Schuh-Guide: Stiefeletten

Es muss nicht immer klassisch sein. Nicht wegzudenken ist heute der Hauch von Lässigkeit, der quer durch die Bevölkerungsschichten und rund um den Globus für zumindest informelle Anlässe ein Muss darstellt – ob beim einfachen Otto Normalverbraucher bis hin zu Präsidenten der Vereinigten Staaten: Legeres Schuhwerk drückt Bodenständigkeit, wenn erforderlich Bürgernähe und den nicht zu vernachlässigenden Aspekt der Attraktivität aus.

Gerade wer in der Öffentlichkeit steht oder nur in seinem persönlichen Umfeld keine Möglichkeiten zur Identifikation mit jedermann lässt, ist schlecht beraten. Dieses Schuhwerk für den Mann gehört so gesehen in jeden Schuhschrank. Das Tragen einer Stiefelette erweitert auch zugleich das Einsatzspektrum der eigenen Garderobe und ermöglicht das Setzen individueller Komponenten. Selbstverständlich weist die Stiefelette für den Herrn ihre ganz eigene Historie auf und findet den Ursprung in einem besonderen Bedarf, dem der typische Herrenschuh zu wenig ist.

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Die Historie der Stiefelette

Der erste Halbstiefel auf der Erde war schon Modell für Wandmalereien, die 15.000 bis 13.000 vor Christus in Spanien entstanden sind. In der sogenannten Altamira-Höhle kann man sie heute noch bewundern. Sie wurden anno dazumal von den Jägern getragen, als thermischer und mechanischer Schutz des Beines. Eine kleine Tradition entstand langsam, aber unaufhaltbar, rund um Jäger und Soldaten. Später griffen Fallschirmspringer, Wanderer, Bergsteiger und Liebhaber diverser Sportarten den Style als solchen auf, ein gutes Beispiel dafür sind die Boxer-Stiefel.

Aber auch zur Sicherheit in der Arbeitswelt waren sie nicht mehr wegzudenken. Neben ihrem zweckmäßig begründeten Einsatz wie den Gummi- oder Reitstiefeln entwickelte sich parallel die Stiefelette in der Fashion-Welt als eigene Größe insbesondere seit dem Ende der Kriege in Europa. Zu dieser Zeit fiel ein genereller Bedarf der Schutzfunktion im Alltag weg und die Stiefeletten wurden weitgehend aufgrund ihrer Optik zum stabilen Magnet der Nachfrage.

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Vorgänger: Der Stiefel

Im Mittelalter noch war es der Aspekt des erhöhten Materialbedarfs bei schützenden Schuhen, die zum Schutz des Beins für viele Arbeiten dringend notwendig waren oder gewesen wären. Denn gerade dies war für die Massen eine wesentliche Hürde – sie waren arm, abhängig und damals kannte man keine alternativen oder überzeugenderen Materialien zu Leder. Schuhe und Stiefel konnten auch damals nur zur Gänze per Hand hergestellt werden und stellten in der Anschaffung viele Menschen vor ihre wirtschaftlichen Grenzen.

Die vereinfachte Variante zur Stiefelette war also ein kleiner, aber enorm hilfreicher Durchbruch an Innovation. Der Name „Halbstiefel“ war anno dazumal in seiner historischen Sprechweise die handelsübliche Bezeichnung für Stiefeletten. Im 19. Jahrhundert waren sie bereits groß im Kommen – jegliche Stiefelmodelle waren Ausdruck von Moderne, Wohlstand und Geschmack. Es gab völlig unterschiedliche Arten, sie blieben als solche jedoch nicht erhalten.

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Wellington-Stiefel, Bottine, Jakobiner-und Hessen-Stiefel deuten schon auf die Etablierung als Trendsetter ihrer Zeit hin, die außerdem auf ihren Ursprung im englischen Sprachraum verweisen. Die Differenzierung ist heute eine ganz andere als in dieser Ära und spielt sich vor allem modebedingt ab.

Stiefeletten für den Herrn von heute

Seit Anfang 1940 sind Stiefeletten auch in der Welt des Damenschuhs nicht mehr wegzudenken, doch derart große Unterschiede aufgrund der Geschlechter haben sich nicht entwickelt. Der maskuline Style ohne nennenswerte Absätze ist bei beiden Geschlechtern beliebt und im Alltag gut kombinierbar.

Der Verzicht auf Verzierungen beim Modell für den Mann bedeutet nicht, dass die Mode keinen Einfluss auf die Angebotspalette hätte. Dort sind es vor allem gekonnte Linienführung bewusst eingesetzter Nähte oder für die Übergangszeit dezente Lochmusterungen im Schaft. Schnallen, Nieten und Ösen entwickelten sich aber auch bei Herren-Stiefeletten als beliebte Aufwertung.

