Trilby und Fedora – unterschätzter Klassiker für den Sommer

Vorab: Trilby und Fedora meinen ziemlich dasselbe. Ersterer ist die britische Bezeichnung, Fedora dagegen steht international für dasselbe Exemplar eines Sommerhutes für den Herrn. Wer sich nun den typischen Touristen mit Strohhut vorstellt, liegt an dieser Stelle aber nicht richtig. Trilby und Fedora verkörpern etwas Eigenes, charakterlich und optisch. Abgegrenzt davon ist der Panamahut zu verstehen, der tatsächlich auf Funktionalität ausgerichtet und mit seiner besonderen Historie sein ganz eigenes „Ding“ macht. Hier bewegt sich der Träger auf einem anderen Terrain. Diese Charakterisierung wird unten genau beschrieben.

Aber marginale Details unterscheiden auch den Trilby vom Fedora: Die englischen Trilby werden mit kürzeren Schäften versehen, die sich an der Rückseite scharf nach oben richten – ein in der Optik doch anders anmutendes Detail, woran der Kenner sofort die Herkunft und Zuordnung errät.

Definition von TTrilby und Fedora

Es handelt sich um einen Filzhut. Dieses Material sorgt für eine sehr weiche und leichte  Kopfbedeckung. Sein Erkennungsmal ist das Einknicken nach unten entlang der Krone. Die Vorderseite ist an beiden Seiten nach unten eingekniffen. Die offizielle Verwendung des Namens kann bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Damals war er allerdings der sogenannten Oberschicht vorbehalten. In Umlauf kam die Bezeichnung nach der öffentlichen Aufführung eines Theaterstücks im Jahr 1882, wo die Hauptdarstellerin als „Prinzessin Fedora“ den Trend durch eigenes Tragen etablieren konnte.
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Aber auch Stroh- und manche Stoffhüte werden als Fedora tituliert. Die Zuordnung erfolgt eher nach anderen Charakteristika und der Name ist immerhin auch nicht geschützt. Alles darf sich wie das Original nennen.

Ablauf der weltweiten Etablierung

Ein Fedora, freilich auch die englische Ausprägung, war die erste industrialisierte Form des Witterungsschutzes. Im selben Zeitraum etablierten sich die Automobile, häufiger als heute in Form der Cabrios. Zugleich waren mit Privatdetektiven und Prohibition in den USA Gesellschaftsschichten entstanden, deren Repräsentanten diese Innovation aufgriffen und für sich entdeckten.

Ein neuer Life-Style wurde geschaffen und wie bei allem verbleibt auch hier ein Hauch alter Charakteristiken für immer erhalten. Al Capone etwa forderte seine Gefolgschaft zum Tragen grauer Fedoras auf und sollten eine Art Erkennungszeichen werden. Trilby und Fedoras verleihen auch heute noch einen Hauch des Geheimnisvollen ohne den Träger mit einem Negativ-Image zu belasten.
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Unterdessen fand in den USA das neue Accessoire für den Herrn Eingang in den Business-Alltag, wo er fortan nicht mehr wegzudenken war. Bei der Farbgebung öffneten sich viele Türen – am beliebtesten gelten aber nach wie vor Grau- und Brauntöne sowie das klassische Schwarz. Fast alle Männer trugen ihn. Das Hollywood aus den 1940er Jahren leistete ebenfalls seinen Beitrag: Gangstertypen waren allesamt mit dem Merkmal Fedora bestückt, welches Maskulinität und etwas Anrüchigkeit in sich vereinen sollte.

Das nun salonfähige Zeichen von rebellischer Coolness wurde gerne aufgegriffen und in Film-Noir-Charakteren präsentiert: Humphrey Bogart in Casablanca ist einer der authentischen Träger dieser Zeit, der weltweit als Klassiker gilt und auch zur Verbreitung des Fedora sorgte. Abgesehen von orthodoxen Juden konnte sich der Trend aber nicht nachhaltig verfestigen. Manche Modelle werden mit Federn geschmückt  – ein Bildnis, das heute aber ziemlich ungewöhnlich wäre.

Die 50er und 60er brachten ihre eigenen Fashionbewegungen, eher schon Fashion-Revolutionen,  mit sich und der Filzhut gehörte zum „alten Eisen“ – definitiv und unverrückbar. Doch was wäre eine Innovation, könne sie nicht Jahrzehnte später an bereits bestehende Akzente ansetzen?

Nicht zuletzt Johnny Depp in seinem Privatleben, mit Sonnenbrille und Fedora oder Harrison Ford in „Indiana Jones“ ebneten der heutigen gesellschaftlichen Akzeptanz des Fedora neue Wege. Er ist wieder in und knüpft erfolgreich an die einstigen Wurzeln an.
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Natürlich: Nicht jedermann kann hier mit  Stilsicherheit sein Outfit mit einem Fedora so verbinden, dass die Stimmigkeit dieser Koryphäen erreicht wird. Es bedarf gewiss einiges Fingerspitzengefühl zur richtigen Kombination zum richtigen Auftritt.

