Rennschmied und Wagner – Kleidung zu 100% in Manufakturen in Deutschland gefertigt

Es war Ende Januar, als ich anlässlich der opti 2017 in München unterwegs war. Wie es der Zufall so wollte, ergab sich die Möglichkeit, kurz nach der Anreise, bei Rennschmied und Wagner vorbei zuschauen. Einem Label, welches zu 100% in deutschen Manufakturen fertigt, mit Rohstoffen, welche zu über 90% aus Europa stammen. Ein Ansatz, welcher zur Entscheidung beitrug, Herr Wagner einmal persönlich kennenzulernen.

In seiner Wohnung, welche zeitgleich als Designstudio, Verkaufsbüro, Lager, Inspirationsquelle… diente saßen wir dann Freitagsabends gut anderthalb Stunden zusammen und haben uns über das Label Rennschmied und Wagner, seinen Werdegang, die gesteckten Ziele, usw… unterhalten. Ein Gespräch, welches sich sicherlich noch ein paar Stunden länger gezogen hätte, wenn nicht mein Abendessen und Bett auf mich gewartet hätten.

Für mich Grund genug ihn nochmals zu kontaktieren und ihm ein paar Fragen zu stellen, um dir und den anderen Lesern ein Einblick in die Arbeit von Rennschmied und Wagner zu gewähren. Aufgelockert habe ich das Interview mit aktuellen Lookbookshots des Labels sowie ausgewählten Produkten. Bin auf deine Meinung gespannt, was du vom Münchner Label Rennschmied und Wagner sowie deren Philosophie hältst.

Hallo Herr Wagner, erst einmal vielen Dank für das Interview. Erzähl Sie meinen Lesern doch Mal was es mit Rennschmied & Wagner auf sich hat? Und wer sich dahinter verbirgt.

Hinter Rennschmied und Wagner verbergen sich Uwe Rennschmied und ich, Ulli Wagner. Vor einigen Jahren ist mir aufgrund einiger Medienberichte bewusstgeworden, unter welchen Bedingungen Bekleidung produziert wird und mir war klar, dass ich damit nichts zu tun haben wollte und es schon gar nicht mit meinem Geld unterstützen wollte.

Ich wollte nicht, dass ich mit meinem Geld Strukturen unterstütze, die dafür sorgen, dass Menschen ohne Perspektive im Elend leben, nur damit sich einige wenige eine goldene Nase verdienen oder Verbraucher billig enorme Mengen konsumieren können. Außerdem haben mir die wenigen Alternativen, die es gab, vom Stil her nicht gefallen, da sie  mir zu alternativ angehaucht waren.

Letztendlich habe ich Herrn Rennschmied, mit dem ich schon lange befreundet war, gefragt ob er sich vorstellen könnte, zusammen Bekleidung in Deutschland zu produzieren. Die Antwort war eigentlich schon vorher klar. Ja!

Wie ich bereits auf Ihrer Webseite und im persönlichen Gespräch erfahren habe, legen Sie viel Wert auf die eigene Philosophie. Können Sie zu dieser und den Ansprüchen an das eigene Unternehmen ein paar Worte verlieren?

Wir produzieren zu 100% in Manufakturen in Deutschland und zwar ohne Ausnahme. Unsere Stoffe, Garne, Knöpfe und Reißverschlüsse kommen alle von traditionellen Herstellern aus Schottland, England, der Schweiz, Italien, Deutschland und Japan, weil wir nur beste Qualität verarbeiten.

Unser Jeansstoff ist der einzige nichteuropäische Stoff. Er kommt aus Japan, weil dort einfach die schönsten Jeansstoffe gewebt werden. Wir verwenden nur Naturmaterialien und entwickeln unsere Produkte so, dass sie aus unserer Sicht perfekt sind. Wir würden also nicht die Qualität verschlechtern, nur um den Preis niedriger zu halten.

Rennschmied & Wagner ist keine klassische Marke mit Saison-Kollektion und dem Drang Trends zu verfolgen. Was bewegt Sie dazu dem üblichen Ablauf der Branche entgegen zu treten und das eigene Ding durchzuziehen?

Ich habe mir irgendwann mal die Definition von Mode durchgelesen weil ich immer darauf angesprochen wurde, dass wir Mode machen, ich aber das Gefühl hatte, dass wir genau das nicht machen.  Mode ist die zu einer gewissen Zeit geltende Art, etwas zu tun oder zu konsumieren, die sich aber schnell wieder ändert. Wer sich die Dutzenden Kollektionen der Billiganbieter anschaut, weiß, wie schnell.

