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Siegelringe – was hat es damit auf sich?

Ist dieser heute noch modern? Oder handelt es sich überhaupt um ein Relikt der oberen „Klasse“? Blicken wir zurück: Ursprünglich war der Siegelring klar einer Elite vorbehalten. Nämlich jenen, die Macht, Einfluss und Vermögen auch nach außen präsentierten. Dabei sprechen wir von einem Zeitabschnitt, der bereits 2000 v. Chr. begonnen hat. Die Verwendung von Siegelringen ist in allen folgenden Ären belegt.

Ein Blick zurück auf die Geschichte des Siegelrings

Sie begann – wie Vieles – im alten Ägypten. Dort war es bevorzugt der Sarabäuskäfer, der gemeinsam schon mit dem Vorgänger der Initialen – der damaligen Hierglyphen – eine Symbolik zum Ausdruck brachten. Wenige Jahrhunderte später setzten sich Namen, Gottheiten, Tiermotive und auch die Lotusblüte als Motiv der immer weiter verbreiteten Schmuckstücke durch.

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Es folgten langsam Altpersien, der Iran und Griechenland, welche ihn damals noch inklusive seiner innewohnenden Funktionalität gebrauchten. Immer aber wurde der hauptsächliche Effekt in Prestige bewirkt, denn die Verwendung für Versiegelungen hätte man eigentlich auch damals schon anders bewerkstelligen können. Der Stempel für wichtige Schriftstücke wurde mit flüssigem Wachs erzeugt. Die Gravuren in den Ringen wurden dazu spiegelverkehrt gefertigt. Somit ergab sich schon anno dazumal en feiner, technisch erzeugter Druck zur Zeichnung und Sicherung von geschriebenen Inhalten.

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Nur mit unbeeinträchtigtem Siegel konnten Empfänger und Adressat eine Art Datenschutz betreiben – die Wirksamkeit war hoch, mag die Idee auch vergleichsweise simpel erscheinen. Diese Funktion ist freilich schon lange obsolet, doch der Siegelring als solcher ist nach wie vor Ausdruck von elitärem Auftreten aber auch Zugehörigkeiten. Früher waren Wappen das Kennzeichen adeliger Sippschaften, heute kann ein Siegelring auch andere Verbindungen zum Ausdruck bringen.

Vereinigungen diverser Natur erhalten nach wie vor mit ihm eine Art von Aufwertung und ihre Repräsentanten werden im Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt. Auch elitäre Gesellschaften greifen nach wie vor auf ihn zurück – nicht selten findet sich in Vorstandsetagen oder bei „global players“ eine klassische Variante des Siegelringes.

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Die Frage nach den Materialen liegt – nicht nur auf deren – Hand: Edle Metalle wie Gold und Silber sind generell die Basis für Schmuckstücke, so auch hier. Früher griff man auch gerne auf Bronze und Kupfer zurück. Heute sind sogar beispielsweise Chirurgenstahl und ähnliche Verbindungen üblich – gerade hier liegt eine wertvolle Brücke zur Moderne. Es werden auch nach wie vor Siegelsteine eingesetzt oder in Anlehnung an früher phantasievolle, mächtig erscheinende Kreationen ausgedrückt. Der typische Siegelring ist immer noch ein prestigeträchtiges Accessoires.

Gibt es eine Einschränkungen beim Tragen von Siegelringen?

In der Geschichte ergibt sich eine damalige Einschränkung von selbst, das „Fußvolk“ wäre wohl dafür nicht selten geköpft worden – doch ist es heute eigentlich „erlaubt“, sich fremder Wappen oder Zugehörigkeitssymbole beim Schmuck zu bedienen? Im Grunde ja, Siegelringe an sich unterliegen natürlich keiner besonderen gesetzlichen Regelung. Man muss nur im Einzelfall achtgeben – geschützte aber auch verbotene Inhalte können sehr wohl ein gesetzliches Nachspiel haben, wie genauso die Verwendung einer geschützten Marke.

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Ein Hakenkreuz oder das Logo eines Konzerns wird aber ohnehin in der Auswahl kaum eine Rolle spielen. Manchen Familien aber wird nach wie vor gesetzlicher Schutz in Form des Namensrechts mit einer Art Wappen gewährt. Im Einzelfall kann sich daher eine gewisse Problematik ergeben. Das bloße Eigentumsrecht kann aber nie eingeschränkt werden, wenn es rechtsgültig erworben wird.

Mangels eines Registers ist jedoch eine Feststellung von geschützten Wappen oft schwer und wohl nur in den allerseltensten Fällen relevant. Diese Problematik ist aber kein Spezifikum für Träger von Siegelringen und wer einen solchen gebraucht erwirbt, wird auch Informationen zur Herkunft und Bedeutung diverser Zeichen erhalten. Aufzupassen ist eher bei anderen Dingen.

Does and Dont´s auch hier

In Europa ist es weniger üblich, heute noch Verbindungen mit Siegelringen auszustatten. Sehr wohl aber gibt es in den USA Schulen oder Universitäten, die seit langer Zeit darauf zurückgreifen. Dort finden sich Schulwappen, das Abschlussjahr und diverse Symbole auf den sogenannten Klassenringen. Wer durch Zufall einen solchen sein Eigen nennt, ist aber deshalb nicht beschränkt im Tragen der gewiss schönen und ausdrucksvollen Accessoires.

