Wachsjacken sind nicht nur beim englischen Adel angesagt – das solltest du darüber wissen…

Wie der Name der Wachsjacke anmuten lässt, wird bei der Produktion dieser Jacke Wachs verwendet und zwar zur Imprägnierung. Das dahinterstehende Prinzip ist nicht neu – Wachs schließt vor Wasser und es läuft ab. In Australien beispielsweise ist diese Praxis bei der Produktion von Kleidung noch weiter verbreitet als bei uns.

Aus europäischer Sicht dominiert eindeutig England. Die Produktion ist Tradition. In diesem für seine häufigen Niederschläge bekannten Binnenstaat greift man gewohntermaßen bei sämtlichen Outdoor-Aktivitäten darauf zurück. Von alter Tradition würde ich aber bei der vergleichsweise jüngeren Geschichte nicht sprechen, immerhin wird diese Titulierung bei jahrhundertealten Kleidungsstücken verwendet und verlöre so seine Aussagekraft. Es sei denn, man rechnet die Praxis der Seefahrer vor 200 Jahren dazu, unter geölten Segeltüchern Schutz zu suchen und in „Waxcotton“ – als geölte Baumwolle – mündete, sozusagen als Vorreiter.

In Großbritannien sind einige namhafte Hersteller ansässig, etwa Barbour, Royal Scot und Puffa. Sie setzen allerdings nicht sehr auf Verbreitung außerhalb des Königreichs und es sind No name-Produkte bei uns eher zu finden. Für die Jagd und Fischer werden jeweils unterschiedliche Arten produziert. Letztere gereichen nur bis unter die Brust.

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Wofür steht die Wachsjacke?

Abgesehen von der Funktionalität, die auf der Hand liegt, steht die Wachsjacke laut Helen Barbour aus dem Hause der bekannten Marke für einen bestimmten Lifestyle. Dort verwendet man sogar den Namen der Marke als Synonym für die Wachsjacke an sich, so etwa bei uns viele Menschen von „Pampers“ anstatt Windeln sprechen.

Sie berichtet von einem unvorhersehbaren Comeback der Wachsjacken durch einen spontan einsetzenden Regen bei Glastonbury im Jahr 2006, einem regelmäßig stattfinden Festival im Südwesten Englands. Der Zufall wollte es nämlich, dass genau die aus Barbours Sicht richtigen Leute Wachsjacken trugen: die dort Coolen. Die Wachsjacken erlebten davon ausgehend eine kleine Renaissance.

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Noch 1985 noch sorgte Prinzessin Diana für gute Verkaufszahlen, indem sie eine Barbour trug. Danach war lange Zeit Ebbe. Bis 2006 eben – man begann wieder, sie aus Stilbewusstsein zu tragen und nicht zwecks Regenschutz. Die Wachsjacke steht heute für einen gewissen Charakter, der nicht im Jagen oder Fischen begründet liegt, sondern einer Art eigener charakterlichen Präsenz.

Auch bei Open Air-Events mit schlechtem Wetter greift immer gerne eine Prominenz auf Wachsjacken zurück. Die Geschichte der Wachsjacken ist keine historisch lange Zeitspanne – sie umfasst dafür jüngere Entwicklungen umso mehr aber definiert sich auch auf diese Weise. Nahezu still und heimlich, und doch ist ihr Einsatz etabliert und verfestigt. Sie sind übrigens die einzige Regenjacken-Art, die man auch einmal zu einem Anzug tragen kann.

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Kontrapunkte zur Wachsjacke

Manche Kommentatoren sprechen sogar von einer „Eintrittskarte in die feine Gesellschaft“. Andere nennen die knautschige Wachsjacke aus South Shields dafür als polarisierendes Fettnäpfchen und sehen sie als Ausdruck von Spießigkeit und Arroganz. Man hat der Wachsjacke ihre Ausdrucksfähigkeit in der Ära Thatchers dort nicht verziehen.  Sie war immerhin Markenzeichen der Neureichen und in ihrer Zeit eine wenig beliebte Spezies – zumindest in England. Manche Studenten, Kinder der wohlhabenden Schicht in grünen Wachsjacken – mit oder ohne Regen – wurden freilich als nicht authentisch erlebt und ernteten die Folgen einer polarisierten Gesellschaft.