Die inzwischen riesigen Mengen an Kleidung müssen auch verbraucht werden und das bedeutet Massenkonsum, der wiederum billig sein muss, damit so viele Konsumenten wie möglich mitmachen können. Die Folge auf der Produktionsseite sind elende Produktionsbedingungen, Umweltverschmutzung, Ressourcen- und Energieverschwendung und auf der Verbraucherseite eine ständige Ruhelosigkeit durch einen unterschwelligen Druck, sich ständig wandeln und konsumieren zu müssen, um als zeitgemäß zu gelten. All das lehnen wir ab.

Darum war für uns klar, dass wir keine Mode und keine Kollektionen machen und keinen Trends folgen. Wir wollen stilvolle Produkte, die man in Ruhe konsumieren kann und die sowohl von der Qualität als auch vom Stil her langlebig sind.

Für uns heißt die Lösung:

„Geh runter vom Gas, konsumiere sehr gute und fair hergestellte, kultivierte Produkte mit Bedacht und habe dafür viel größeren Genuss und die Ruhe.“

Bezahlbare, faire Kleidung „Made in Germany“ hört sich gut an – Haben Sie mit der Anerkennung ihrer Philosophie am Markt zu kämpfen und findet man Käufer oder muss man diese erst vom eigenen Ansatz bekehren?

Zuerst muss man mal sagen, dass unsere Produkte wesentlich teurer sind als viele andere, weil wir eben in Deutschland produzieren und insgesamt nur Stoffe und Zutaten in unsere Produkte eingehen, die wir selber für perfekt für das jeweilige Produkt erachten.

Das ist natürlich erklärungsbedürftig. Gleichzeitig ist es aber auch leicht zu erklären. Es ergibt sich aus Art und Weise wie wir produzieren, wo wir produzieren und aus den phantastischen Materialien, die verwendet werden. Aber dafür gibt es auch ein sehr spezielles Produkt.

Und letztendlich kann man das Produkt ja auch anfassen und spätestens dann ist das Ganze nachvollziehbar. Mit der Anerkennung haben wir daher keine Probleme, wenn wir die Möglichkeit zum Erklären haben. Im Gespräch haben wir oft das Ergebnis, dass Kunden sagen: Ich finde die Produkte cool, ich finde die Idee cool, das will ich unterstützen, das kauf ich.

Bei den Produkten aus Ihrem Shop werden zwei Ansätze verfolgt, eine moderne Interpretation zeitloser Klassiker (Rennschmied&Wagner) sowie qualitativ hochwerte Streetwear (MOTÖR) – welche der beiden Marken spricht Sie eher an?

Anmerkung vorab: Die Dachmarke ist Rennschmied und Wagner – MOTÖR ist die Untermarke.

Das ist mal so und mal so. Den Anspruch, zeitlos zu sein, haben wir bei beiden Marken. Einmal wird er sehr förmlich und einmal legerer umgesetzt. Bei mir hängt das von der Tagesform ab was ich lieber trage. Manchmal ist das ein Anzug und manchmal eben was legereres. Und die Frage ist natürlich, ob es einem was ausmacht, aufzufallen. Wenn man nicht auffallen will, sollte man den Anzug aus dem Schottenmuster besser im Schrank lassen.

Aus meiner Sicht ist es auch denkbar Kleidungsstücke der beiden Marken miteinander zu kombinieren – Sehen das Ihre Kunden auch so? Oder wie sind Ihre eigenen Erfahrungen damit?

Das kann man auf alle Fälle machen. Eine schöne Anzughose zum gewachsten Baumwollblouson passt auf alle Fälle, oder die Tartanhose zum Kapuzenmantel Bronco. Ein Sakko mit  Schottenmuster passt perfekt zu unserer Jeans. Das kann man alles problemlos kombinieren. Die einfarbigen Stricksachen von Rennschmied und Wagner kann man eh zu allem tragen. Und oft ist es auch gerade dann interessant, wenn Sachen nicht zusammen passen.

