Was man(n) über den Smoking wissen muss

Bei einem Smoking handelt es sich nicht um das bevorzugte Kleidungsstück von stepptanzenden Amerikanern, wie manch Jungster von heute vielleicht anzunehmen vermag. Er ist das eleganteste Pendant zum Anzug schlechthin und wird wohl im Laufe eines Lebens für jedermann eines Tages hoch relevant – es sei dahingestellt, in welcher Art und Weise und mit welcher konkreten Brisanz.

Es ist auch unwesentlich, ob der Mann von heute einen Smoking griffbereit im Kleiderschrank bereithält oder in Ausnahmefällen schlicht und einfach auf einen guten Verleih zurückgreift. Wichtig ist zu wissen, wann man darauf zurückgreifen soll oder muss und welche Impressionen dem Träger dabei zuteilwerden – die konkrete Entscheidung für oder gegen das Tragen eines Smokings bleibt freilich Resultat der eigenen Entscheidung. Aber wenn, dann bitte richtig.

Historische Hintergründe des Smokings

Der Frack ist vergleichsweise mit seinem spezifischen Schnitt gewissermaßen ein Unikat – vorne in Taillenlänge und hinten um einiges länger („Schwälbchen“) – und unterliegt anlassbezogen Einschränkungen. Im Vergleich dazu war stets der Smoking das „informale“ Pendant, wenngleich beide Kleidungsstücke in derselben Epoche ihre erste Blütezeit erlebten. Im 19. Jahrhundert etablierten sich diese Kleidungsstücke in den USA und Europa für alle gesellschaftlichen Ereignisse.

Der Smoking und sein Vorläufer, das „smoking jacket“, wurde ergänzend ein salonfähiger Ersatz für den Frack. So brachten die Herren zum Dinner beide Kleidungsstücke mit: War das gemeinsame Essen vorüber und zog man sich zum Rauchen oder Kartenspielen zurück, durfte der Frack ab- und der Smoking angelegt werden.

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Als Trendsetter bot sich Albert Eduard Prince of Whales, der spätere Eduard VII., welcher anlässlich eines Besuchs von James Brown Potter mit dem Smoking derart beeindrucken konnte, dass er ihn als bequeme Alternative zum Frack in die USA mitnahm. Beim Tragen in einem Privatclub begeisterte er die anderen Anwesenden, so dass deren Maßschneider bald von hoher Nachfrage berichten konnten.

Bis in die 1920er Jahre blieb der Smoking privaten, informellen Veranstaltungen vorbehalten. Danach aber löste er den Frack auch bei hochoffiziellen Events ab. Mittlerweile wäre die Verwendung des Fracks bei formellen Treffen geradezu ein Fauxpas.

Der Smoking heute

Noch heute spielt der Smoking eine kontinuierliche Rolle im gesellschaftlichen Leben. Spätestens dann, wenn der junge Herr eine Einladung mit dem Zusatz „black tie“ erhält, stellt sich die große Stil- und Wissensfrage. Das klassische Modell ist nach wie vor das ein- oder zweireihigen Sakko mit nur einem Schließknopf. Der Revers ist mit glänzenden Materialien besetzt, zumeist Seide. Die „black tie“, eine schwarze Fliege ergänzt den unten noch näher dargestellten Dresscode des Gesamtpakets für solche Anlässe.

Natürlich erhält man nicht für jeden Event einen Hinweis auf die Kleidung. Die Kombination des Smoking mit anderen Kleidungsstücken aber ist immer vorgegeben und lässt kaum Spielraum. Neben schwarzen Ausführungen ist ein sattes Mitternachtsblau erlaubt. Ein Rückenschlitz findet sich auf einer Smokingjacke niemals. Neben einem Spitzrevers gibt es auch Modelle mit Schalkragen („Schalfasson“). Damit verbleibt an dieser Stelle kein weiterer individueller Gestaltungsfreiraum.

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Bei uns ist der Smoking traditionell sehr dunkel gehalten. In den südlichen Ländern, auch auf hoher See, sind aber helle Farben – insbesondere Weiß – gängig. Es handelt sich aber eher um eine Unterart und wird korrekterweise als „Dinnerjacket“ bezeichnet.

