Der perfekte Anzug für eine Hochzeit, worauf sollte man achten?

Gute Ratschläge rund um die Wahl des Hochzeitsanzugs sind spärlich gesät – mit gutem Grund: Faktoren mit Anspruch auf Allgemeingültigkeit gibt es fast genauso wenig wie sonstige Regeln für diesen besonderen Tag. Individualismus heißt das Zauberwort, sei es bei der Planung der Feier, der Hochzeitsreise, beim Arrangement der Blumen oder beim Kauf der Garderobe.

Auch der Anspruch auf Haltbarkeit bei der Garderobe relativiert sich angesichts des Umstands, dass ein Hochzeitsanzug auch bei gelegentlicher Verwendung zu bestimmten Anlässen nicht sonderlich oft beansprucht wird. Als einzige Grundregel kann daher nur folgender Punkt gelten: die Harmonie im Gesamtbild der Hochzeitsgesellschaft.

Hochzeitsanzug und Brautkleid – ein Stil, ein Paar

Schlechte Eindrücke verleihen definitiv ungleicher Stil in der Garderobe und Aufmachung des Brautpaares. Hier ist nicht nur auf den modischen Style abzustellen, sondern ebenso auf die Preisklasse der Kleidungsstücke, welche nicht nur für das geschulte Auge ersichtlich ist. Vor der Suche nach dem Outfit muss man den gemeinsamen Nenner beim Stil herausfinden. Und dieser ist freilich konsequent auf die anderen Rahmenbedingungen bei der Feier umzusetzen, gerade dann, wenn es sich um Hochzeiten mit extravagantem Rahmen handelt. Man denke hier zum Beispiel an sogenannte Motorradhochzeiten oder an eine Feier an besonders idyllischen Plätzchen, in einem imposanten Anwesen oder gar einer Feier im Ausland bei anderen kulturellen Vorzeichen.

Zweiter Schritt: Recherche grenzt ein

Ein stressfreier Ablauf der Suche nach dem Richtigen sollte eher mit Genuss anstatt unter Zeitdruck stattfinden. Dazu ist heute eine Vorab-Recherche via Internet schon fast ein Muss. Es werden sich ganz klar die Präferenzen herausbilden, die zuvor noch eher unklar durch die Stilvorgabe definiert wurden. Die bloße Betrachtung an Modellen oder Bildern kann aber leicht in die Irre führen: Wie das bevorzugte Kleidungsstück an einem selber wirkt, ist hier noch ein unbekannter Faktor.

Experten aus dem Bereich der Hochzeitsausstatter machen immer wieder die Erfahrung, wie präferierte Anzüge oder auch bei den Damen die Traumkleider an sich selber anders wirken, als diese sich vorgestellt haben. Und ob man dem Wohlfühlfaktor mit in dem guten Stück gerecht wird, lässt sich ohnehin online kaum eruieren. Man kann und soll also ruhig mit einem Probelauf in einen örtlich nahegelegenen Laden fortsetzen, wo zumindest die „Eckdaten“ abgeglichen werden. So kann beim Rückgriff auf eher zeitlose, elegante Klassiker die Wahl zwischen Smoking und Cut dort schon viel einfacher getroffen werden.

Man(n) begibt sich also auf einen kleinen Rundgang durch die Welt der Angebote beim Anzug des Mannes für die Hochzeit und sollte sich schon in Kenntnis über kleinere und größere “No-Gos“, Vor- und Nachteile befinden, die trotzdem immer in Relation zu den hochpersönlichen Vorstellungen zu setzen sind. Manchmal ist hier der Kompromiss das Ideal.

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Das Anprobieren – wie bereite ich mich vor?

