Panama Hut – Style und Sonnenschutz vereint

Mag Panama auch gerade in einem anderen Zusammenhang in aller Munde sein – nichts wir jemals den Status Quo des Panama Hutes, dem immerhin seit dem Jahr 1630 seine wohlverdiente Anerkennung zukommt, madig erscheinen lassen. Der Panama Hut stammt überdies aus Ecuador. Denn nicht umsonst ist seine weltweite Verbreitung in Verbindung mit hochkarätigen Trägern mittlerweile ein kleines Symbol.

Interessante Details begleiten die Geschichte dieses Strohhutes, wie ein Hutgesetz aus 1925 nach Gründung der türkischen Republik von Mustafa Kemal Atatürk, der sein Tragen gesetzlich anordnete und so die typisch orientalischen Kopfbedeckungen für den Herrn wortwörtlich vor den Kopf stieß. Von Napoleon III., Winston Churchill, Erich Honecker, David Hilbert, Paul Newman und Theodore Roosevelt bis in die Gegenwart stößt man auf Spuren dieses Handwerkes mit seiner ganz eigenen Geschichte. Doch alles der Reihe nach.

Ökologisch nachhaltig – vegan – fair: der Panama Hut

In spanisch-sprachigen Ländern war der Bedarf an Sonnenschutz naturgemäß schon immer sehr hoch. Die Pflanze Carludovia palmata, später auch kurz „Panama-Hut-Pflanze“ genannt, lieferte das Fundament für das feinstrohige Taquilla-Material, welches zum ursprünglich als benannten „Jipijapa“ verarbeitet wurde. Sie wächst nur an der Westküste Ecuadors. Dabei ist es einfacher Flechtvorgang mit rein pflanzlichen Materialien, die mit Sonne, Feuchtigkeit und Druck in Form gebracht werden und erzeugungstechnisch zu den wohl nachhaltigsten Endprodukten überhaupt zählen.
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Manaby und Azuay heißen die Städte Ecuadors, in denen die Herstellung des  Panama-Hut nach wie vor floriert. Und das seit 1630 nach Christus. Panama stellte nur den Platz für Sammel- und Zollstellen für Handelsgüter bereit, die aus Südamerika stammten und ohne in den USA beheimatete Unternehmen auskamen. Der Zollstempel wurde allerdings dort angebracht und so etablierte sich die Bezeichnung des Panamahutes.

Es gibt aber weitere diverse Geschichten, die andere Theorien zur Namensfindung vorstellen aber nicht wirklich bestätigt werden konnten. Cuenca aus Azuay beherbergt die größten Exporteure des begehrten Accessoires. Daneben begann 1859 durch das Engagement eines Pfarrers die Einfuhr der Palmpflanze in Mexiko und sorgte für die nunmehr auch dortige Produktion: In Campeche lebt ein Großteil der Bewohner von der Arbeit des Flechtens und somit der Erzeugung dieses Dauerbrenners mit seiner langen Geschichte. Rund 200 Kalksteinhöhlen bieten die dazu notwendige Atmosphäre.

In Zócalo, einem historischen Plätzchen, befindet sich ein großes Monument des Panama-Hutes. Wie viele Familien dadurch vor der Armut gerettet werden konnten, lässt sich wohl nur erahnen. Übrigens: Die Herstellung erfolgt nicht in Fabriken, sondern durch selbständige Hutweber, die mittels Trocknung und handverarbeitete Fasern eine hohe Qualität erreichen und ganz ohne die Umwelt belastende Zusätze auskommen.
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Bis eine gewisse Ausbeutung durch die Händler abgewendet werden konnte, verging jedoch auch hier eine relativ lange Zeit. Erst nach dieser Aufbereitung durch die Hutweber kann der eigentliche Akt des Webens begonnen werden. Das Verfahren ist insgesamt sehr aufwändig und spezifisch, denn es gibt doch unterschiedliche Arten und Musterungen, die unten mit Bezug zu den Endprodukten näher differenziert werden.

Eine lange Zeit aber setzten die Mittelsmänner des Exports auf ausbeuterische Bedingungen zur eigenen Gewinnmaximierung. Seit der Veröffentlichung einer Studie, welche das krasse Missverhältnis zwischen der Gewinnspanne des Hutmachers selber und dem Handel aufgezeigte, wurden Organisationen wie etwa das Deutsche Hilfswerk auf den Plan gerufen und setzen sich für faire Bedingungen ein. Heute ist es eher der asiatische Markt, der mit Billigprodukten die Händler unter Druck setzt. Doch diese Problematik ist kein Spezifikum des Panamahutes.

