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Eine Weinflasche richtig öffnen – so geht’s

Nachdem ich euch vor knapp drei Wochen erste Tipps auf dem Weg zum Weinkenner gegeben habe, geht es heute um etwas eigentlich recht banales, das Öffnen einer Weinflasche. Um den Mehrwert folgender Worte klarzustellen: Es geht hier nicht um den eigentlichen Sinn und Zweck des Öffnens einer Flasche. Es geht hier viel mehr darum, sich selber in ein niveauvolles Licht zu rücken und ein gesellschaftliches Ereignis aufzuwerten.

Aber auch dem Pragmatiker unter den öffnungswilligen Weinbesitzern wird abschließend eine kleine Anleitung geboten und sei es nur als abschließende Anekdote. Man öffnet die Weinflasche demnach immer in Ruhe und betrachtet den Vorgang als kleine Zeremonie.
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Die einzelnen Schritte sind dabei ziemlich vorstrukturiert – vor Modifikationen wird gewarnt: Wer ungeübt und vielleicht auch noch nervös mit den spitzen Utensilien gegen das Glas stochert, geht doch ein Verletzungsrisiko ein. Komplette Newcomer sollten sich daher vorher etwas einüben.

Die Plastikkappe lösen – der erste Schritt beim Öffnen einer Weinflasche

Die Folie ist nicht nur ansatzweise aufzustechen und in Fusseln runter zuziehen, sondern muss waagerecht und sauber mit einem Schnitt, nicht zu weit oben, durchtrennt werden. Dazu eignen sich kleine Messer. Der häufigste Fehler findet bereits an dieser Stelle statt: Man macht irrigerweise diesen Schnitt allzu oft an höchst möglicher Stelle des Flaschenhalses.

Warum ist das falsch? Weil ansonsten ein Restbestand verbleiben wird, über den beim Ausschenken der Wein fließt. Dieser träfe bei auch noch so kleinen Restbeständen außerdem direkt auf eventuelle Teilchen und könnte schlimmstenfalls das Geschmacksergebnis beeinträchtigen und kleine Plastikteile mit schwemmen. Direkt unter den Rillen des Flaschenhalses ist dieser Schnitt ideal, dort wird auch besser geführt und man rutscht nicht ab.

Wer aus dieser Höhe einen geraden, senkrechten Schnitt nach ganz oben ansetzt, kann jeglichen Restbestand wie eine Kappe einfach herunterziehen. Es verbleibt in diesem Fall auch keinerlei Plastikbestand bestehen. Ein Herumziehen und „Entfusseln“ von kleinen Teilchen sollte so nicht erforderlich werden.

Natürlich wäre aber, falls unvermeidbar, ein allenfalls vorhandenes Stück nachträglich abzunehmen. Idealerweise probiert der Neuling diese Schritte einfach vorher alleine aus, ehe er sich mit der Prozedur ins Lichte einer Gesellschaft rückt.

Zwischenschritt: Abwischen!

Ehe man sich nun auf den Korken als größte Herausforderung stürzt, nimmt man in aller Ruhe eine saubere Serviette zur Hand und wischt zur Gänze das Glas ab. So entfernt man auch noch allfällige Rückstände von Wein und Korken. Vor allem beim Rotwein sind Weinablagerungen nicht selten.

Der Stich in den Korken

Die Positionierung des Korkenziehers zeichnet sich verantwortlich für den weiteren Verlauf und ist nur lästig zu korrigieren. Schlimmstenfalls sind alle Augen auf das Werk gerichtet und man muss mühsam erneut ansetzen. Dass sodann die Mitte der Spiralen möglichst parallel zum Verlauf des Flaschenhalses einzuführen ist, liegt auf der Hand.
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Andernfalls wird sich der Korkenzieher in das Glas und möglicherweise sogar die Hand bohren. Also ist vollste Aufmerksamkeit beim Ansetzen dem Winkel zu widmen! Vom Punkt her ist es die Mitte des Korkens, den es anzupeilen gilt.

Nach der richtigen Positionierung darf gedreht werden. Man macht sich die Hebelwirkung zunutze und kann danach ohne Kraftaufwand und relaxt den wichtigsten Akt vollenden:

Das Herausziehen des Korken

Wer das typische Ploppen vermeiden möchte, macht sich einen kleinen Trick zu eigen. Und das ist auch anzuraten, denn Geräusche beim Flaschenöffnen sollten in feiner Gesellschaft Sekt und Champagner vorbehalten bleiben: Das letzte Stückchen beim Herausziehen kann man durch, leichte, Bewegungen nach links und rechts bewerkstelligen. Durch die geänderte physikalische Situation entsteht kein Druck, der dann rapide zu diesem Geräuschpegel mutieren kann.

Das sensorische Zeremoniell

Die Sache mit dem Riechen – dieser Akt ist uns wohlbekannt, der schon überlegenes Grundwissen des Gastgebers vermuten lässt und vielleicht sogar Vertrauen erweckt. Mittels der Wahrnehmung des Geruchs der nun geöffneten Flasche beschützt man nämlich seine Gäste vor unliebsamen Überraschungen in Form von Korken- oder gar Modergerüchen.
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Diese Kontrolle soll eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit mit sich bringen, dass der Inhalt auch genießbar ist. Es kann durchaus möglich sein, dass auch die höchstwertige Sorte mit einem Mangel behaftet ist. Doch warum eigentlich?

