Tanz, Tänzer und Damenwahl – wie bewegt man(n) sich richtig auf dem Parkett?

Jeder kennt die unterschiedlichen Charaktere in Bars mit Tanzfläche. Der Eine „hat´s drauf“, der andere nicht. Nicht (nur) das Können aus Tanzschulen und –kursen ist gefragt – vielmehr machen die Bewegung des Körpers, das Selbstbewusstsein, die Konformität mit dem Publikum in genau diesem Umfeld, an genau diesem Abend, mit exakt diesen Leuten den Erfolg aus.

Denn eins ist klar, was für Teenager „hipp“ ist, kann für den Dreißiger peinlich werden. Auf der ausgelassenen Weihnachtsfeier mit einem Alkoholspiegel, der auch für die Teilnahme am Straßenverkehr stark einschränkt, mag zwar ein anderer Kodex gelten. Doch wie findet man seine Normen, die den Situationen erst anzupassen sind? Wie gibt man hier sein Bestes?

Psychologischer Background: Fragen Sie „Dr. Dance“

Dieser Frage widmet sich ein Psychologe, Peter Lovatt, auch Dr. Dance genannt, in ausgiebiger Weise. Sein doch atypischer Lebenslauf führte ihn zum Studium der Psychologie, wobei er als bisheriger Profi-Tänzer sozusagen „von der Pieke auf“ sein erworbenes Wissen in Bezug zur wohl eindrucksvollsten Körpersprache aller Zeiten und Welten setzte: Dem Tanz und seiner Ausstrahlung auf andere – in allen Facetten.

Er untersuchte den Stellenwert des Tanzens hinsichtlich Geschlecht, Lebensalter und inwieweit ein Tanz „sexy“ wirkt oder das Gegenteil. Sein Resümee, welches auf der Annahme basiert, dass es niemanden gibt, der „nicht tanzen kann“ lautet: Lasst den Körper frei bewegen!“

Wann ist Tanzen sexy, wann stößt es ab?

Zu dieser Frage zeigte Lovatt verblüffende Unterschiede bei den Geschlechtern auf, welche die Tänze des jeweils anderen Geschlechts in einer Reihe von Untersuchungen in „Attraktivitäts-Level“ einstuften: So ziehen Frauen bei tanzenden Männern andere Bewegungsmuster vor als umgekehrt. Diese Tests fanden mit einer besonderen Videokamera statt und zeigten nur Silhouetten der Tänzer/innen, also wurde die persönliche Erscheinung der Probanden komplett ausgeblendet.

Das Ausmaß der Attraktivität von Männern, welche von Frauen getroffen wurde, stimmte mit dem jeweils zuvor ermittelten Testosteronspiegel überein: je höher, desto attraktiver für das weibliche Geschlecht. Diese Männer tanzten mit großen Bewegungen, die „kunstvoll variiert“ wurden. Doch: Wer sie nicht geschmeidig koordinieren konnte, fiel ganz durch.

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Derselbe Test nun umgekehrt – Männer beurteilten Frauen: Der Tanzstil und Testosterongehalt waren wie bei den Männern ausgebaut – je höher, desto größere oder auffälligere Moves. Nur: Die Reaktion der Männer war umgekehrt. Der höhere Hormonspiegel der Frau, welcher zum Einsatz von mehr Körperteilen führte, wurde als unattraktiv gewertet.

Diejenigen Frauen dagegen, welche ihre Hüften nur dezent bewegten und einen geringeren Testosterongehalt aufwiesen, waren für Männer am attraktivsten. Diese Frage kann sich durch soziologische Einflüsse erklären oder aber in der Natur des Menschen liegen – der Mann hat es jedenfalls in diesem Punkt leichter, authentisch zu sein.

Als „sexy“ beim Herrn darf man(n) getrost die Souveränität verstehen und nicht die technischen Bewegungsabläufe an sich. Für viele also eine reine „Gehirnsache“ – Tipp: Je mehr Erfahrung und Feedback im kleinen Rahmen, mit Freunden oder Familie, desto souveräner wird das Ergebnis. Jede positive Erfahrung hebt den Selbstwert.

Step by step

Als Erstes sollte jeder Mann die entsprechenden Gesellschaftstänze, also ihre Technik, beherrschen. Zwar kann ein Tanzkurs für sich genommen nicht das Ausmaß des Selbstbewusstseins steuern aber indirekt wird es sehr wohl verändert. Wer weiß, es richtig zu machen, erlangt automatisch ein besseres Bild von sich selber. Das bedarf weiterer Übung, nämlich bis zu dem Punkt, wo etwa beim Paartanz eine lockere Unterhaltung möglich wird ohne dass die Konzentration bei der Bewegung darunter leidet. Daneben empfiehlt sich folgende Vorgangsweise:

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Andere beobachten, ihnen zusehen, eigene Präferenzen finden. Wer andere beim Tanz beobachtet, findet schnell heraus, welcher Stil und Ausdruck der „Seine“ ist. Erst mit diesem Input kann an sich selber in Richtung Perfektion gearbeitet werden. Im Tanzkurs oder in Bars finden sich viele Gelegenheiten. Manche werden schon einige Zeit lang inspiriert worden sein, Anfänger haben bereits hier Aufholbedarf.