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Diese Schizophrenie zulasten der Wachsjacke gilt aber spätestens durch die nunmehrige Wertschätzung als Begleiter für coole Highlights als überwunden und das Tragen der Wachsjacke lässt keine Zuordnung auf wie auch immer geartete Weltanschauung zu.

Nur wie überall ist Markenware schlicht teurer in der Anschaffung aber dafür hochwertiger – so auch hier. Man kann beinahe von einer Investition sprechen, immerhin bilden die Lebensdauer und Zeitlosigkeit dieser Stücke ein Kontrapunkt zur Wegwerfgesellschaft.

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Das Innenfutter ist meist aus angenehmer Baumwolle, große Ballontaschen mit viel Platz finden in Sachen Praktibilität ihre Bestandsberechtigung und sie sind natürlich zu 100 % wasserdicht. Manche Modelle sind mit herausnehmbaren Thermowesten ergänzt. Natürlich gibt es heute auch Exemplare aus Bio-Baumwolle, vollständig vegane oder von Unternehmen mit einem hohen Level am ökologisch und ethisch vertretbaren Bedingungen – was auch immer man für wichtig erachtet. Man muss sich solche Anbieter einfach immer selber suchen und auch einmal den typischen Anbietern auf die Finger schauen, sprich, etwas recherchieren.

Wachsjacken für Motorradfahrer

Auch Motorradfahrer entdeckten Wachsjacken sie für sich. Und das schon in den 30ern. Belstaff und Barbour bedienten als Marken bereits auch diese Klientel. Leder als nie zufriedenstellender Regenschutz wurde abgelöst. Einerseits wurde es billiger, was aber heute nicht mehr so gesagt werden kann, zweitens wirklich wasserdicht und drittens ist und war der angebliche Vorteil, atmungsaktiv zu sein, ohnehin nie ein Privileg von Tierhäuten.

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Belstaff belieferte fast nur Motorradfahrer. Weniger funktionell, aber dafür edel prägte sich Barbours Palette für Adelige aus, die sich auf Golfen und Jagen konzentrierten. Die Modelle für Motorradfahrer unterscheiden sich schon durch die kürzere Länge als jene der typischen „Sauwetterjacken“ für alle Fälle. Sie verstehen sich auch als bequeme Ausstattung für die Haltung beim Fahren und dabei braucht man keine die Taille überschreitende Jackenlänge. Verstärkungen an Schulter und Ellenbogen findet man hier häufig, genauso wie anpassbare Nackenriemen. Diese Details benötigt der typische Träger immerhin nicht.

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Zur Jahrtausendwende aber gewann Tex an Beliebtheit und in Deutschland gab es keine Hausmarken mehr. Eher als Retro-Trend entwickelte sich dann eine erneut im Steigen inbegriffene Nische unter den Bikern, die Wachsjacken stylischer als früher ausgestattet in die Salonfähigkeit zurückholen.

Biker-Jacken aus Pakistan

Die meisten Anbieter der Wachsjacken für sie stammen heute übrigens aus Pakistan. Die Zulieferer der Pakistanis für das Obermaterial stammen aber – siehe da – aus England. Insidern ist „Millerain“ als Anbieter ein Begriff. Ein relativ neuer Test ergab, dass Belstaff nämlich eher auf Fashion konzentriert ist als auf Gebräuchlichkeit für Motorradfahrer. Die Lücke wird mit ihm wieder gefüllt.

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Als Sieger im Beliebtheitsranking der Motorrad-Wachsjacken offenbarte sich übrigens Modeka Glasgow, mit einem ihren Kreis kaum übersteigenden Bekanntheitsgrad, der Old Style mit der Moderne verbinden kann und den stylischen als auch sonstigen Anforderungen gerecht wird. Für die „Weder-Noch-Kunden“, also der typischen Verwendung in der Freizeit, sind diese wasserdichten Ausstattungen für draußen in qualitativer Hinsicht dennoch ein Renner.

Meistens in Form eines Parkas, aber doch auch optisch am Biker-Outlook orientiert oder in schlichter Anlehnung an die englische High Society bietet die Wachsjacke ein weit breiteres Repertoire an Gebräuchlichkeit und Auswahl, viel mehr als der Name aussagen kann. Um reine „Wachsjacken“ handelt es sich nicht. Sie sind das Zeichen für einen bestimmten Lifestyle.

About Sebastian

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