Wie kann der Mann oder die Frau von heute eigentlich Regelwerke akzeptieren, die aus anderen Jahrhunderten stammen? Wer passt Knigges Regeln an die Gegenwart an? Sind diese Verhaltensregeln überhaupt für jede Gesellschaftsschicht geeignet? Wer war Knigge und warum zählt sein Wort in dieser allgemein anerkannten Form, noch dazu in einer derart langen Zeitspanne?

Diese Frage musste ich mir einfach Mal stellen, nachdem ich dir und den anderen Lesern in der Vergangenheit bereits einige Knigge Regeln mit auf den Weg gegeben habe. Da sollte man wenigstens Mal wissen, von wem diese stammen. Die angesprochenen Beiträge findest du übrigens hier:

„Gestatten, Freiherr Adolph  Franz Friedrich Ludwig Knigge!“

Wir schreiben 1752 n. Chr. Mit Adolph Knigge wurde in Hannover ein späterer Schriftsteller und „Aufklärer“ geboren. Doch: Was ist ein „Aufklärer“?

Man muss dieses Zeitalter verstehen – erstmals hinterfragte man in der Öffentlichkeit die religiösen Einflüsse im Staatsgefüge und Sonderstellungen von gesellschaftlichen Gruppen. War es seine Absicht, einen Ratgeber für gutes Benehmen zu schaffen oder doch im Sinne des Zeitgeistes der Aufklärung für eine „bessere Welt“ zu kämpfen? Letzteres ist der Fall. Knigge lag es fern, sein Umfeld mit weiteren Einschränkungen zu belasten. Vielmehr wollte er dazu beitragen, solche zu ersetzen und doch den Umgang mit anderen Menschen positiv zu beeinflussen.

Sein berühmtestes Werk „Über den Umgang mit den Menschen“ war inhaltlich als Befreiungsschlag zu verstehen. Denn er wollte jedem Menschen denselben Respekt entgegenbringen und nicht eine Fibel für die „oberen Zehntausend“ verfassen. Selbst der Umgang mit Tieren war ihm ein Anliegen. Erst die zahlreichen Umschreibungen nach seinem Tod verliehen diesem Werk den Charakter von heute. Korrekt ist das allerdings nicht.

Knigges Leben

Zwar stammte Knigge von einem adeligen Geschlecht ab und genoss diverse, höhere Privilegien dieses Standes. Doch sein Elternhaus war verarmt und die Probleme des einfachen Volks waren ihm nicht fremd.

Er wuchs in der Blütezeit der Aufklärung auf. Seine Eltern verstarben in frühen Jugendjahren und hinterließen ihm einen Berg an Schulden. Das Schloss, wo er seine Kindheit verbracht hatte, wurde zwangsverwaltet. Er erhielt zwar Unterhalt, aber ansonsten verblieb nichts vom einstigen Adel und seinen materiellen Werten. Er kam in ein Internat in Hannover, anschließend studierte er Jura und Kameralistik in Göttingen. 1771 schien es das Schicksal gut mit ihm zu meinen und er wurde Hofjunker und Assessor unter dem Landgrafen Friedrich II von Hessen-Kassel.

Er wurde aber rasch abgesetzt, weil ihm „Misshelligkeiten“ vorgeworfen wurden. Was auch immer das gewesen sein mag – ein rebellisches Naturell und innere, ausgeprägte Opposition zu Staat und Gesellschaft machten schließlich sein Wesen aus. Mit der damaligen Etikette befand er sich eher auf Kriegsfuß als sie ausbauen zu wollen.

Was Knigge mit Sicherheit nicht verkörperte: das sture Verfolgen von Regeln ohne sie zu hinterfragen. Und an eigenen, kritischen Gedanken mangelte es ihm nicht. Als er an einem anderen Hof mit seiner Gemahlin ein reiches Leben ohne Entbehrungen führen durfte, schockierte er mit einem Roman über seine Gönner. Sie und ihre Lebensweisen wurden von ihm als „erbärmliche Hofschranzen“ und „Hofgeschmeisse“ gebrandmarkt.

Er wollte mit seinem berühmten schlicht eine sogenannte „Aufklärungsschrift“ über Taktgefühl und Höflichkeit verfassen und ein respektvolles Miteinander begründen.

Resümee – Knigge, mehr als Regeln

Freilich macht ein Benimmratgeber Sinn. Sich dabei auf Knigge zu berufen, ist aber nicht ganz richtig. Zu viele Autoren haben nach seinem Tod diese Schrift umdefiniert und der Sinn und Zweck wird heute wohl missverstanden. Doch zu guter Letzt ging er damit in die Geschichte ein und erlangte Ruhm und Anerkennung. Und die Menschen von heute haben damit ein Regelwerk, wie sie selber Anerkennung finden können.

Gepostet von Sebastian

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