Jene Männer, die vorab vor dem Spiegel ihre eigenen Übungen absolvieren, haben wohl den schärfsten Kritiker vor Auge: Sich selbst. Dabei merken sie aber auch die Veränderung, je sicherer sie werden. Bewegungen, die einem selber nicht gefallen – und seien sie auch objektiv betrachtet gängig, scheidet man am besten aus.

Es würde immer an Authentizität fehlen. Experimente und Versuche sind an dieser Stelle aber unschädlich. Hier ist einmal alles erlaubt. Wer sich so seine Basis bereits angeeignet hat, kann sich im „Spielraum nach oben“ bewegen. Modetänze oder gelegentlicher Alleintanz sollten bei entsprechendem Interesse rasch geübt sein.

Der richtige Umgang mit der Tanzpartnerin

Hier werden Grundregeln schon konkreter und weniger individuell. Wer kennt ihn nicht, den nur oberflächlichen Bekannten aus der Lieblings-Bar in der Jugend, der vor allem als Tanzpartner jedem bekannt ist? Er ist derjenige, der bei den Damen der Sache wegen beliebt ist, unverfänglich, beinahe schon geschlechtsneutral aber immer freundschaftlich gesonnen.

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Von ihm zum Tanzen aufgefordert zu werden, bedeutet nicht mehr und nicht weniger. Er beherrscht die Paartänze perfekt, verhält sich stets korrekt und wurde Wegbegleiter für eine der schönsten Zeiten im Leben. Ihn nachzuahmen ist nicht Sinn und Zweck authentischer Selbstpräsentation. Vielmehr soll er locker als Ideal für die eine oder andere Verhaltensweise dienen. Denn manche Regeln sind unverzichtbar:

  • Nicht jeder Tanzpartnerin ist der Hof zu machen. Etwas respektvoller Charme schadet aber weder bei der Schwiegermutter in spe, der Gattin des Chefs oder Tanzpartnerinnen generell – doch Vorsicht: Befindet sich die Angebetete im Publikum, kann genereller Charme falsch verstanden werden. Auch ist es wenig beeindruckend, plötzlich zum freundschaftlichen Tanzpartner für möglichst viele Frauen zu mutieren, wenn bisher diese Eigenschaft nicht allgemein als unverfänglich bekannt ist.
  • Der Tanzpartnerin soll man sich zuwenden, grundsätzlich menschliche Offenheit auch nach außen signalisieren und persönliche Wertschätzung zeigen. Nicht mehr, nicht weniger.
  • Handelt es sich um einen zumindest angestrebten Flirt, ist ein Blickkontakt, Beobachtung ihrer Bewegungen und lockeres Scherzen angesagt. Vorsicht: Berührungen, die über den eigentlichen Tanz hinausgehen, werden nicht gutgeheißen. Es sei denn, der Flirtlevel befindet sich im fortgeschrittenen Stadium, wo man sich positiver Reflexion bereits sicher sein kann. Tendenziell sollte man hier aber eher zurückhaltend sein. Der selbst bisher gelungene Auftritt könnte so ein abruptes Ende finden.

Die Gretchenfrage: Das Führen des Mannes beim Tanz

Emanzipatorische Grundfragen sind immer ein heißes Eisen für den Mann. Es liegt jedoch auf der Hand, dass die Schritte beim Tanzen eine bereits bestehende Struktur an Regeln darstellen und demokratischen Grundsatzfragen nicht mehr zugänglich sind. Sprich: Einer muss führen.

Die historische Entwicklung beim Tanz löste diese Frage durch das Führen des Mannes. Nun kann es sein, dass die Tanzpartnerin dies erwartet oder es aber hinterfragt. Berufs- und allgemein erfahrene Tänzer wissen aber, dass von ihnen die führende Rolle auch heute noch erwartet wird.

Emanzipatorisch motiviertes Führen durch die Frau ist hier gewiss selten der Fall. Also gilt auf jeden Fall: Der Mann soll gut führen können. Ein weiterer Grund, und zwar vermutlich häufiger als emanzipatorische Beweggründe ist der Umstand, dass junge Mädchen sich vor allem gegenseitig einfache und übliche Tanzarten lehren und sie miteinander üben.

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Seit Jahrzehnten ist es üblich, dass Mädchen und Frauen gemeinsam ausgehen und gemeinsam das Tanzbein schwingen, vor allem beim Foxtrott. Auch hier ist es nötig, dass die Eine führt und die Andere sich führen lässt. So wird es von beiden verfestigt und eingeübt. Wenn das führende Mädchen nun mit einem Mann tanzt, tut es sich schwerer als gewohnt.

Erst entsprechende Übung führt zu einem entspannten Schritt, ebenso umgekehrt, wenn der Mann sich führen lässt. Wer auch solchen Situationen flexibel gegenüberstehen will, kann nur wie folgt Abhilfe schaffen: auch die Passivrolle üben. Das Resümee lautet:

  • Die Führungsrolle souverän zu beherrschen
  • Die Passivrolle souverän beherrschen – es muss nicht immer Emanzipation dahinterstehen, welche sich beim Tanz naturgemäß kontraproduktiv auswirkt.
  • Wenn es sich ergibt: Vorher absprechen. Tipp: Diskussionen über Emanzipation und Führungsrollen von Geschlechtern vermeiden und vor allem nicht mit den Rollen beim Tanz gleichsetzen. Es geht um völlig unterschiedliche Sachlagen.
Copyright Fotos: Vladimir Pustovit – Dancing (Flickr) | Emilien ETIENNE – Tango Dancing (Flickr)

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