Im sportlichen Monat Januar passt es einen Blick auf Fahrräder zu werfen, auch wenn man sich aktuell mit diesen eher weniger vor die Tür wagt. Zumindest meins steht noch im heimischen Keller und wartet auf wärmere Temperaturen. Die Bikes von Starrgang sind aber eh eher weniger Sportgerät, als Lifestyle-Objekt. Gegründet wurde die Manufaktur für Zubehör und Fahrräder Starrgang im vergangenen Jahr in Füssen/Allgäu, wo auch der Gründer des Unternehmens 1985 geboren wurde.

Starrgang – mehr als ein Unternehmen / eine Lebenseinstellung

Als gelernter Feinmechaniker ist Florian in der bereits achten Generation in Füssen aufgewachsen und fühlt sich dadurch mit seiner Region besonders verbunden. Daher ist es nicht verwunderlich, dass diese einen erheblichen Einfluss auf seine Schaffensprozesse, als auch sein Produktportfolio besitzt. Ab diesem Jahr wird er mit Starrgang in den ehemaligen Hanfwerken produzieren und gehört damit der 6. Generation seiner Familie an, die dort ihren Lebensunterhalt erwirtschaftet.

Persönlich kann er sich auch keinen anderen Ort des Schaffens vorstellen, wie er durchblicken lässt. Denn sowohl die Landschaftliche als auch kreative Vielfalt und Kraft sind für ihn die idealsten Gegebenheiten, um alten Fahrrädern mit Geschichte ein neues Leben zu schenken. Dabei sieht Florian Starrgang als ein Gegenentwurf zur heutigen Wegwerfgesellschaft, wo er aus etwas nicht mehr gewolltem etwas wunderschönes Neues gestaltet.

Gerade dieser Ansatz, aus Alltäglichem etwas ganz Besonderes zu machen finde ich sehr ansprechend. Denn heutzutage ist es so einfach, Dinge wegzuwerfen und durch Neues zu ersetzen, dabei ist es doch soviel sinnvoller sich auf das Wesentliche zu besinnen und gerade diese Dinge nochmals zu betrachten, um sich ernsthaft Gedanken zu machen, ob man diese Entsorgen muss oder doch nochmal wiederverwenden kann.

Die Upcycling Bikes von Starrgang gibt es aktuell in zwei Versionen. Unter Starrgang werden alte, auch kundeneigene Fahrradrahmen mit Geschichte, durch vollständige Demontage und Neuaufbau nach Konfiguration durch persönliche Kundenwünsche gestaltet. Dabei achtet Florian auf Reduktion. Sprich, der alte Rahmen wird durch Entfernen aller Anschweißteile, Sandstrahlen, mehrfache Pulverbeschichtung und Hohlraumversiegelung auf seinen Kern reduziert.

Um im Nachhinein mit Neuteilen aus dem Profi-Radsport und besondere in Handarbeit hergestellte Lederapplikationen neu aufgebaut zu werden. Durch diese Herangehensweise zeigt sich Florians Blick für das Wesentliche und die Reduzierung auf minimalistische Ansätze. Schließlich muss ein Rad nicht überladen sein, um von sich zu überzeugen.

Starrgang² beinhaltet limitierte Auflagen handgeschweißter, gemuffter Rahmen im exklusiven Starrgang-Design. Bestehend aus mehrfach pulverbeschichteten, hohlraumversiegelten Rahmen, veredelt mit Komponenten aus dem Profi-Radsport und handvernähter Lederelemente an Rahmen und Lenker. Eben ganz besondere Räder. Aber lassen wir Florian doch selbst zu Wort kommen und ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern.

Florian, erzähle meinen Lesern und mir doch Mal, was du bei Starrgang machst?

Ich verwende alte Räder, zerlege diese bis auf den Rahmen. Der Rahmen wird neu ausgerichtet von überflüssigen Schnörkeleien befreit verlötet verschiffen sandgestrahlt hohlraumversiegelt und mehrfach pulverbeschichtet.