Wer ein helles Hemd mitbringt, erzielt bessere Eindrücke beim Probieren. Manche Fachläden haben selber passende Teile vor Ort und sind auf solche begleitenden Detailfragen eingerichtet. Die definitive Länge des Hosenbeins wird erst nach der Auswahl am konkreten Stück angepasst. Dazu ist es erforderlich, dass die Schuhe – sofern schon vorhanden – zur Anprobe mitgenommen werden. Stößt das Hosenbein mit einem kleinen Knick am Schuh auf, hat es die richtige Länge. Hinten sollte so die obere Kante des Absatzes erreicht werden. Man muss aber stets vorne und hinten kontrollieren, braucht also jedenfalls ein geschultes Auge.

Wer die Schuhe noch nicht hat und unsicher ist, ob ein diverser Schuh als guter Maßstab dient, soll diesen Punkt offenlassen und erst zuletzt – jedoch rechtzeitig eingeplant – einer Änderung zuführen. Die Ärmellänge muss ohnehin in den allermeisten Fällen erst adaptiert werden. Wenn das Kleid der Braut schon vorhanden oder ausgesucht ist, sollten idealerweise ein Foto und eine Stoffprobe mitgebracht werden. So scheidet der Berater schon manche Artikel aus.

Viele Möglichkeiten, viele Begrifflichkeiten

Bei Streseman, Cut und Smoking besteht die Grundausstattung aus Hose und Jackett. Hemd, Krawatte und Weste werden häufig dazu kombiniert. Der Frack, mit den beiden „Schwalbenschwänzen“, ist eine beliebte und traditionelle Ausprägung, der mit Zylinder, Cape und Schuhe aus Lack getragen wird. Hier gibt es kaum Vorgaben durch die aktuelle Mode – bei dieser Ausstattung errfolgt die Beschreibung von Zeitlosigkeit zu Recht. Beliebt ist auch der sogenannte Spencer, das kurze Jackett mit meist vorne glänzendem Stoff. Der Trend bei der Verwendung von Frack und Smoking läuft aber eher in die Richtung zum Tragen bei Bällen oder ähnlichem, während die Hochzeitsgesellschaften eher auf trendige Anzüge konzentriert sind.

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Die typischen Farben

Schwarz führt natürlich an der Spitze, wobei aktuell immer mehr Ausprägungen von Blau bevorzugt werden. Anthrazit zählt stets zu den Spitzenreitern. Brauntöne wie Mokka befinden sich ebenfalls in der Farbpalette 2014.

Bei maßgeschneiderten Anzügen, denen vor Ort eine Messung des Körpers vorausgeht ist von Perfektion auszugehen. Ob aber tatsächlich ein Unterschied zu angepassten Waren aus dem Handel besteht, ist eher zu verneinen. Es sei denn, man machte schon die Erfahrung, dass gewisse Maße außerhalb der Norm sind. Dabei sind Arm- und Beinlänge aber ohnehin anzupassen.

Bei der Länge des Oberteils gilt: Je größer der Mann, desto länger darf die Jacke sein um ein harmonisches Gesamtbild zu schaffen. Gehröcke und Cuts an eher kleinwüchsigen Personen „drücken“ in optischer Hinsicht. Sie sollten kurze Sakkos tragen – körpernah und tailliert. Es gilt: Je breiter die Schultern, umso tailiierter der Schnitt. Wer eher kräftig und nicht sehr groß ist, sollte Schwarz und einen geraden Schnitt wählen. Mit Westen lassen sich manche Bäuchlein gut kaschieren. Zwischen Körper und geschlossener Jacke soll maximal eine Faust passen, damit man von perfektem Sitz sprechen kann.

Der Schultertest

Passt das Sakko nicht wirklich, so lässt sich das von hinten am besten feststellen: wirft es Falten, wenn die Hände nach unten hängen, unter den Schultern, dann ist es zu groß. Zum Ausprobieren sollte ein Hemd getragen werden.