Die Dos and Donts bei Trilby und Fedora

Je schmaler die Gratwanderung, umso besonderer das Ziel – diesem Motto getreu hat der potentielle Träger des Fedora – in England nach wie vor der Trilby – sein beabsichtigtes Erscheinungsbild vorerst mit dem Anlass abzugleichen. Um der Individualität keine Abbrüche zu verliehen, sollte man wohl erst mit den „Donts“ beginnen:

Die alltägliche Businesskleidung sollte weiterhin ohne Filzhut auskommen. Grundsätzlich – denn verkörpert der Repräsentant von Künsten einen eigenen Stil, so ist das keineswegs abträglich, auch nicht in seinen geschäftlichen Anlässen. Möchte aber der typische Versicherungsvertreter oder Bankangestellter seine Produkte an den Mann bringen, sollte er in seiner Anpassung wie ein Chamäleon an die Masse orientiert sein und nicht unbedingt in mafiös anmutenden Outfit erscheinen.
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Grundsätzlich gilt – ob man es nun gut findet oder nicht – je höher eine Position, desto mehr kann man sich herausnehmen. Aber: Gewisse Branchen leiten ihre Bestandsberechtigung von sachlichen Erfordernissen ab und nicht von Individualismus. Diese Grundregeln verinnerlicht sollten die Anlässe bereits eingrenzen, wo individuelle Auftritte erlaubt sind und wo nicht. Erst in der Folge stellt sich die Frage nach dem  gesamten Erscheinungsbild:

Womit kombiniere ich Trilby und Fedora?

Hier kann maximal eine Art von „Prototypen“ vorgestellt werden – Nachahmung willkommen, Modifikationen auf eigene Gefahr!

Typ 1: Der Künstler

In Anlehnung an den Verwandlungskünstler Johnny Depp, der bekannterweise als Pirat, aktuell als wundersamer Hutmacher in einer weiteren Folge von „Alice im Wunderland“ oder gar als subrealer Schokoladefabrikant integrierbar ist, lässt sich seine Erscheinung beim Tragen des Fedora-Hutes durchaus kopieren.
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Eigene Noten sollten aber dabei auch präsentiert werden, damit die Aufmachung nicht als komplett ohne eigene Individualität gelebt wird. Die Kombination „Fedora und Sonnebrille“ ist einmal ein guter Anfang. Doch was kombiniert man dazu? Spencer und Hemd verleihen dem Effekt einen seriösen Background, während das bloße Sommer-Shirt dazu wohl zu tief in die Hippie-Kategorie fallen würde.

Die Hose kann durchaus eine – gute – Jeans sein aber auch eine Stoffhose wäre passend. Ein stilistisches Wirrwarr aber würde jede Kombination mit Cargos, Shorts oder Trainingshosen ergeben: Eher mit der „Soft-Classic“ ergänzen.

Typ 2: Der Casablanca-Typ 2016

Die Wirkung auf das weibliche Geschlecht soll bei diesem Prototyp ganz besonders positiv ausfallen– ein bisschen vom klassischen Underground-Dog, vom „Bösen Buben“ und ein bisschen vom klassischen Gentleman. In jeder Garderobe findet das notwendige Repertoire, freilich kombiniert mit einem Fedora. Ein schwarzes Sakko, weißes Hemd und unauffällige Hose. Am besten macht sich natürlich ein Anzug, Jeans sind aber auch passabel.
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Um den Ganzen aber auch den nötigen Zeitgeist einzuhauchen und die 40er Jahre hinter sich zu lassen, empfiehlt sich ein bewusst gesetztes Zeichen, das als „hip“ gilt. Ob es sich dabei um einen modernen Vollbart, eine künstlerischen Rasur auf der Kopfhaut oder ein Tattoo am aufgekrempelten Ärmel handelt, ist Geschmackssache. Auch schwarze Armbänder brechen den Effekt und passen jedes „alt-hergeholte“ Outfit der Gegenwart an.

Typ 3: Der Moderne

Moderne Anzüge in Farben strahlen für sich betrachtet ein Abgehen von klassischen Grundmustern aus. Etwa hellblau, ein zartes Lila oder zweifärbige Anzüge sind im Sommer sehr beliebt. Einen schönen und gesellschaftlich unverfänglichen Beigeschmack bietet ein grauer Fedora. In diesen Fällen wäre der „Schwarz-Weiß-Effekt“ beim Hut ein kleiner Stilbruch. Aber in dezentem Grau eine gute Wahl.
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Fazit zum Trilby und Fedora

Gewusst wie kann der Fedora einer Aufmachung das gewisse Etwas verleihen. Da er kaum im Alltag einzusetzen sein wird, erwartet ihn wohl eine lange Lebensdauer und er ist ein ziemlich anspruchsloser Zeitgenosse in Sachen Pflege. Eine Kaufempfehlung ergibt sich angesichts dessen von selbst.

About Sebastian

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