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Eines ist aber fast zwingend: Beim Tragen ist der Ringfinger zu verwenden, auf jedem anderen Finger würde er sich oder seinen Besitzer eher lächerlich präsentieren. Eine Ausnahme bildet hier nur der kleine Finger. Diese bürgerte sich ein, wenn im Laufe der Jahre auch die Maße des Ringfingers zunahmen und der Ring einfach nicht mehr passte. Die beste Wirkung entfaltet er dort allerdings nicht.

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Auch die Steckrichtung des Ringes muss beachtet werden: Die Gravur ist auf Lesbarkeit beim Gegenüber ausgerichtet – ein Buchstabe oder Symbol steht aus Sicht des Trägers daher auf dem „Kopf“.

Trends und Stiltreue als Gebote

Bei Produktionen, die noch dazu wie beim Siegelring detailverliebte Accessoires auszeichnen, entwickeln sich immer bestimmte Trends und zeitgemäße Neuerungen. Die Frage nach Stiltreue stellt sich daher vor allem dann, wenn tatsächlich ein Antiquar getragen wird. In diesem Fall muss man nur auf die Harmonie des Gesamtauftritts achten – zugegeben: dieses nur“ klingt banaler als es ist.

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Hier tat ich mir mit fundierter Recherche etwas schwer, weil zu viele Regeln den individuellen Ausdruck einschränken können. Folgende Grundregel ist aber genau hier wichtig: Auffälligere Accessoires brauchen schlichte Kleidung – der Siegelring ist ein ehe imposanter Begleiter und zeitlos-klassische Anzüge widersprechen auch einem altertümlichen Stil in keinster Weise. Jeans und rote Sportschuhe dagegen wirken gewiss eigenartig, wenn der Handschmuck mit ehrwürdigen Expressionen geziert wird.

Bei neuen Modellen, etwa in Silber, wäre es durchaus eine coole Kombination. Der Siegelring ist ein sogenannter Statement-Schmuck – das bedeutet auch Vorsicht vor Überlastung! Dazu sollten keine mächtige Goldketten oder weitere imposante Ringe verwendet werden, zu schnell ähnelt das Erscheinungsbild einem Strizzi aus den 70er Jahren, selbst dann, wenn ein eleganter Anzug den Ausgleich schaffen soll. Die neuen Produktionen stellen aber Verbindungen in jede Richtung her. Ein paar aktuelle Beispiele sollen wie folgt zur Inspiration anregen.

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Moderne Siegelringe

Hier kann sich ungefähr jeder Zeitgeist wiederfinden. Mit „Make love, not war“, eine beschützende Haltung zur Tierwelt, Ornamente, Symbole, Zeichnungen, wappenähnliche Gebilde, klassisch platzierte Edelsteine, Schriftzüge und Totenköpfe findet sich jeder Mann eines jeden Alters wieder.

Natürlich ist das Instrument der Gravur auch heute noch ein beliebtes Angebot zur Selbstverwirklichung. Exakte Anfertigungen bietet jeder bessere Fachhändler. Hier aber allgemeingültige Tipps abzuleiten ist angesichts der grenzenlosen Möglichkeiten nicht sinnvoll. Zu beachten ist nur, dass ein häufiges Tragen in Verbindung mit dem typischen Kleidungsstil vereinbar sein muss, es sei denn, man möchte ihn nicht in den Alltag integrieren sondern bewusst auf diverse gesellschaftliche Anlässe beschränken.

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Als „Grundgerüst“ ist die Auswahl des Materials die Basis für Harmonie mit dem Alltagsstyle: die farblichen Nuancen der Edelmetalle geben die Antwort. Wer eher rockigen Style verwirklicht, ist mir Silber besser beraten als mit Gold – der elegante Herr dagegen wird auf Letzteres zurückgreifen. Hier wäre wohl jedes weitere Wort eine Einschränkung und damit zu viel – die Auswahl ist bei der breiten Palette von heute gewiss ein Vergnügen, Eigenanfertigungen pure Selbstverwirklichung. Insofern: Viel Spaß beim Stöbern und vielleicht auch beim Erstellen des eigenen Rings.

Copyright Fotos: angs school – seal ring | Jazz Guy – Greetings from Asbury Park, New Jersey! Aggie Ring Ceremony | Jazz Guy – Aggie Ring Day on the Jersey Shore! | lauren – the faux family seal (1 of 2) | Kai Hendry – Royal ring – Horizontal mirror | Thomas Hawk – Signature Ring | reza mohseni(old account) – SiGnEtS!

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Ein Kommentar

  1. Sehr guter Arikel.
    Ich finde Siegelringe haben etwas elitäres und sollten dies auch bitte beibehalten. Ich würde mir wünschen, dass es nicht zu einem Trend wird sondern denen vorbehalten wird die damit eine eigene Geschichte verbinden.

    lg
    josh=)

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