Bei der Verwendung von Stoffen wie Samt oder Brokat ist zu beachten, dass diese „auftragen“ – die Verwendung sollte möglichst schlanken Personen vorbehalten werden. Wer zu viele Personen zur Auswahl mitnimmt, bringt zugleich auch viele Meinungen. Es sollte auch hier eine kleine Wahl erfolgen: Jene Menschen, die einen selber am besten kennen und ehrlich sind, geben die passendsten Ratschläge bei der Suche. Ein Zuviel des Guten stiftet eher Verwirrung. Zu guter Letzt haben sich bestimmt mehrere Favoriten herauskristallisiert. Über die definitive Wahl sollte man dennoch ein paar Mal schlafen.

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Fashion 2014 – gibt es Vorgaben durch die Mode?

Die Antwort ist ein „klares Jein“- im Grunde ist es zeitlose Eleganz, die sich im Hochzeitsanzug, selbst im Herrenanzug selber, widerspiegelt. Die Definition des Zeitgeistes liegt allerdings im Detail. Diese finden sich etwa in der Länge des Oberteils oder dessen feineren Schnittformen, allerdings handelt es sich um sichtbare Modifikationen, welche die Modewelt auch hier vorgibt. Dabei ist von den unterschiedlichen und doch trendigen Stoffen auch beim Klassiker noch ganz zu schweigen.

Klarerweise erweckt ein Hochzeitsanzug auch im zeitlosen Stil aus den 80er Jahren einen völlig unzeitgemäßen Eindruck. Als aktuelle Variante wird der Kurz-Cut zu nennen sein. Nicht jeder jedoch ist Spezialist im Erkennen und Bewerten von Details – so muss ein Käufer, der den Anzug „maßgeschneidert“ durch Mitteilen der Proportionen in Asien bestellt, mit völlig anderen Effekten rechnen, als er hierzulande erwerben würde.

Das passende Hemd

Wer ohne fachmännische Beratung auf seine Such geht, sollte sich auch selbständig inspirieren lassen. Während freilich besonders individualistische Akzente setzt, ist beim traditionellen Verkäufer fehl am Platz. Als guter Tipp des Fachhandels für den typischen Hochzeitsanzug liegt in der Auswahl des Hemdes mit einem Gala-Hemd mit versteckter Knopfleiste und Umschlagmanschette. Weitere hilfreiche Tipps, zur Auswahl des richtigen Hemdes findet ihr übrigens auch in meinen Beiträgen: Das perfekte Hemd für jeden Anlass, worauf muss man achten?, Das perfekte Hemd für jedermann und Hawes & Curtis – Original englische Hemden

Spar-Tipp

Manschettenknöpfe und Hemd dürfen durchaus anderswo erworben werden. Wer ohne fachliche Anleitung stilsicher ist, kann an diesem Punkt sparen, ohne das Gesamtbild zu beeinträchtigen. Gehen Sie aber kein Risiko ein – Fehlkäufe an dieser Stelle lassen sich nicht mehr nachholen.

Accessoires beim Hochzeitsanzug

Die Manschettenknöpfe werden spätestens dann sichtbar, wenn das Sakko ausgezogen wird – also auf jeden Fall im Laufe der Feier. Hier sollten stilistisch keine Abweichungen zu den Eheringen oder sonstigen Schmuckstücken bestehen.

Ein Einstecktuch aus dem Oberstoff gilt als beliebtes Accessoire für den Herrn wie Plastron und Weste. Hierbei kann man ruhig aus der Fülle der Angebotspalette schöpfen und ist nicht an das Angebot des Händlers des Anzugs gebunden. Es gilt dabei nur, auch wirklich selber Stiltreue erkennen zu können. Es wird aber in der Praxis auch kaum ein Berater seine Meinung für sich behalten, wenn die Artikel zur Sicherheit vorgelegt werden. Nur dazu müssen sie wohl zuerst erworben werden. Eine Übereinstimmung in Farbe mit dem Brautkleid setzt optisch sehr gute Effekte und der Bräutigam ist als solcher auch für Außenstehende sofort erkennbar.

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Copyright Fotos: suit up – Reza Vaziri (Flickr) // SUIT – Jonathan Mueller (Flickr)

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