Tweedjacke – das muss man(n) darüber wissen

„Tweed“ kennt eigentlich viele Bedeutungen. Eine davon ist mittlerweile die Bezeichnung für das wohlbekannte Material. Aber: Die Bezeichnung des Textilgewebes stammt letztlich von „zwillich“ ab, dem Weben mit 2 Fäden und nimmt Bezug auf die Verarbeitung und nicht auf einen Fluss in Schottland („Tweed“) wie häufig angenommen. Während der Fluss nichts damit zu tun hat, ist es die Region mit ihren geologischen und sogar kulturellen Gegebenheiten, die weit verbreitete Schafhaltung Schottlands und sind es die Witterungsverhältnisse – rau, nass, windig – die zu dieser nachhaltigen Errungenschaft führten.

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Tweedjacken und deren Ursprung

Grobes Wollgarn mit Noppen, so zeigte sich einst Tweed, allen voran bei Outdoor-Kleidung, Mäntel aber auch Überzüge von Sofas oder Sesseln. Aus heutiger Sicht nichts Besonderes – damals der Renner: Tweed war und ist robust und zugleich atmungsaktiv, äußerst langlebig und schafft eine Passform an den Körper wie kaum andere Materialien.

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Manche Tweedarten schrieben selbst Geschichte. Namen wie „Harris Tweed“, der Hersteller ist natürlich in Schottland ansässig und seiner mehr als hundert Jahre alten der Industrialisierung trotzen wollenden „Harris Tweed Association“ und eigenem Label mit reich durchdachten gesetzlichen Bedingungen. Da liegt schon auf der Hand, wo und wie mit Tweed Qualität definiert wird.

Auch dort ist Regionalität ein Merkmal dafür. Das bedeutet zugleich: Ein britisches Adelshaus kommt kaum an ihm vorbei. Schottische schon gar nicht. Die Geschichte rund um Harris Tweed ist übrigens in vieler Hinsicht interessant, sprengt hier aber den Rahmen.

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Hergestellt wird auf den Äußeren Hybriden, mittlerweile natürlich auch mit industriellen Webstühlen. Verwendet wird nun auch anderes Material wie Seide, Baumwolle oder Polyester im Mix und machen den fertigen Tweed zudem billiger. So ändern sich im Lauf der Zeit immer die Herstellung und ein bisschen auch die Optik. Aber im Prinzip ist die Brauchbarkeit und ihre geschmacklichen Expressionen der Tweedjacke dasselbe, was sie immer war: ein mit einem etwas kuschelig-bequemen Faktor besetzte Alltagsjacke, die vielleicht selten am Laufsteg präsentiert wird aber die im Alltag mit ihrer Unverfänglichkeit und Eignung für kalte Tage große Dienste leistet.

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Die traditionellen Musterungen sind heute wie damals: Karos, Nadelstreif, Fischgrät und dezente Farbgebung. In den 50er Jahren entdeckte Coco Chanel die Tweedjacke. Damals als „Chanel-Jacke“  bezeichnet verbreiteten sich Tweedjacken vor allem in den oberen Schichten. Crace Kelly, Romy Schneider und Brigitte Bardot trugen das Ihre zur Verfestigung bei und verhalfen zum verfestigten Image zeitloser Eleganz. Und diese Expression haftet der Tweedjacke nach wie vor – unabhängig der aktuellen Definition unserer Modemacher.

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Tweed-Sakkos – auch heute noch angesagt

Jackenschnitte gibt es viele – vom Sakko über den Parka bis zum Blouson. Und in keiner geringeren Breite offenbaren sich Materialien, die im Tweed-Verfahren gefertigt wurden. Dadurch ergibt sich etwa beim Sakko ein viel größerer Raum für die Verwendung. Typische Sakkos haben kaum wärmende Eigenschaften sondern viel mehr stilistische Aufgaben. Beim Tweed-Sakko verhält es sich ganz anders: Dort schirmt man sich von zumindest kühlen Tagen oder Abenden auch im Außenbereich ab, ohne Übergangsjacken dazu mit sich bringen zu müssen.

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Sie sind meist auch noch gut gefüttert und erlauben gleichzeitig optische Auftritte, die mit typischer Außenbekleidung ohne zusätzliche Jacke nicht zu erzielen sind. Es zeigt sich auch bei Damenkostümen – die Verwendung von Tweed hat traditionalistischen Flair, erinnert – je nach Form und Farbe – auch an folkloristische Aufmachung. Seriosität ist dem Träger jedenfalls sicher.

Im Gegensatz zur hier bemitleidenswerten Damenwelt wird den Herren auch kein Modell in Babyzimmer-Farben mit kitschigen Anhängseln á la der Mutter von Charly Sheen in seiner Sitcom untergejubelt. Immerhin kam mir noch kein hellblaues Tweedsakko unter, sondern alle Modelle haben ihre eigene Bestandsberechtigung.

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Der Jäger-Style wird auch bedient, ist freilich Ansichtssache und wie viele Unterarten an eingeschränkte Zielgruppe angepasst. Besonders aber Karl Lagerfeld setzt bei Tweed-Mode immer wieder neue Akzente, auch wenn für die Männerwelt dabei weniger herauskommt. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so.

Pflege von Tweed

Man muss die Tweedjacken nicht immer zur chemischen Reinigung bringen. Aber es sind Einzelheiten zu beachten, auf die zumindest dann kaum hingewiesen wird, wenn externe Reinigung empfohlen wird. Dann muss man vorab seinen Mix kennen und eventuelle Sonderheiten recherchieren. Nie aber darf Tweed in den Trockner, nicht einmal aufgehängt werden dürfen die Erzeugnisse. Man muss sie auf einem Handtuch aufbereiten und für sehr gute Durchlüftung sorgen damit es keine muffelige Angelegenheit wird. Zuvor erfolgt eine Handwäsche mit Wollwaschmittel.

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About Sebastian

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