Articles of Styles hat sich mit vier unterschiedlichen Schneider-Stilen auseinandergesetzt und dabei deren Gemeinsamkeiten, Unterschiede sowie Schwerpunkte betrachtet. Es fällt auf, dass sich diese zwar teilweise ähneln, dann aber eben doch voneinander abweichen

Präsentiert werden die Schneider-Stile an Jonathan Goldsmith, wahrscheinlich besser bekannt als „The Most Interesting Man in the World“. Falls nicht einfach den nachfolgenden, eingebetteten Clip anschauen und mehr darüber erfahren. Lohnt sich.

Nachdem ein wenig Aufklärung betrieben wurde und dir „The Most Interesting Man in the World“ nun ein Begriff ist, möchte ich die vier verschiedenen Schneider-Stile genauer betrachten. Alphabetisch geordnet, mit Blick auf die prägendsten Elemente des jeweiligen Stils, bieten diese zumindest einen groben Überblick zur Orientierung.

American Tailoring – Amerikanischer Schneider-Stil

Denkt man an den amerikanischen Schneiderstil, dann denke ich nicht direkt an Schlagworte wie Eleganz, simples aber durchdachtes Design oder Stil im eigentlichen Sinne. Vielmehr kommen einem die Worte Funktion, Einheit und Rebellion in den Sinn. Denkt man ein wenig zurück, war amerikanische Kleidung genau das, eine Art Uniform, die ihre feste Funktion darin hatte sich in vorgegebene Strukturen einzupassen, erst in den vergangenen Jahren spürt man, dass diese Strukturen aufbrechen.

Ein Klassiker war der graue Flanellanzug, der im Büro getragen wurde, wie Bienen erschienen die meisten Büro-Angestellten im selben, eintönigen Outfit. Am Abend wurde triste Anzug gegen einen blauen Blazer, Khakis und Schnürer ausgetauscht, um dem Country Club einen Besuch abzustatten. Am Wochenende war auch Mal Jeans in Verbindung mit einer Tweed Jacke gestattet.

Alles Elemente die sich im heutigen Stil des American Tailoring noch auffinden lassen. Allerdings nicht mehr so streng kombiniert, beziehungsweise aufgelockert durch entsprechende Accessoires, bunte Stücke die als Akzent dienen und die Strukturen aufbrechen.

Versucht man sich heute an einem modernen Klassiker, dann ist ein Nayfarbener Seersucker Anzug mit weich fallenden Schultern – bezeichnet ein Krepp-Gewebe, das sich durch einen zerknitterten Oberflächeneffekt auszeichnet – in Verbindung mit einem hellen Oxford-Hemd sowie einer Seidenstrick Krawatte eine vernünftige Wahl. Für das Tüpfelchen auf dem i kombiniert mit einer Ray-Ban Clubmaster sowie einem Paar dunkelbrauner Schnürer.

British Tailoring – Britischer Schneider-Stil

Die Eleganz, schlichtes gar konservatives Design, die man beim Amerikanischen Schneider-Stil vermisst, tauchen dafür umso stärker im Britischen Pendant auf. Denn der britische Stil der Schneiderei zeichnet sich durch traditionelle, konservative Schnitte auf, die das Gefühl von Macht vermitteln sollen. Seine Position im Bereich der Maßschneiderei festigt der britische Stil nachhaltig durch die Savile Row.

Diese Straße ist bekannt für die dort ansässigen Herrenausstatter des gehobenen Genres, die vornehmlich nach Bespoke-Art maßnehmen. Ein Bespoke-Anzug ist mit der deutschen Übersetzung Maßanzug gleichzusetzen, denn auch hier wird jedes Teil individuell vermaßt, gefertigt und angepasst.

Die Savile Row mit den dort ansässigen Unternehmen zählt unter anderem Prince Charles, Winston Churchill, Charlie Watts, Lord Nelson und Napoléon III zu seinen Kunden. Auch James Bond Vater Ian Fleming kaufte seine Anzüge dort und ließ seinen James-Bond-Charakter fiktiv bekleiden.

Bekannt ist der britische Schneider-Stil für seine robust wirkende Brustpartie, eckige Schultern sowie Stoffe, die eher schwer sind. Ein Outfit, das diesem Stil zugeordnet werden kann ist die Kombination eines navyfarbenen Zweireihers mit weißen, feinen Längsstreifen und ausgeprägter Schulterpartie. Dazu wird ein kontrastierendes Button-Down-Hemd getragen sowie eine farbenfrohe, gemusterte Krawatte.

Allein durch die verschiedenen Farben und Muster entsteht ein äußerst ansprechender Look. Aufgewertet wird dieser durch ein zur Krawatte passendes Einstecktuch, einem Paar hochwertiger Manschettenknöpfe und einer eleganten Armbanduhr.