Preis-Leistungsverhältnis eines Panama Huts

Die Webvorgänge an sich, aber auch die Vorbehandlung, nämlich das Zerreißen der Fasern, bergen Welten an unterschiedlichen Qualitätsstufen. Für exquisite Panamahüte können durchaus mehrere Tausende Dollars zu berappen sein. Der Rekord liegt aktuell bei 100.000 US-Dollar. Vorsicht ist aber auch bei durchschnittlicher Preisklasse geboten, denn Massenware beinhaltet nicht selten andere Stroharten, die viel schneller gewoben werden können.
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Zwar ist das Preisniveau bei ähnlicher Optik viel tiefer, aber die qualitativen Standards werden damit niemals erreicht. Die Bezeichnung „Fälschung“ ist daher naheliegend, es sei denn, die diesbezüglichen Angaben sind ehrlich und der Erwerber greift ganz bewusst auf solche Exemplare zurück. Eine klare Titulierung als „Panamahut“ wäre dennoch falsch.

Der feine Unterschied bei der Herstellung

Erstens einmal liegt die Originalität in der Pflanze an sich, mit der aber ein viel aufwändigeres Verfahren einhergeht. Der Hutweber hat richtige Zeremonien zu befolgen, wenn er ein Stück guten Gewissens zu Ende bringen möchte. Nach den mühsamen Vorverfahren rund um die Faser wird in den Rohling sorgfältig Schwefelpulver eingehämmert. Danach erfolgen die Waschungen und er mittels einem professionellen Verhältnis von Feuchtigkeit, Wärme und Druck in Form gebracht: Einmal durch ein Überziehen auf das allgemeine Grundformat, danach speziell auf Modell und Größe ausgerichtet.
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In Ecuador wird dabei ein Stein auf einen Bock platziert und der Arbeiter steht leicht gebeugt davor und legt einen weiteren Bock darüber, diesmal aus Holz. Während er mit der Brust Druck auf ihn ausübt, webt er am Seitenteil weiter. Danach werden die Teile geschlossen, wobei ein weiterer Weber ins Spiel kommt. Das Endprodukt lässt sich in Büchsen zusammengerollt transportieren – jedoch nur dort, wo eine hohe Luftfeuchtigkeit vorhanden ist.

Ansonsten tut es der Ware nicht gut. Die Qualität ist letztlich mit handelsüblichen, anderen Hüten nicht vergleichbar. Die Webarten lassen sich in Fischgrat-, Diamantenmuster, gestricktes Crocket, Fancy – aus mehrfarbigen Stroh, Tocido und New Order unterteilen.

Empfehlung der Weltgesundheitsbehörde

Sogar die Weltgesundheitsbehörde (WHO) nahm Bezug auf Sonnenhüte: Sie schützen Gesicht, Augen, Ohren und den Nacken. Die Benutzung wird daher empfohlen. Aber zum durchgängigen Schutz vor UV-Strahlen ist ein eng gewebtes Material notwendig.
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Laut dem Textilforschungsinstitut „Hohensteiner Institute“ kommt dieser Standard ein UV-Schutzfaktor von 60 zu. Beim Panamahut steht Funktionalität im Vordergrund und gerade bei heutiger Billigkonkurrenz bei Massenware mit ähnlicher Optik sollte der Unterschied dem Käufer bewusst sein.

Pflege des eigenen Panama Huts – so geht’s

Man sollte den Panamahut immer verkehrt herum ablegen. Dabei sollte man eine Box oder ähnliches zu seinem Schutz verwenden. Dabei gilt: Immer die Krempe anfassen und die Krone so wenig wie möglich berühren. Regelmäßiges Bürsten wird angeraten. Für die Entfernung von Flecken bietet sich ein feuchtes Tuch und Seife. Man soll aber möglichst nicht abwarten, bis der Schmutz ins Stroh schon eingedrungen ist.
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Richtige Nässe ist zu viel für jedes Modell. Bei Regen ist daher das überschüssige Wasser mit Lappen aufzusaugen. Man kann den Hut bei Faltenbildung bügeln, aber nur wenn man die niedrigste Stufe wählt und dazwischen ein weißes Tuch legt – andere Farben könnten abfärben. Er soll weiter keinen künstlichen Licht- oder Wärmequellen, wie Lampen, zu stark ausgesetzt werden. Er ist noch immer an Luftfeuchtigkeit gewohnt und ein Zuviel würde ihn austrocknen.

Übrigens: Er darf nach wie vor gerollt werden – aber nicht geknickt! Man sollte aber das Rollen nicht spaßhalber oder ohne Grund übertreiben, denn der Formerhaltung dienlich ist das nicht. Also nur dann, wenn es für einen Transport im Koffer oder in ähnlichen Situationen hilfreich ist. Dabei fasst man in die Mitte des Hutes von unten nach oben, so dass die Höhe angehoben wird. So lässt er sich einfach in zwei Teilen zusammenklappen. Die Krempen liegen nun aufeinander aber dürfen nicht geknickt werden. Jetzt darf er wie eine Tüte zusammengerollt werden. Auf diese Weise kann man auf eine lange Lebensdauer vertrauen und die Anschaffungskosten rechnen sich.
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