Schuh-Guide: Chelsea Boots

Wem der Name zwar nicht geläufig ist, der kennt jedenfalls die Schuh-Art: Chelsea-Boots werden jene Herrenschuhe genannt, welche seit langer Zeit fest am Markt als „Stiefelette light“ etabliert sind, also einen ganz normalen Einsatz als Schuh erlauben aber bis über die Knöchel reichen. Man erkennt sie an den bewussten Einsatz von breiten Gummi-Einsätzen, die durch Elastizität am Schuh selber ein Hinein- und Herausschlüpfen ohne große Umstände erlauben. Diese befinden sich links und rechts im Bereich der Knöchel.

Grüße aus der Neuzeit: Chelsea Boots

Erstaunlich, dass die Machart und sogar der Name dieser Schuhe schon seit 1830 in regelmäßiger Verwendung stehen. Noch erstaunlicher ist, dass sie eigentlich für eine Frau entworfen wurden – nämlich für Königin Viktoria, die den Eifer ihres Schuhmachers, J. S. Hall, herausforderte und er mit dieser damaligen Innovation ein bisschen in die Geschichtsbücher mit einzog. Am Hofe galt dieses Schuhwerk fortan als letzter Schrei. Die darauf folgende Ausbreitung ließ nicht lange auf sich warten.

Aufwind erlebten die Chelsea-Boots in den 1960er Jahren mit Hilfe der Beatles, die weltbekannten „Pilzköpfe“. Sie schufen mit der Präsenz dieser Schuhe bei ihren öffentlichen Auftritten einen „neuen“ Trend, der seitdem nicht mehr in die Mottenkisten verbannt werden konnte. Die hippe Ausprägung der Chelsea Boots in dieser Zeit wurde mit einem kleinen Absatz und nach vorne hin spitzem Schnitt erreicht. Mehr oder weniger handelt es sich dabei bereits um Modelle, die bis heute zu finden sind.

Die Vorzüge heute

Sei es die Praktibilität oder die Optik – diese „Boots“ gehören eigentlich als Basics in den Kleider- beziehungsweise Schuhschränken im 21. Jahrhundert. Freilich beschränkt sich weder der Verkauf noch die gängige Verwendung heute auf nur ein Geschlecht. Chelsea-Boots zu Jeans sind schon beinahe ein klassischer Ausdruck von Lässigkeit und in allen gesellschaftlichen Hierarchien gängig – zumindest sofern es sich um freizeitbezogene Anlässe handelt. Aber auch zum Anzug sind sie ein trendiges Must-Have.

Stellt man sich einen Tagesablauf vor, der kaum erlaubt, sich zuhause zwischendurch umzuziehen und ein volles Programm beinhalten muss, bieten Chelsea Boots große Vorteile. Freilich nur dann, wenn es sich um keine heißen Sommertage handelt: Vormittags im Büro. Essen mit dem Boss. Zwischendurch ein Spaziergang durch den Park mit Hund. Shopping mit der Liebsten. An Abend eine Rede vor der Belegschaft. Oder schlicht ein Tagesablauf mit diversen Events, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Morgendlich stellt sich so sicher wie das Amen im Gebet die große Preis-Frage:

„Was zieh ich heute an?“

Eine wichtige Frage, auch für den Mann. Immerhin gilt es, Anforderungen zu erfüllen. Auch optisch. Wie drückt man damit auch noch Moderne, Frische und Zeitgeist aus, die man als „junger dynamischer“ Mitarbeiter schon im schriftlichen Lebenslauf versprechen musste, egal, wie alt man ist? Und manchmal scheitert die beste Outfit-Kombination schlicht am passenden Schuhwerk. Welche sind wirklich sportiv, ausreichend elegant, ohne hingegen „over-dressed“ zu sein? Und was ist noch dazu – zumindest halbwegs – bequem?

