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Wie isst man(n) was?

Manche Gerichte verzehrt man auf ganz eigene, spezielle Weise. Warum, darf dahingestellt bleiben. Es gehört zum guten Ton. Gerade diese Unterschiede heben sich von den allgemeinen Tischregeln ab, die anders zu speisenden Gerichte grundsätzlich sind selten am privaten Menüplan zu finden und stellen auch in Restaurants keine alltägliche Nachfrage dar. Gerade das verleiht ihrer Darbietung aber eine besondere, oft gehobene Note.

Es liegt auf der Hand, dass diese Unterschiede die Frage des persönlichen Stils ausmachen, welche nicht mit bloßem Allgemeinwissen beantwortet werden können. Wenigstens einmal muss man sich damit auseinandergesetzt haben. Wohl wissend bereitet man sich bei seltenen Gerichten vor aber manchmal wird man spontan auch bei den alltäglichen Speisen – in Gesellschaft – vor Herausforderungen gestellt.

Fragen wie „Was tun mit den Melonenkernen?“ oder „Gerollte Spaghetti auf der Gabel werden zu einem großen Kloß – was tun?“ Auch zu alltäglicheren Fragen sollte man sich zumindest einmal updaten, unverhofft kommt oft.

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Gehobenes Niveau – ein Muss?

Während in anderen Kulturkreisen der Verzehr besonderer Gerichte nach wie vor als gesellschaftliches Muss gilt und teils von Mythen begleitet ist, wo – wissenschaftlich freilich nicht belegte Fabeln – bei manchem Verzehr sogar eine Stärkung der Manneskraft versprochen wird, bestand auch bei uns lange Zeit ein gewisser gesellschaftlicher Druck, aus „Höflichkeit“ die Menüvorgaben des Gastgebers selbstlos zu übernehmen.

Hier fand aber ein gesellschaftlicher Wandel bereits bei der Erziehung statt – auch wenn uns vereinzelt noch der Spruch am elterlichen Tisch zumindest vom Hörensagen bekannt ist, demnach „gegessen wird, was auf den Tisch kommt“. Pädagogisch ist das überholt und heute stärkt man seinen Nachwuchs darin, die eigenen Präferenzen auch nach außen zu vertreten.

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Ebenso gilt es heute als nicht zeitgemäß, zu einer Tischrunde mit eigenwilligen Speisevorgaben zu laden und dem Gast keine individuellere Alternative anzubieten. Laktose-Intoleranz, Allergien, insbesondere ethische Anschauungen und der bloße Geschmack erhielten mittlerweile einen gebührenden Stellenwert.

Die gängigsten Gerichte mit besonderen Essregeln sollten aber nicht aufgrund mangelnder Kenntnisse über den Verzehr abgelehnt werden, vielmehr sollte sich jeder mit den richtigen Umgang vertraut machen. Daher habe ich nachfolgend ein paar nicht so alltägliche Gerichte etwas näher betrachtet.

Schnecken essen, so geht’s

Grundsätzlich gilt bei Schnecken die Verwendung von Schneckengabeln und Schneckenzangen. In der linken Hand ist das Gehäuse mit der Scheckenzange zu umfassen, während man mit der rechten Hand die Gabel festhält und damit das Fleisch löst. Sie unterscheidet sich von typischen Ess-Gabeln durch bloß zwei Zinken, welche auch ziemlich zierlich ausgestattet sind.

Das ist ein einfacher Vorgang, doch sollte man wissen, dass die zeitgemäße Variante das Servieren bereits ohne Schneckenhaus erlaubt. Dann bekommt man auch eine normale Gabel vorgelegt. Gerade kleinere Tiere können nur schwer mit der Zange umfasst werden. Häufig zerbricht dabei das Gehäuse. Man darf sie dann mit der bloßen Hand festhalten. Bei der Zugabe von Kräuterbutter kann diese gemeinsam mit dem Fleisch auf einem Löffel zum Mund geführt werden.

An dieser Stelle besteht selbst nach Knigge eine kleine Ausnahme im Zusammenhang mit Brot und Tunke: Wenn die Teller kleine Einbuchtungen aufweisen, worin die Schnecken abgelegt wurden und sich die Butter sammelt, lässt sie sich mit dem Löffel nicht erfassen. Daher darf man hier kleine Brotstückchen eintunken. Normalerweise ist das nämlich streng verpönt.

