten sich auf und warten geradezu, bis an die Austrittsstelle abgehobelt zu werden. Alles andere wirkt dagegen eher wie „Symptom-Bekämpfung“: Durch das vorherige Aufweichen ist es kein radikaler Akt, sondern das Spannen der Haut sorgt für Glätte. Nur so entspricht die Hautoberfläche einer möglichst ebenen Fläche.

Man kann auch an bestimmten Stellen mit einer Anspannung der Gesichtsmuskulatur selber arbeiten. Auf diese Weise genügen leichte, sanfte Berührungen in Richtung des Wuchses, also „mit dem Strich“, ohne jeglichen Druck, aus. Hier liegt die Kunst, die alle möglicherweise als mühsam empfundene Vorbereitungen entlohnt. Das Pendant dieser Praxis, schlechte Klingen oder mangelnde Vorarbeiten mit stärkerem Druck zu kompensieren, ist der „beliebteste“ Hauptfehler in der Rasur des Mannes.

Dazwischen gilt es, immer wieder die Klinge abzuspülen. Wenn der erste Durchgang vollendet ist, wird das Gesicht erneut mit der Creme überdeckt und der zweite Durchgang kann beginnen. Nun geht ans Detail, dem feinen Unterschied: Es wird jetzt gegen die Wuchsrichtung gearbeitet. Hier ist die Bedeutung des Spannens der Haut noch einmal ins Gedächtnis zu rufen. Möglicherweise sollten Anfänger von diesem Vorgang anfangs eher ganz absehen und sich nur gemächlich auf das Rasieren „mit dem Strich“ einlassen. Erst Übung macht den Meister!

Ritual zum Abschluss

Je kälter das Wasser zum Abspülen, umso besser für die Haut. Dabei schließen sich die Poren und bleiben nicht den Umwelteinflüssen so intensiv ausgesetzt. Es sollte beim Abtrocknen nicht zu fest aufgedrückt werden, sondern ebenfalls sanft und vor allem mit möglichst sterilen Tüchern. Die sensible Gesichtshaut nimmt einem nach dem richtigen Rasiervorgang alles übler als sonst!

Sterilisation durch After-Shave

Auch wenn es Viele nicht konsequent umsetzen: Für Anfänger ist das After-Shave unumgänglich. Aber anzuraten ist es jedermann, da Bakterien so gut wie immer auf der Haut vorhanden sind und sie die Chance des Eindringens bei der Rasur liebend gerne in Anspruch nehmen.

Der Einsatz des After-Shaves tötet Bakterien ab und verhindert Entzündungen. Wer zu lange eine Röte im Gesicht bemerkt oder das Brennen als zu stark empfindet, sollte die „Schuld“ daran nicht der Desinfektion geben: Verantwortlich hierfür ist zumeist ein mangelhaftes Spannen der Haut oder ein zu starkes Aufdrücken der Klinge. Abschließend sollte man noch gute Haut-Creme für das Gesicht verwenden.

Weitere Informationen zum richtigen Rasieren findet ihr beispielsweise auch im 1×1 der Rasur – richtig rasieren, so geht es!. Ansonsten freue ich mich wie immer über eure Meinung beziehungsweise zum Thema Nassrasur, ein weiterer Artikel zum Thema Trockenrasur findet ihr hier.

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Fotos: #65824352 © B. Wylezich // The razors edge – The Cookiemonster // razor – mjtmail (tiggy)

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5 Kommentare

  1. Zugegeben, ich hatte bei der Rasur schon immer meine Probleme mit meiner sensiblen Gesichtshaut. Ständig Röte nach dem rasieren, Rasurbrand und Rasierpickel. Eine Zeitlang hatte ich nurnoch trocken mit einem Elektrorasierer rasiert, was natürlich überhaupt keiner Glattrasur entspricht. Ich hab jetzt den Beitrag schon vor einiger Zeit gelesen, und das geschriebene oft angewendet und durch die Warm und Kaltwasser-Technik, so nenn ich sie jetzt mal, hab ich auf jeden Fall schon einige Fortschritte gemacht was meine sensible Haut angeht.

    Als ich mir ein Rasiermesser zugelegt habe sind die Probleme dann komplett verschwunden. Diese Teile sind einfach so ultra scharf das sie bei der richtigen Anwendung einfach gründlich und absolut hautfreundlich rasieren.

    Also super Beitrag, Sebastian! Vielleicht hast du ja mal lust dazu einen Beitrag zu scheiben? 🙂

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