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Neben den Modellen im 19. Jahrhundert reihte sich auch rasch bei uns der legendäre Cowboy- oder Western-Stiefel in die Palette der Herren-Stiefeletten. Die Bezeichnung gibt eine klare Linie für die zu kombinierende Gesamtgarderobe vor – ohne Jeans und lässigem Outdoor-Style wären Cowboy-Stiefel ein krasser Stilbruch. Der Style an sich kann jedoch als zeitlos betrachtet werden.

Unabhängig von der Art des Verschlusses sind alle Macharten von Stiefeletten hinsichtlich ihres Komforts gewiss gleichwertig. Am bequemsten zeigt sich wohl die Schlupf-Stiefelette, Reißverschluss oder Schnürung sind eher Geschmackssache oder lediglich zur optischen Abhebung des Grundmodells gedacht. Je stabiler die Sohle und rutschsicherer ihre Beschaffenheit, umso geeigneter ist die Stiefelette für sportliche Aktivitäten.

Selbst als Schneestiefel finden sich Unterarten der Stiefelette, die beim Herrn ja immer mit einem langen Hosenbein in Erscheinung treten und durchaus salonfähigen Einsätzen auch optisch standhalten. Sie sind innen mit weichem Textil oder Fellen ausgestaltet. Wer aus ethischen Gründen sichergehen möchte, sollte heute die Unterscheidung selbständig durchführen können, denn vom chinesischen Markt drängen mittlerweile selbst im untersten Preisbereich Felle aus Hunde und Katzen auf die Weltmärkte, deren Verwertungsprozesse in unseren Regionen schockieren und unzulässig wären.

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Grund ist, dass die Herstellung billiger ist als hochwertige Materialien und unter 20 Prozent Materialanteil muss aktuell innerhalb der EU nicht gekennzeichnet werden. In diesem Sinne liegt man auch bei sämtlichen Lederproduktionen mit einem Erzeugungsland in Europa oder den USA auf der sicheren Seite.

Praktische Tipps zur Auswahl der Herren-Stiefelette

Die „Verdeutschung“ englischsprachiger Ausdrücke macht uns heute in verschiedenen Lebensbereichen das Leben etwas schwierigerer, denn es erfordert im bloßen Alltag eine gewisse Recherche-Freudigkeit, so man aus allen Vollen schöpfen will. Wer also online die gesamte Warenpalette für sich entdecken möchte, sollte die Namen der Stiefelette in englischer Sprache kennen, um mit Hilfe von Suchmaschinen alle Webseiten der Anbieter für sich entdecken zu können.

Auch die besten Englischkenntnisse helfen beim Auffinden der jeweiligen Schlagwörter im Zahn der Zeit nicht mehr aus. Auf Online-Translationen darf man sich dabei auch nicht verlassen, vielmehr sind es hochwertigere Wörterbücher, die allerdings rasch im Netz zu entdecken sind. Mit den dort übersetzten Grundbegriffen lässt sich in die englischsprachige Welt des Internets eintauchen und nicht nur in anderen Sprachgebieten das Angebot mit einbeziehen.

Denn viele Marken verwenden heute den „universell gültigen“ Begriff. Unter „bootee“ oder „half boot“ eröffnet sich bei Herren-Stiefeletten ein noch reicheres Repertoire, so ist der Inspiration im Vorfeld eines Kaufes keine sprachliche Grenze gesetzt.

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Resümee

Die Ausstattung der Garderobe des Mannes von heute wird durch mindestens ein Paar Stiefeletten erheblich aufgewertet: Ob für sportlichere Aktivitäten, Freizeitgestaltung oder gerade Situationen im Privatbereich erfahren viele Aufmachungen durch sie besondere Akzente und manchmal sorgen sie einfach für wärmere Füße.

Wie man weiß, sind diese nicht zu unterschätzen – ein kalter Fuß überträgt sich auf den Blutkreislauf und so auf den ganzen Körper. Für den Auftritt im Nachtleben sind Stiefeletten für den Herrn deshalb beliebt, weil sie mit moderner Lässigkeit harmonieren. Dabei ist es unwesentlich, welche Modelle man selber vorzieht – achtzugeben ist lediglich auf die Kombination des gesamten Outfits.

Weitere interessante und für den modernen Mann passende Schuhe findest du auf folgender Seite: Herrenschuhe – eine Übersicht.

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Copyright Fotos: Melvin & Hamilton

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