Anschließend wird dieser komplett aufbereitete Rahmen mit Spitzenkomponenten völlig neu im Starrgang Design aufgebaut. Wobei hier auch zum Großen teil regionale Zulieferer zum Zug kommen um dem Nachhaltigkeitsgedanken gerecht zu werden.

Woher stammt der Name Starrgang – Hört sich auf eine Anspielung auf das Rad an – richtig?

Starrgang beschreibt im Grunde genommen die Antriebsart der ersten Fahrräder und da ich mich an den ursprünglichen Rädern vom Design gerne orientiere und mein erstes Rad ein sogenanntes „Fixie“ ist, war es naheliegend abgeleitet von Fixed Gear = Starrer Gang meine Unternehmung ebenso ursprünglich zu nennen wie es die Räder selbst sind.

Wie bist du auf die Idee gekommen alten Rädern neues Leben einzuhauchen?

Ich finde es furchtbar schade das soviel geschichtsträchtige Räder die Geschichten erzählen könnten auf dem Müll landen. Das soll auch ein klares Statement an die momentane Wegwerfgesellschaft sein, das aus etwas altem immer noch etwas junges frisches neues Entstehen kann.

Woher kommt deine Leidenschaft für Fahrräder? Wieso nicht Kühlschränke, welche du individualisierst?

Hier war tatsächlich aus der Not die Tugend geboren! Ich hatte kein Auto und wollte ein schickes Rad. Glücklicherweise habe ich dann auch recht bald ein Rennrad aus den frühen 70ern geschenkt bekommen und mir hier mein erstes Rad mit viel Lehrgeld gestaltet. Die Idee und die Optik kamen gleich genial an wodurch sich hier die ersten Aufträge ergaben.

Was ist für dich, bei den von dir geschaffenen Rädern wichtig?

Höchste Qualität und natürlich das sehr minimalistische Design und definitiv die Einzigartigkeit eines jeden Starrgangs.


Wenn du eines deiner bisherigen Fahrräder zu deinem persönlichen Favoriten erklären müsstest. Welches wäre dies und warum?

Grundsätzlich natürlich das erste das ich gebaut hab welches auch täglich von mir gefahren wird. Vom Design sowie vom Herstellen ist mein Favorit in jedem Fall Starrgang – Ruggine bei dem der Rahmen künstlich verrostet wurde und versiegelt.

Neben Fahrrädern bietest du auch Kalender, Taschen und Leuchten an. Was hat es damit auf sich?

Im Allgäu erregt man natürlich schnell Aufmerksamkeit mit solch einem Projekt, und hatte hier das Glück ziemlich schnell mit einigen Fotografen zusammenarbeiten zu dürfen welche auch alle am Kalender mitgewirkt haben, die Taschen entstehen in Zusammenarbeit mit einer Füssener Firma die Kollektion in Handarbeit herstellen auf die Ich aufmerksam wurde beim Lederkauf für meine vernähten Lenker, hier bin ich sehr stolz das wir eine herrliche Produktpalette bereits gestalte haben.

Wie geht’s für Starrgang weiter, was sind deine Pläne?

Im Moment bin ich mit zwei Designern noch an der passenden Fahrradkleidung passend zu den Starrgang Rädern, außerdem mit einem Schuster am ersten Prototyp eines Haferl Fahrradschuhs und mit vielen weiteren kreativen Kollegen an neuen Produkten die sich in die Starrgang Familie Integrieren werden.

Mein Ziel ist es vom Fahrradbau leben zu können und vielen, vielen Menschen eine Freude mit den Rädern oder andern Produkten zu machen und einfach etwas Schönes erschaffen.

Bildnachweis/Copyright: Starrgang Allgäu / Rene Kuen | Lenas Fotostudio / Lena Filleböck | Der Niederauer / Jürgen Niederauer

Gepostet von Sebastian

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