Richtige Kleidergröße finden – worauf muss man(n) achten

Kein Körper gleicht dem anderen. Nur unter Berücksichtigung dieses Grundsatzes lässt sich der perfekte Sitz in die bestmögliche, konkrete Normen fassen. Dazu kommt der Zahn der Zeit – auch bei gleichbleibender Gewichtsklasse unterliegen die Proportionen kontinuierlicher Veränderungen.

Gerade das weibliche Geschlecht vermag ein Lied davon zu singen. Wichtig ist, im Laufe der Zeit die Maße nachzumessen und gegebenenfalls der Wahrheit ins Auge zu blicken. Der Schritt auf die Waage reicht nicht aus, nur das Maßband trägt zur Wahrheitsfindung und konkreten Aussagen bei.

Zum Abwägen auf den typischen Körperwaagen im Einzelhandel ist zu beachten: Sie sind grundsätzlich nicht geeicht – das bedeutet Abweichungen zum wahren Gewicht. Wer ernsthafte Aussagen gewinnen möchte, wie dies in Krankenhäusern oder Apotheken der Fall ist, muss im Fachhandel einkaufen. Die Preise betragen allerdings ein Vielfaches. Es gibt aber einen Tipp: Die Haushalts-Personenwaage sollte immer an einer Stelle platziert bleiben.

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Unebenheiten der Böden verursachen, auch wenn man diese mit freiem Auge nicht erkennt, Unterschiede beim Ergebnis. Hat man aber den besten Platz für seine Waage gefunden, sollte man gelegentlich in einer Apotheke kontrollieren und mit derselben Kleidung und noch ehe man Speisen oder Getränke zu sich nimmt auf die eigene Waage stellen und vergleichen.

Allfällige Differenzen kann man künftig abziehen oder hinzurechnen. Die Gefahr des bösen Gerüchts, demnach die Hersteller besondere „Kundenfreundlichkeit“ durch eher geringere Ergebnisse unter Beweis stellen möchten, kann auf diese Weise außer Gefecht gesetzt werden. Auch wer sein Gewicht exakt definieren kann, muss als nächsten Schritt die körpereigenen Details analysieren.

Anderer Körperteil – unterschiedliche Kleidergröße

„In der Medizin gibt es keine hundert Prozent“ resümiert derjenige, dessen Arbeit mit der menschlichen Spezies konfrontiert ist. So bleibt selbst unter Beachtung der veränderten Proportionen an nur einer Person auch die Relation der „einzelnen Größen“ unter sich eine stetige Variable.

Wer etwa eine große Oberweite aufweist, kann dennoch eine relativ kleine Größe für Hosen benötigen und wer relativ große Hosen trägt, sieht sich oft mit überlangen Hosenbeinen konfrontiert. Der perfekte Sitz befindet sich in aller Regel in weiter Ferne für alle, die den Griff zum Maßband als überflüssig erachten. Erst die konkreten, einzelnen Maße geben Rückschluss auf in Frage kommende Größen.

Noch problematischer kann es werden, wenn jemand auch nur geringen Gewichtsschwankungen unterliegt. Im Alltag lässt sich das Ausgleichen durch Stretch-Waren oder lässig-weite Stilformen, bei besonderen Anlässen aber manövriert sich der perfekte Sitz ins Abseits.

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Richtiges Abmessen

Hier sind einige Dinge zu beachten, um ideale Ergebnisse zu erhalten. Immerhin macht es gewaltige Unterschiede, wo genau das Maßband angelegt wird. Man braucht dazu nicht viel – nur ein weiches Maßband und bloß keines aus Metall (wie etwa am Bau verwendet) und einen Stift mit Papier zum Aufschreiben.

Man trägt am besten nichts drunter oder nur sehr leichte Kleidung wie Unterwäsche. Fremdhilfe ist nicht unbedingt erforderlich aber ratsam. Man tut sich einfach leichter aber auch bei genauer Eigenarbeit sollte ein unverfälschtes Ergebnis möglich sein.

Die Körperhöhe – variabel im Laufe der Zeit

Die Höhe bzw. Körpergröße kennt im Prinzip jeder von sich. Wer aber denkt, diese wäre ein für allemal gleich, irrt. Im Laufe der Jahre kommt es nämlich zu einem sogenannten „Schrumpfeffekt“. Ab 40 verliert man pro Jahrzehnt einen Zentimeter an Größe, lautet die Faustregel in der Wissenschaft. Viele Menschen berichten aber schon vom „Schrumpfprozess“ ab dem 30. Lebensjahr.

Fakt ist: Durch den körpereigenen Flüssigkeitsverlust wird die Elastizität der Bandscheiben geringer. Ähnliches gilt übrigens für das „beste Stück des Mannes“, während Ohren und Nase an Länge im Laufe der Jahre gewinnen.

Gerade zu stehen, mit dem Rücken zur Wand, ist die Haltung, welche wir von klein an kennen um eine konkrete Körpergröße zu ermitteln. Zur Erinnerung: Der Kopf ist gerade aus, nach vorne, zu richten und die höchste Stelle bildet den maßgeblichen Punkt.

