Richtiges Verhalten im Trauerfall, auch das will gelernt sein!

Die Mitteilung über einen Trauerfall kommt meist abrupt und überrascht in diversen Situationen des Lebens ganz spontan, auch wenn bei Älteren oder Kranken schon länger damit gerechnet wurde. Eine „angemessene“ Reaktion ist das Mindeste, wozu man sich – zu Recht – veranlasst sieht. Wie dieses Verhalten aber aussieht, muss man spätestens jetzt wissen.

Auf die Idee zu kommen, sich darüber zu erkundigen, tritt aber nicht selten erst nach dem Anlassfall ein. Wie verhält man sich gegenüber einem Menschen, der diese Nachricht nicht verkraftet? Was ist tröstlich? Die Etikette von anno dazumal wird heute nicht mehr vermittelt – „gilt“ sie aber weiter? Wie lautet sie überhaupt?

Erhält man Todesbotschaften im Beisein oder durch dessen nahen Angehörigen oder im Kreise der Arbeitskollegen, ist ein möglicher Fauxpas umso schlimmer. Eine rechtzeitige Auseinandersetzung mit dem Thema ist daher dringend geboten. Die Grundregeln der Abläufe nach einem Trauerfall habe ich versucht hier zusammenzufassen.

Persönliche Anteilnahme bei einem Trauerfall

Die spontane Reaktion auf einen Todesfall sollte nicht in Floskeln liegen. Je ehrlicher und aufrichtiger die Worte und ihr Gehalt, umso besser. Gerade hier sollte man nicht vergessen, dass die aufgenommen Botschaft im Gegenüber die Kombination des Inhalts als auch der Art und Weise liegt, nämlich auch darin, wie jemand etwas sagt.

Die gängige Aussage „Mein Beileid“ ist variierbar. Handelt es sich um nahestehende Personen, sollten wirklich eigene Worte dafür gefunden werden – bei entfernteren Bekannten ist aber eine Variante dieses Ausspruchs angemessen. Ein nahes Familienmitglied ist immerhin selber Adressat von Beileid – würde dieser so reagieren, käme ungewöhnliche Distanz zum Ausdruck.

Schwieriger gestaltet sich aber schon die Frage danach, wie es dem mitteilenden Hinterbliebenen geht. Die Erkundigung, wie es diesem geht, kann als Ausdruck des Mitgefühls, Wohlwollens und Anteilnahme verstanden werden aber aus Verlegenheit sollte man es niemals fragen. Wenn es nicht die Situation in authentischer Weise erlaubt, sollte man anstatt dessen Mithilfe bei diversen Dingen anbieten oder aber versichern, für die Person immer da zu sein, wenn es gewünscht wird.

Eine Zusicherung dieser Art ist für jeden eine Bereicherung in sozialer Hinsicht und doch so formuliert, dass der Betroffene selber „das Ruder in der Hand hält“. Selber das Ausmaß an Nähe zu suchen oder sich zurückziehen zu dürfen, ist wohl das beste Angebot an Trauernde.

Kleine Dienste bei der Hilfe in administrativen oder praktischen Dingen sollten eine Selbstverständlichkeit sein. Für Hinterbliebene kann das immerhin eine enorme Belastung darstellen – das Einräumen von persönlichen Dingen, das Aussuchen des Sarges – diese notwendigen Handlungen unterstützen zwar die Realisierung des Geschehens und damit den Verarbeitungsprozess, doch das Tempo dabei muss an individuelle Gegebenheiten anzupassen sein.

Eine Mutter, die ihr Kind verlor und medikamentös ruhiggestellt wird, sollte nicht tags drauf etwa das Halskettchen ausgehändigt bekommen. Wer dem Hinterbliebenen nicht besonders nahesteht, sollte aber eher unpersönlichere Handlungen anbieten. Die Person soll selber wählen können, wer mit welchen Abläufen konfrontiert sein soll. Wenn man sie nicht einmal mit Details konfrontieren sollte, wäre selbst die Organisation der nötigen Erledigungen von ferneren Hinterbliebenen durchzuführen. Ein Pool an Freiwilligen, welche professionell die anfallenden Erledigungen aufteilen, ist für einen Trauernden das größte Geschenk.

Über den Toten sprechen

Eine Zusammenfassung darüber, warum man die verstorbene Person wertschätzt, vielleicht gemeinsame Erlebnisse, eine Hervorhebung der positiven Charaktereigenschaften, ist ein angemessenes Verhalten. Der richtige Zeitpunkt dazu ist jedoch eine Frage der Sensibilität.

Kodex für die Beerdigung

Wer zur Trauerfeier geladen wird, antwortet mit einem sogenannten Kondolenzschreiben. Trauerkarten mit Text findet man im Handel – haben sie allerdings einen schwarzen Rand, so ist dieser der Familie vorbehalten. Man schreibt einige Zeilen persönlichen Text dazu und lässt andere Adressaten unterschreiben. Steht man dem Verstorbenen sehr nahe, ist ein eigener Brief zu verfassen. Keine Angst – niemand muss plötzlich zum Autor trauernder Worte mutieren.