Chelsea Boots für den Herrn bieten sich dafür außerhalb heißer Sommertage an. Rund um den Winter und im Winter sowieso. Sie lassen sich schnell wechseln, austauschen – im Auto, im Büro und wenn es sein muss, in der Bahnhofstoilette. Ganz ohne Schuhlöffel.  Dann kann es flott weitergehen zum nächsten Termin, vielleicht einem spontanen Treffen, mit wem auch immer. Ohne Schnürsenkel oder Laschen und sie reichen bis zum Schienbein – selbst ungleiche Socken lassen sich verstecken.

Sie sind hochwertig oder sehen wenigstens so aus und  lassen durchaus mal den „Macher raushängen“, besonders in Verbindung mit Jeans. Manchmal haben sie einen kleinen Absatz, ähnlich wie Cowboy-Stiefel. Einer raschen Verwandlung in Johnny Depp stünde also nichts entgegen, selbst wenn man gerade von einem formalen Anlass kommt. Immer ein paar Boots im Kofferraum erlauben auch mal einen kleinen stilistischen Umschwung.

Im Grunde sind Chelsea Boots die elegante Antwort zu Cowboystiefel: die Analogien sind evident. Der Westernheld, „herunter-gebrochen“ auf Klassik und den Stadtmenschen von heute. Trendbewusstsein inkludiert, eigentlich verwundert es: Eine Schuh-Art, die seit dem frühen 19. Jahrhundert anerkannt ist und nach wie vor Moderne ausdrückt. Außerdem ist der „Risikofaktor Reißverschluss“ nicht enthalten. Wenn ein solcher kaputt geht, lässt man heute praktisch selten reparieren.

Die Arten des Chelsea Boots

Grundsätzlich wird in zwei Arten unterschieden: mit oder ohne Naht. Mit Nähten wird ein geringerer Materialverbrauch erzielt. Das resultiert aus dem Einbinden kleinerer Schaftteile. Daraus ergibt sich meist ein höherer Preis für Modelle ohne Nähte. Zugschleifen an Chelsea Boots sind üblich und ermöglichen ein gezieltes Hochziehen bei der Ankleide. Sie werden aber durch das Hosenbein versteckt.

„Rahmengenähte Machart“ nennt sich das Verfahren, welches zu einem noch besseren Sitz führt. Dabei wird der Schaft „gewalkt“, also das Material vor der Verarbeitung  mechanisch bearbeitet. Dies kann durch ein Kneten, Drücken oder Ziehen erfolgen oder, etwa bei Fahrzeug-Reifen, durch Erhitzung. Es bewirkt eine andere Konsistenz beziehungsweise Eigenschaften des Endprodukts.

Bei Chelsea-Boots wird damit ein fester Sitz am Fuß erzielt. Das ist hier besonders wichtig, weil er ja weder durch Schnürung, Reißverschluss oder sonstig zu fixieren ist. Wer sich also für diese Art entscheidet, wird zwar mehr zu berappen haben aber das Fußgefühl wird es einem danken.

Resümee zu den Chelsea Boots

Chelsea Boots weisen durch die breiten Kombinationsmöglichkeiten Vorteile auf. Die Bequemlichkeit beim An- und Ausziehen birgt höheren Komfort für den Träger im Alltag. Man kann mit guten Gewissen einen Kauf empfehlen.

Und ja, der Preis variiert. Auch die Machart von der Stange hält wenigstens fürs Auge, was sie verspricht. Nach oben hin sind die Preise kaum begrenzt. Damit darf die Wahl der Preisklasse ruhig als Geschmackssache bezeichnet werden, denn Chelsea Boots rechnen sich wohl auch in höchster Qualität. Ihre Einsatzbereiche sind so breit gestreut und lediglich durch extreme Temperaturen begrenzt.

Weitere interessante und für den modernen Mann passende Schuhe findest du auf folgender Seite: Herrenschuhe – eine Übersicht.

Copyright Fotos: Melvin & Hamilton

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