Unten finden sich die zu ermittelnden Proportionen, welche nicht nur für die Kleidergröße, sondern auch für Maß-Garderobe heranzuziehen sind. Mittlerweile bieten viele Unternehmen online ihre Dienste an, wo diese Maße die Basis bilden. Ein Handanlegen seitens des Schneiders wie früher wurde verzichtbar und die Ergebnisse können sich sehen lassen.

  • Die Rückenlänge reicht vom etwas vorstehenden Halswirbel bis zur Unterkante des Taillenbandes, also nur bis zur Taille selber und nicht bis hinunter zum Hinterteil.
  • Der untere Teil des Rückens wird die „Leibhöhe“ genannt – dabei wird die Länge von der Unterkante des Taillenbandes zur Sitzfläche hin gemessen.
  • Die vordere Taillenlänge beginnt beim seitlichen Halsansatz und endet an der Brustspitze.
  • Der Halsumfang wird 2 Zentimeter unter dem Adamsapfel ermittelt.
  • Beim Brustumfang muss man bei einer aufrechten Körperhaltung horizontal über die Brust und dabei natürlich unter den Achseln gemessen werden.
  • Der Bauchumfang befindet sich an der Oberkante der Hüftknochen. Intuitiv ziehen manche dabei den Bauch ein – das bitte unterlassen! Völlige Entspannung ist das Ziel, auch beim Tragen der Kleidung.
  • Der Hüftumfang wird an der breitesten Stelle des Gesäßes gemessen.
  • Die Schrittlänge ist mit leicht gespreizten Beinen an deren Innenseite festzustellen: Dort beginnt man bei der Fußsohle und zieht das Band straff bis zum Beinansatz.
  • Auch die Schuhgröße sollte zwischendurch überprüft werden: Man misst dabei vom großen Zeh bis zur Ferse.
  • Die Handschuh-Größe wird einfach an der breitesten Stelle über den Knöcheln, ohne Daumen versteht sich, gemessen.

Ein Vergleich mit allgemeingültigen Tabellen ist einfach. Es gibt kaum einen Verkäufer, der sie nicht publiziert. Ansonsten findet man sie rasch online.

Nach Feststellung der eigenen Maße, die allerdings in der Körpermitte ein bisschen variieren, je nachdem ob der Bauch gerade leer oder voll ist, ist vorab auf besondere Werte zu achten: Manche befinden sich außerhalb der typischen Tabellen.

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Dann wird es problematisch, von „der Stange“ zu kaufen. Beim Herrn bildet der Brustumfang die Basis bei der europäischen Skalierung der Größen. Teilt man die Zahl durch zwei, so erhält man – bei den Normalgrößen – die Konfektionsgröße. Doch Vorsicht: Bei Hemden gilt dennoch eine Sonderregel: Dort ist der Halsumfang ausschlaggebend.

Auch der Ort der Erzeugung eines Kleidungsstückes ist ausschlaggebend, um die Größenangaben an einem konkreten Kleidungsstück richtig zu deuten. Lediglich die Einteilung in „Small“, „Medium“ und „Large“ ist international aussagekräftig. „Ausscherer nach oben und unten “ stellt man einfach ein oder mittlerweile auch zwei, „X“ voran.

Das mag als Richtlinie universelle Gültigkeit aufweisen – eine genaue Passform ist daran aber nicht ablesbar. So sollte man dieser Kennzeichnung nur dort vertrauen, wo sie keine besondere Relevanz aufweisen: bei Pyjamas, Freizeit-T-Shirts für informelle Anlässe oder Kleidungsstücke aus elastischen Materialien.

Sondergrößen – ein besonderer Fall

Ansonsten gelten strikte Unterscheidungen nach der allgemeinen Tabelle und Sondergrößen unabhängig des Geschlechts, also danach ob das Maß in die Normalgröße hineinfällt oder außerhalb seines Rahmens liegt. Die „normalen Konfektionsgrößen“ liegen zwischen 44 und 70.

Bei der Oberbekleidung wird differenziert nach untersetzter Größe, schlanker Größe und der Bauchgröße. Normalgrößen verwendet man auch bei Kurzgrößen für „untersetzte“ Personen, die sogenannten Kurzgrößen und ihrem Pendant, den Langgrößen. Die Bauchgröße ist ein eigener Faktor. Beim weiblichen Geschlecht greifen die Erzeuger bei diesem sensiblen Thema auf eine andere Formulierung zurück.

Bei Rücksichtnahme auf die angegebenen Punkte kann man Fehlkäufe vermeiden aber auch die Leistungen eines Schneiders auf den wirklichen Bedarf reduzieren. Bei besonders teuren Stücken, wie Anzügen, schadet es nichts, einmal auch den Meister dieses Handwerks hinzuzuziehen. Immerhin ist das richtige Abmessen dabei kein gesonderter Kostenfaktor. Im Alltag aber lässt sich der perfekte Sitz aber auch ohne Expertenhand erreichen.

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Copyright Fotos: proper measure(ment) von Barbara Krawcowicz // Scale-Apple-Measuring-Tape-Diet von Jeannette Goodrich // Henry Bailey Bespoke Tailors – Savile Row Bespoke Tailoring von Henry Bailey Bespoke Tailors

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