French Tailoring – Französischer Schneider-Stil

Betrachtet man den französischen Schneider-Stil fällt einem auf, dass dieser durch Zurückhaltung, Minimalismus, Klasse und Eleganz geprägt ist. Oder um es auf Französisch zu beschreiben: „chic“. Der Schnitt an sich ist eher ein wenig lässiger, im Vergleich zum britischen Stil, aber nicht ganz so weit geschnitten wie beim amerikanischen Schneider-Stil. Dennoch wirkt es nicht schlampig oder zu leger.

Bei den Farben beschränken sich French Tailoring auf zurückhaltende, monochrome Farben, welche ganz gut zum eleganten, minimalistischen Erscheinungsbild der eigenen Stücke passen. Hierdurch sind die Anzüge auch zu fast jedem Anlass jeder Tages- und Nachtzeit tragbar. Egal ob man nun ein Café au Lait in einem kleinen, alten Café nahe des Eiffelturms trinkt oder ein, zwei Flaschen Wein am Abend mit seinen Kollegen.

Strukturierte Woll- und Leinenanzüge in dunkler Farbe bilden beim zuvor eingebundenen Foto die äußerste Schicht. In Verbindung mit diesem wird ein lässiges Hemd, mit leichter Struktur in ähnlichem Farbton getragen, dazu ein Seidenschal, der das Outfit spürbar auflockert und ein wenig Farbe in dieses einbringt. Ein Paar dunkelbraune Schnürer sowie eine farblich dazu passende Lederarmbanduhr vollenden das Outfit.

Italian Tailoring – Italienischer Schneider-Stil

Ist vor allem der britische Stil durch schwere Stoffe und dunkle Farben geprägt, scheint der italienische Schneider-Stil das genaue Gegenteil darzustellen. Ein weiches, glänzendes und dennoch ausdrucksstarkes Erscheinungsbild prägen diese. Man spielt bewusst mit Farben, schlägt neue Wege ein und versucht Aufmerksamkeit zu erregen. Bei den Farben wird gerne Mal zu kräftigen Tönen gegriffen, aber auch die Knöpfe am Jackett dienen als Blickfang.

Generell spielen Details eine wichtige Rolle. So ist beispielsweise ein Einstecktuch zwar klein, verleiht jedoch dem eigenen Sakko das nötige Etwas. Für Krawatten, egal ob Strick- oder klassische Krawatte, gilt das Gleiche.

Jonathan Goldsmith trägt bei diesem vom italienisch geprägten Outfit ein rosarfarbenes, unstrukturiertes Seiden-/ Leinenjackett mit breitem Revers, darunter ein hellblaues Hemd mit lang geschnittenem Kragen. Hier könnte ich mir auch gut ein Button-Down-Hemd vorstellen. Farblich abgestimmt kommt das Einstecktuch daher, das sowohl von Form als auch Farbe einen deutlichen Kontrast zum restlichen Outfit bildet. Gebräunte Haut, ein paar Haare auf der Brust sowie das ein oder andere Armband vollenden das Outfit.

Quelle & Copyright Fotos: Articles of Style – The Most Interesting Tailoring in the World

Gepostet von Sebastian

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4 Kommentare

  1. Roland Feldhaus 03.11.2017 um 00:05

    Die Aussagen zu den einzelnen Stilen erscheinen mir ein bisschen zu pauschal. In der Savile Row gibt es ja z.B. nicht nur eine Fa. Huntsman, auf die die obige Beschreibung des englischen Stils recht gut passt, sondern auch einen Anderson & Sheppard, der eher dem oben beschriebenen italienischen Stil (bis vielleicht auf die Stoffauswahl) zuzurechnen wäre. In Italien gibt es signifikante Unterschiede im Stil. Um die Unterschiede zu sehen, muss man nicht einmal italienische Maßschneider aus verschiedenen Regionen aufsuchen, man kann auch einfach die Machart von Konfektionswaren bekannter Marken, wie z.B. Brioni (Rom) und Kiton (Neapel) vergleichen.

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    1. Hast du sicherlich recht Roland. Wollte auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Es ging einfach darum aufzuzeigen, dass es unterschiedliche Stile gibt. Dass diese ihre Nuancen und Ausprägungen haben ist mir bewusst.

  2. Klaus Arbter 11.02.2018 um 23:24

    Der gute Mann trägt jeweils das Hemd aus der Hose – macht man das wirklich so (auch in seinem Alter)? Meine Frau attestiert mir unmodisch zu sein, weil ich jedes Hemd immer in der Hose trage.

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