Krebse, Austern und Fingerschalen

Fingerschalen werden immer dann gereicht, wenn ausnahmsweise der Verzehr per Hand erlaubt ist. Sie befinden sich links vom Teller. Darin wird lauwarmes Wasser geboten, welches aus dekorativen Gründen etwa mit Zitronenschalen oder Minze angereichert wird. Eine Funktion kommt diesen Zusätzen aber nicht zu. Dazu bekommt man freilich eine eigene Serviette, um die Hände stets trocknen zu können. Der Essvorgang selber ist simpel und muss daher nicht veranschaulicht werden.

Melone – Standard, aber dennoch aufgepasst!

Die Herausforderung beim Essen einer Melone wird umso evidenter, wenn man sich dabei in Gesellschaft befindet. Der klebrige, aber erfrischende, süße Saft einer Wassermelone ist zwar beim Verzehr gerade an heißen Tagen angenehm, doch an den Händen ein unangenehmer und unappetitlicher Effekt. Zudem ist die Entfernung der Kerne lästig und störend. Dadurch sollte man sich aber nicht davon abhalten lassen, auch bei offiziellen Anlässen zuzugreifen. Noch immer gibt es keinen höheren Mehrwert für den menschlichen Organismus als bei frischem Obst.

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Als „Vorarbeit“ der guten Küche wird die Melone bereits in kleinen Scheiben serviert. Wer das Mitessen der Kerne bevorzugt, begeht keinen Fauxpas. Ebenso wenig aber gälte der Verzicht auf dieses nicht verallgemeinerungsfähige Vergnügen als unschicklich: Man kann Kerne mit in den Mund führen und auf diskrete Weise in die linke Hand spucken. Allerdings ohne Abstand und als geräuschfreier Vorgang.

Spaghetti rollen so geht’s richtig

Eigentlich ist es logisch: Je länger die Spaghetti, desto dicker die Rolle auf der Gabel. Genauso logisch aber ist es, dies erst dann erkennen zu können, wenn bereits aufgerollt wurde. Mit der Gabel in der rechten Hand werden daher zuerst einmal nur zwei bis drei Spaghetti aufgespießt. Dann hat man ein Gefühl für die Länge und kann in der Folge die Menge anpassen – Vorsicht: recht viel mehr an der Zahl sollten es aber pro Bissen nicht werden. Man dreht noch am Teller, nicht aber am Löffel. Dies wäre passé. Heute kann auch auf den Löffel verzichtet werden. Zur Sicherheit: Schneiden der Spaghetti zwecks Vereinfachung ist nur bei kleinen Kindern erlaubt!

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Essen mit Stäbchen

Essen mit Stäbchen wurde uns von Knigge nicht vorgegeben. Vielmehr sind die Vorbilder in anderen Regionen bekannt. Man legt ein Stäbchen in die Beuge zwischen Daumen und Zeigefinger. Nur rund ein Drittel der Eigenlänge darf es die Hand überragen. Man muss es mit dem Ringfinger stets abstützen, damit es auch gerade bleibt. Das zweite Stäbchen kommt zwischen Zeige- und Mittelfinger. Gedrückt wird mit der Daumenkuppe, ähnlich wie beim Halten eines Bleistifts.

Die Spitzen der zwei sind nun zu kreuzen. Das untere Stäbchen soll sich dabei nicht bewegen, nur das obere wird gesteuert. Dazu verwendet man Zeige- und Mittelfinger. Die Enden sind wie kleine Zangen zu verwenden. Es gilt: Übung macht den Meister! Den meisten Menschen macht es Spaß.

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Mit den hier dargestellten Unterschieden ist man bestens auf den nächsten Restaurantbesuch vorbereitet, unabhängig davon, ob typische Alltagsgerichte oder Besonderheiten auf den Tisch kommen. Dennoch: Manche Abläufe brauchen Übung. Wenn man sich bei dem einen oder anderen Gericht unsicher fühlt, geht nichts über Ausprobieren.

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