Der Smoking ist eigentlich ein Anzug. Die Hose ist aus demselben Stoff, mit einem Galon, die Übernahme des glänzenden Stoffes am Revers der Jacke bringt im Ergebnis völlige Übereinstimmung. Anders verhält es sich beim Dinnerjacket – dort folgt die Farbe des Beinkleids nicht dem Sakko, sondern befindet sich im Kontrast anhand des traditionellen Schwarz. Das heißt, in südlichen Gebieten genügt de facto ein Sakko.

Eine Smokinghose bei uns ist hinten etwas länger als vorne, sodass ein kleiner schräger Verlauf zur Sohle hin das Erscheinen prägt. Hosenschlaufen für Gürtel sucht man an der Smokinghose vergeblich: Hosenträger wie anno dazumal gehören zum Charakter der Aufmachung und sind auch nach wie vor aus glänzendem Material, meist in sattem Schwarz oder Weiß gehalten. Diese Ausführungen sind nach wie vor gleich und wurden auch von den Modemachern noch nicht in Frage gestellt, zumindest löste keine Modeerscheinung den Smoking als solchen ab.

Smoking-Hemden, was ist erlaubt?

Zur Kombination zum Smoking muss man Stiltreue beweisen, welche über die Farbgebung weit hinausgeht. Neben weißen Hemden befinden sich nur besondere, helle Farbnuancen innerhalb des Dresscodes. Man erkennt ein Smoking-Hemd an Umschlagmanschetten mit geraden Ecken und Umlegekragen. Ausführungen mit „Kläppchenkragen“ lassen auch etwas Spielraum für den eigenen Geschmack, was ansonsten bei dieser Form der Herrengarderobe kaum der Fall ist.

Die Manschetten bestehen hier nicht aus Knöpfen. Sie sind ein unveränderbares Charakteristika der Gesamtaufmachung als separate Manschetten- oder Frackknöpfe. Frackknöpfe und ihre Auswahl erlauben ein Eintauchen in vergangene Epochen und edlen Fertigungen. Eigentlich lässt die Auswahl der Accessoires zum Smoking kleine Zeitreisen zu und das kann durchaus Vergnügen bereiten.

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Die Frackknöpfe orientieren sich nicht am Outfit des Anzugs, sondern an den gesamten Accessoires. Auf diese Weise kann man doch besondere Impressionen verleihen. Schon das Auffinden von Anbieter authentischer Frackknöpfe kann Freude bereiten und einen gewissen „Sammeltrieb“ hervorrufen. Gold, Silber und Edelsteine verleihen den gewiss dem Träger edle Akzente. Wer mag, kann das Smoking-Hemd anstatt mit durchgängig glatter Hemdbrust auch als Plisse, Biesen oder Rüschenausführung einsetzen – Stiltreue im Gesamtzusammenhang vorausgesetzt.

Accessoires zum Smoking

Während der Smoking selber nicht viel Auswahl bei den Ausstattungen zulässt, bildet Auswahl der Accessoires eine gute Basis für den Beweisantritt von gutem Geschmack. Immerhin veränderte der Zahn der Zeit nicht nur die Stoffe und kleine Details, sondern auch den Schmuck, Armbanduhr und sonstige individuelle Eindrucksfaktoren wie Mäntel, Schal und Schuhwerk.

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Zugegebenermaßen stellen diese Kombinationen hohe Ansprüche an den Träger in Sachen Geschmack. Wer hier unsicher ist, hat das gesamte Outfit vorher einer Stilberatung zu unterziehen – für den Fachhandel das tägliche Brot. Wer aber bewusst Akzente setzen möchte, kann es wagen, die Moderne in sorgfältiger Weise zu kombinieren. Es ist keinesfalls notwendig, auf historisch anmutende Armbanduhren zurückzugreifen – es sei denn, man möchte das. Ein paar Richtlinien sollte man jedenfalls einhalten:

  •  Die „black tie“, die schwarze Fliege, darf heute auch von einer Krawatte abgelöst werden. Vorsicht: schwarz, schlicht und klassisch lauten die Vorgaben. Eine gemusterte Krawatte wäre ein absoluter Stilbruch.
  • Zumindest bei formellen Anlässen ist der Hosenbund zu verdecken. Dazu bieten sich Westen aus dem gleichen Stoff – im Prinzip ist die Grundausstattung nichts anderes als ein dreiteiliger Anzug. Ausnahme: Kummerbund. Man trägt ihn zum einreihigen Smoking anstatt der Weste. Hier darf es auch glänzendes Rot oder eine andere Farbe sein – Hauptsache, er ist in Struktur und Farbgebung ident mit der Schleife. Er erinnert vielleicht an persische oder indische Kulturen und ist gewiss ein interessantes Detail, welches je nach Charakter des Anlasses passend sein kann oder nicht.
  • Das zweireihige Smoking-Sakko verzichtet auf Kummerbund und Weste – man öffnet es nie und macht die anderen Teile daher entbehrlich.
  • Ein Einstecktuch n der Hemdfarbe, Pochette genannt, ist üblich aber nicht zwingend zu verwenden.
  • Grundsätzlich betrachtet werden Armbanduhren als unpassend empfunden. Schlichtes Schwarz mit Silber wäre dabei aber problemlos. Andere Modelle erfordern eine ganz besondere Sorgfalt und bewusste Akzentuierung im Gesamtbild. Eine Taschenuhr wie anno dazumal wäre freilich ein idealer Partner für den Smoking.
  • Orden bzw. Miniatur-Ordenspangen sind historische Begleiter seit der Geburtsstunde des Smokings. Wer dies mag, begeht keine stilistischen Fehler.
  • Als passendes Schuhwerk gelten Opernpumps oder andere schwarze Halbschuhe. Auch der Einsatz von schwarzen, knielangen Seidenstrümpfen mit Halterung ist erlaubt, zumal diese Modelle – ganz in historischer Anmut – nicht am oberen Ende gummiert sind.

Zusammenfassend kann dem Tragen eines Smokings mehr nachgesagt werden als die bloße Auswahl des Sakkos oder Anzugs. Er besitzt seinen eigenen Lifestyle und fordert beim Tragen gewisse Basics an Wissen ein. Der bloße Griff nach dem Smoking im Verleih oder Schrank des Onkels ohne weiteres Know-How ist ein riskantes Unterfangen. Denn je mehr Potenzial für persönliche Aufwertung einer Aufmachung zukommt, umso höher ist auch das Risiko.

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Wer sich aber ausreichend informiert hat, ist auf der sicheren Seite. Der große Vorteil beim Smoking liegt in der Zeitlosigkeit – hier erwirbt man ein gutes Stück, welches nicht in wenigen Jahren bereits passé sein wird. Einmal angeschafft lässt es sich mit wenigen Modifikationen immer wieder in einem anderen Licht präsentieren und selbst ungewöhnliche und seltene Anlässe werden perfekt zu meistern sein.

Fotos: Steven Depolo – Tuxedo Shirt 6-10-08 — IMG_0623 (Flickr) | Robert Sheie – Balenciaga menswear (Flickr) | Daniel Riquelme – Jonas (Flickr) | Sean Molin – All The King’s Men (Flickr) | sleep – Untitled (Flickr)

About Sebastian

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2 Kommentare

  1. Vielen Dank für die Beschreibung. Eine Frage noch. Auf der Einladung steht: Dress to impress- glamurös und tanzbar! Smoking kann, muss aber nicht sein.
    Smoking kann, muss aber nicht. Würdest Du, wenn Du einen Smoking trägst dann auf alle Fälle die Koplette Ausstattung tragen?

    • Keine halben Sachen 😉 Ist meine Einstellung dazu, wenn man sich schon die Mühe macht ein solches Outfit zusammenzustellen, dann komplett.

      Was man sicherlich weglassen kann, wenn man möchte, ist der Kummerbund sowie das Einstecktuch. Da es laut der Einladung nicht ganz so formell zugeht.

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