Ein Punkt, welchen ich bei meinem Besuch vor Ort sehr interessant fand und nicht unerwähnt lassen möchte, ist Ihre Liebe fürs Detail. Gerade hinsichtlich der Auswahl der richtigen Stoffe kann man sich bei der schier immensen Auswahl verlieren. Welcher Punkt/e ist ausschlaggebend für Sie, dass ein Material für die nächsten Produkte verwendet wird, oder eben nicht?

Grundvoraussetzung ist, dass der Stoff aus reinem Naturmaterial ist, sich gut anfühlt und Klasse hat. Was den Stoff auszeichnet, kann aber sehr unterschiedlich sein. Wenn ich z. B. was für MOTÖR mache, mag ich es gern, wenn die Stoffe extrem robust sind.

Eine Hose muss dann z. B. einen wirklich fetten, schweren Jeans- oder Baumwollstoff haben der sich beim An- oder Ausziehen wie eine Plane anhört. Das hört sich komisch an, aber bei manchen schweren Jeans- oder Baumwollstoffen lohnt sich allein schon der Klang.

Bei dem Mantel Bronco haben wir einen sehr schweren bayrischen Lodenstoff verarbeitet. Wenn man den Mantel anzieht ,ist das fast wie eine Rüstung. Das mag ich. Bei einem Anzug muss der Stoff fein sein, sich auf der Haut gut anfühlen und idealerweise sehr klassisch sein. Wenn es sich um einen wolligeren Tartan-Stoff handelt, muss das Muster etwas Spezielles haben.

Und dann gibt es Stoffe, die zwar empfindlich sind, aber auch herausragende Eigenschaften haben. Bei Mänteln nutzen wir z. B. oft Stoffe aus Kaschmir oder Kaschmir-Mischungen. Es gibt da so wunderbare Stoffe, dass man bei der höheren Empfindlichkeit auch mal ein Auge zudrücken muss. Das wird dann eben ein Mantel für besondere Gelegenheiten.

Ein gutes Beispiel ist hier Leinen: Das kann zwar auch empfindlich sein, aber das überragende Tragegefühl im Sommer macht das bei unseren T-Shirts locker wieder wett. Letztendlich muss der Stoff irgendwas Magisches haben. Manchmal passt er perfekt zu einem geplanten Produkt und manchmal ist der Stoff so gut, dass er Inspiration für ein neues Produkt wird. Das gleich gilt auch für schöne Reißverschlüsse, Knöpfe, Knebel oder Leder.

Mein persönliches Lieblingsstück ist die Jacke Bronco aus ihrem Shop – auch wenn ich hier noch ein zwei Sonderwünsche hätte. Welches ist aktuell Ihr Favorit aus dem eigenen Angebot

Schwere Frage. Bronco ist schon super. Aber Nelson, die gewachste Baumwolljacke mit dem Blackwatch-Muster und den weinroten Bündchen finde ich auch herausragend. Die Anzüge genauso, weil sie sehr elegant sind, ohne übertrieben zu wirken. Speziell die Tartan-Anzüge sind sehr ausgefallen und trotzdem elegant. Letztendlich sind die Sachen alle von mir, und ich mache nichts, worauf ich keine Lust habe. Jedes Stück hat seine eigene Charakteristik und was Spezielles.

Wo finden meine Leser weitere Informationen über euch? Wo können Sie sich auf dem Laufenden halten?

Auf www.rennschmied-wagner.de findet man unseren Blog. Dort gibt es u. a. regelmäßig Artikel über Stoffe, unsere Produzenten, Artikel über Stilkunde und worum es uns geht.
Auf unserer Seite kann man sich auch im Newsletter anmelden, dann erfährt man, was sich rund um R&W so tut.

Genauso freuen wir uns über Freunde auf Facebook – Hier zeigen wir öfter mal, welche neuen Stoffe wir bekommen haben oder man kann neue Produktentwicklungen sehen. Wir fragen unsere Fans auch mal, welche Stoffe oder Produkte ihnen am besten gefallen.

Unsere Filme findet man auf Youtube unter folgendem Link: Youtube – Rennschmied & Wagner Und wenn man einfach mal wissen will, was für eigenartige Typen Rennschmied und Wagner eigentlich sind dann sieht man das in diesem Film.

About Sebastian

Ich schreibe hier regelmäßig über Mode & Lifestyle. Wenn dir der Artikel gefallen hat, würde ich mich darüber freuen, wenn du ihm, trotz des Social-Network-Dschungels ein "Gefällt mir" geben würdest.

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