Im Internet lassen sich in ausreichender Zahl Zitate oder Gedichte finden. Leere Worthülsen sollte man erkennen und eine persönliche Ausgestaltung durch eigene Worte ist wichtig. Authentizität, Ehrlichkeit und Sensibilität sind gefragt. Notfalls sollte man Fremdhilfe wie etwa den Rat eines Pfarrers oder Bestatters in Anspruch nehmen. Auch Geldspenden fallen in den Rahmen des Üblichen.

Einer Einladung zur Trauerfeier kommt man in dunkler oder diskreter Kleidung nach. Zwar muss es heute nicht mehr von jedem Gast ein tiefes Schwarz sein, doch für die nächsten Angehörigen geziemt sich diese Vorgabe nach wie vor. Die anderen können auf dunkles Blau, Braun oder Grau zurückgreifen. Wer von den entfernteren Gästen ein dunkles Sakko trägt, darf beim Oberteil auch eine hellere Farbe wählen.

Für Kinder ist es ebenfalls nicht ganz so streng aber eine dunkelblaue Jeans dürfte heute jedes Kind im Kleiderschrank parat haben. Dazu kommt eine weitere Einschränkung: die Haut verdecken, auch im Sommer. So ist ein tiefes Dekolleté verpönt, die Schuhe sollen geschlossen sein. Die sonstige Aufmachung darf man nicht auffällig gestalten, das gilt für Schmuck und sämtliche Accessoires.

Dazu ist ein Kranz oder Gedeck mitzubringen –je nach Naheverhältnis zum Toten. Hier zu sparen ist nicht angemessen. Allerdings ist es zulässig, mit anderen zusammenzuzahlen – große Gedecke sind nicht billig. Man sollte sich bei der Auswahl nach den Lieblingsblumen des Verstorbenen erkundigen und die Anschaffung nach seinen Präferenzen ausrichten. Letztlich ist die Auswahl auch saisonal bedingt und es bleibt relativ wenig Zeit zur Organisation.

Die Sitzordnung ist eine traditionell beantwortete Frage und gilt für alle Konfessionen bzw. Konfessionslosigkeit. Es gilt: Je intensiver das Naheverhältnis, desto weiter vorne der Sitzplatz. Dazwischen sollen keine leeren Reihen entstehen, sondern sie sind von vorne weg nach hinten durchgängig zu besetzen.

In derselben Reihenfolge gestaltet sich der Trauerzug zum Grab. Dabei ist Schweigen angesagt. Freilich erkennt man in so einem Rahmen immer wieder Personen, die zu grüßen sind. Ein Kopfnicken oder wortloser Händedruck ist ausreichend. Handys oder Smartphones sind abzustellen oder auf lautlose Einstellung zu bringen um nach der Zeremonie oder zumindest abseits der Gesellschaft zurückzurufen.

Ob am Grab kondoliert wird, hängt vom Organisator ab. Ein Verzicht wird auf der Einladung angegeben ansonsten ist nach der Beisetzung für jeden Teilnehmer ein letzter Abschied vorgesehen. Für Beileidsaussprüche an die nächsten Hinterbliebenen, Umarmungen oder Händedrücke ist jetzt der beste Zeitpunkt. Wenn die nächsten Angehörigen das Grab verlassen, schließt man sich dem an. Im Anschluss kann der Leichenschmaus oder Einladung zum Kaffee stattfinden.

Hier wird natürlich wieder geredet und darf auch gelächelt werden. Stimmungskanonen haben sich aber zurückzuhalten und fröhliche Ausgelassenheit sollte nicht zur Schau gestellt werden. Bei Kindern relativiert sich das natürlich aber zurückweisende Worte sind hier angesagt – auch sie müssen anlassbezogenes Verhalten kennenlernen, je nach Alter.

Diese Treffen aind allerdings auch als Zeichen zu verstehen, dass das Leben weitergeht. Danksagungen und Trauerreden sind der wichtigste Punkt bei dieser Zusammenkunft. Tröstliche Worte und Gespräche mit anderen Gästen sind ebenfalls wichtig und erst jetzt erlaubt. Auch ist die Arbeit von Priester, Bestatter oder Redner zu würdigen. Zum Thema Alkohol ist zu sagen: wenn, dann nur in Maßen und an Anlehnung des Verhaltens der nahen Angehörigen.

Während die Trauergesellschaft den Leichenschmaus zu sich nimmt, ist das Personal der Friedhöfe mit dem Grab beschäftigt. Die Familien selber nehmen oft erst am nächsten Tag persönlich vereinzelt Abschied, doch der Rest der Gesellschaft, insbesondere solche, die weiter entfernt leben, kehren im Anschluss zurück. Mit der Ablage frischer Pflanzen verleiht man dem Gedenken noch einmal „Leben“ und setzt ein Zeichen der Erinnerung.

Charakterisiert wird das gebotene Verhalten insgesamt und in jeder Phase durch Zurückhaltung, Sensibilität und Empathie. Wer unsicher ist, sich richtig zu verhalten, sollte sich auf „seine Worte“ gezielt vorbereiten und sonst möglichst zurückhalten.

Copyright Foto: hapal – Mournful (Flickr)

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