Der Hintergrund muffeliger Flüssigkeiten

Es findet im Inneren einer Flasche ständig ein gewisser Prozess statt, der gerade vom Korkenmaterial beeinträchtigt wird. Zumeist liegt es an der Anwesenheit vom sogenannten „ TCA“, wo bereits einige Milliardstel (!) an Luft zu einer chemischen Veränderung führen. Genaue Werte zur Feststellung in der Höhe kann man niemals ermitteln, weil die sensorische Erfassung per Person völlig unterschiedlich ausgestaltet sein ist.
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Wo also sollte man die Latte in Form von Grenzwerten erfassen? Hier scheiden sich die Geister. Außerdem muss auch der beste Weinkenner nicht unbedingt der beste Vorschmecker sein – man darf aber von einer höheren Sensibilisierung bei Personen mit „Übung“ ausgehen, welche auch die sensorische Wahrnehmung beeinflusst.

Das Finale des richtigen Öffnens einer Weinflasche

Nachdem erneut die Serviette sorgfältig zur Reinigung des Flaschenhalses auch im Flascheninneren benützt und dann endgültig abgelegt wird, kann man nur noch in Sachen Optik einen Pluspunkt erhalten: Nämlich indem man den Korken wieder, dieses Mal nur leicht, aufsetzt. So bleibt der werte Tropfen auch weiterhin geschützt.

Für Fortgeschrittene: Die „Kellner-Methode“

Eine ruhige Hand und ein sogenanntes „Kellnermesser“ vorausgesetzt, kann sich nicht nur die fachkundige Bedienung im Restaurant oder Weinkeller dieser Art des Flaschenöffnens bedienen. Das Instrument besteht aus drei Teilen: Hebel, Spindel und Messer. Bei wem zumindest die beiden ersten Begriffe keine eindeutigen Assoziationen hervorrufen, der sollte sich online ein Bild davon vermitteln oder im Handel gezielt danach fragen.

Am Flaschenhals, und zwar unter der Kapsel, befindet sich üblicherweise eine Kante. Sie gewährleistet sicheren Halt beim Ansetzen des Messers. Die Metallbeschichtung, also die Schutzdichtung aus schneidfähigem Material, ist in einem geraden Schnitt zu entfernen. Sie lässt sich auch hier wie eine Kapsel – idealerweise in einem Stück – herunternehmen.
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Das Eindringen der Spindel durch ihre Spitze muss ganz gerade erfolgen. Da sie aber spiralförmig und daher eben nicht gerade ist, muss man sie in einem leichten Winkel ansetzen. Dazu genügt ein vorheriges Ausprobieren aus, um bei der später publikumswirksamen Öffnung die Neigung gut einschätzen zu können.

Durch die sofortig erfolgende Drehbewegung wird der Einschub wieder gerade und soll von oben in der Mitte des Korken „landen“. Durch den Halt, welchen die Spitze mittlerweile findet, kann man innehalten und das Tempo als auch die Drehrichtung je nach Bedarf anzupassen. Es ist logisch, dass eine zu schief gehaltene Spitze innen gegen die Wand des Flaschenhalses stoßen würde und das Glas als auch die eigene Hand verletzen könnte. Man kann sagen, es unterscheidet sich diese Art vom Korkenzieher in der fehlenden Sicherheit: Korkenzieher haben einen Ring um die Spindel. Dieses Risiko wird dadurch abfedert.

Nach dem Eindrehen, welches in seiner optimalen Tiefe schon durch die spiralförmige Ausgestaltung indiziert ist, wird der Hebel am Ende des Flaschenhalses fixiert. Ein einmaliges Anheben sollte ausreichen, um langsam aber sicher den Korken herauszuziehen. Hier ist freilich das „Popp-Geräusch“ nicht so einfach zu verhindern.

Für Events abseits aller Etikette

Wenn es schnell gehen muss, keine anspruchsvolle Gesellschaft den „guten Ton“ bevorzugt und anstatt dessen die Freunde in einer lustigen Runde dem Korken nur ehest rasch den Garaus machen wollen während auch kein Korkenzieher vorhanden sind, gibt es unfeine, aber effiziente Tricks:

Mit dem Schlüssel zum Erfolg

Ziel ist es hier, mit einem Schlüssel den Korken soweit zu beschädigen, dass Luft in den Flaschenhals eindringen kann. Dabei sollte man sich vom Rand in die Mitte vorarbeiten. Sobald eine minimale Luftdurchlässigkeit vorhanden ist, lässt sich der Korken von oben ganz locker abziehen.
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Es besteht allerdings die Gefahr des Eindringens von Korkenbrösel. Entfernt man sie allerdings sofort, hat das keine Auswirkungen. Das mag wohl nicht die „feine Englische“ sein – diese auch spontan mögliche Einlage weist aber in anderer Hinsicht ihren Unterhaltungswert auf.

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Copyright Fotos: Open it open it !!! – ores 2k (Flickr) // corkscrew – Robert S. Donovan (Flickr) // low rising – Ryan Heaney (Flickr)

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